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Vorlage - 120/04  

 
 
Betreff: Förderung von Projekten in der Dritten Welt und Osteuropa
Status:öffentlich  
Federführend:D e z e r n a t V   
Beratungsfolge:
Sozialausschuss Vorberatung
06.07.2004 
Sitzung des Sozialausschusses      

Antrag der Verwaltung:

 

1. Kenntnisnahme zu I. und II.

 

2. Zustimmung zu den Verwaltungsvorschlägen unter III.


Sachverhalt/Begründung:

 

  1. Ausgangssituation und Allgemeines

 

Im Kreishaushalt des Jahres 2004 sind 45.000,-- € zur Förderung von Hilfsprojekten in der Dritten Welt und Osteuropa eingestellt. Seit Jahren sind die finanziellen Zuwendungen des Ostalbkreises für eine ganze Reihe von Gruppierungen und Vereinen im Ostalbkreis eine unverzichtbare Unterstützung, die auch immer wieder dazu beiträgt, die Herausforderungen der Dritten Welt und Osteuropa motiviert und mit großem ehrenamtlichen Engagement anzugehen. Wie die nachfolgende Übersicht zeigt, suchen immer wieder neue Gruppierungen, die bislang keine Landkreisförderung erhalten haben, deren Projekte und Maßnahmen jedoch nicht weniger bemerkenswert und wertvoll sind, die Unterstützung des Ostalbkreises.

 

 

  1. Aktuell vorliegende Bewilligungsanträge

 

Aus den Jahren 2003 und 2004 liegen der Verwaltung derzeit folgende Anträge vor:

 

  1. Antrag des Vereins “ Hilfe für Togo” e. V. auf Förderung einer Dorfschule in Südwesttogo.

 

  1. Antrag des Vereins IMEDI - Deutsch/Georgisches Traumaprojekt e. V. auf weitere Unterstützung eines humanitären Programms für Georgien

 

  1. Antrag des Freundeskreises “Küche der Barmherzigkeit” auf Förderung des Hilfsprojektes in Armenien

 

  1. Antrag des Freundeskreises Uganda auf Unterstützung eines Selbstversorgungsprojektes in der Diözese Masaka/Uganda

 

  1. Antrag der Katholischen Kirchengemeinde Herz Jesu Fachsenfeld auf Förderung eines Bildungsprojektes in Argentinien

 

  1. Antrag des Lions-Club Ostalb - Ipf auf Unterstützung mehrerer Hilfsprojekte in Osteuropa und in Afrika

 

 

 


  1. Stellungnahme der Verwaltung und Förderempfehlung

 

Wie in den vergangenen Jahren praktiziert, soll auch im Haushaltsjahr 2004 so verfahren werden, dass aus dem Haushaltstitel “Hilfe für die Dritte Welt und Osteuropa” im ersten Halbjahr nur ein Teilbetrag bewilligt wird. Um auf drängende und unvorhersehbare Notlagen reagieren zu können, soll wiederum rund die Hälfte des Förderbetrages bis zum letzten Jahresquartal reserviert werden.

 

Unter Berücksichtigung dieser von allen Ausschußmitgliedern stets mitgetragenen Handlungsempfehlung und der Dringlichkeit einzelner Maßnahmen, schlägt die Verwaltung folgende Projekte für die erste Bewilligungsrunde des Jahres 2004 vor:

 

 

  1. Förderung des Neubaus einer Dorfschule in Dange-Wetrope des Vereins “Hilfe für Togo”

 

Der Verein “Hilfe für Togo” ist ein in Waldstetten eingetragener und anerkannter gemeinnütziger Verein, der sich Entwicklungsprojekte in Südtogo und in Südwesttogo zum Ziel gesetzt hat. Mit zahlreichen Informations- und Benefizveranstaltungen konnte der Verein in den letzten Jahren seine Hilfsaktivitäten ausbauen. Gerade vor dem Hintergrund zunehmender politischer Probleme und einer nahezu völligen Lähmung staatlicher Organisationen, ist die Direkthilfe von außen für die notleidende Bevölkerung von Togo ein unersetzlicher Rückhalt.

 

Das Dorf Dange-Wetrope liegt im Südwesten Togos in der Präfektur Kloto, wenige Kilometer von der Stadt Kpalimé entfernt. Das Dorf hat rund 3.500 Einwohner. Die Menschen leben von der Landwirtschaft und bauen vorwiegend Palmöl, Kaffee, Kakao, Maniok, Avocados und Bananen an. Die wirtschaftliche Lage der Dorfbevölkerung ist schwierig, weil die Preise, die sie für ihre wichtigsten Produkte erhält, kaum noch die Kosten decken. Beim Palmöl können sie nicht mit einer nahegelegenen hochprofessionell betriebenen Großplantage konkurrieren. Bei Kaffee und Kakao sind die Erzeugerpreise weltweit so niedrig, dass der kleinbäuerliche Anbau extrem schwierig ist.

 

Trotz ihrer wirtschaftlichen Schwäche hat die Bevölkerung enorme Anstrengungen unternommen, um das Analphabetentum (rund 50 %) zu bekämpfen und die Bildungssituation insgesamt zu verbessern.

 

Im Dorf Dange-Wetrope begann vor kurzem der Neubau einer Dorfschule, der vom Verein “Hilfe für Togo” unterstützt wird. Es handelt sich um 3 Klassenräume, Lehrerzimmer, Versorgungsräume und eine separate Toilettenanlage. Der Kostenvoranschlag für die gesamte Baumaßnahme weist rund 35.000,-- € aus. Diese Summe bezieht sich ausschließlich auf die von Bauunternehmen erbrachten Leistungen. Das Grundstück wird von der Gemeinde kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Bevölkerung erbringt beachtliche Eigenleistungen.

 

Der Verein “Hilfe für Togo” hat sich entschlossen, sich für dieses Projekt zu engagieren und bittet seinerseits um Unterstützung der Schulbaumaßnahme.

 

Die Verwaltung schlägt vor, den Neubau der Dorfschule in Dange-Wetrope mit

8.000,-- € zu unterstützen.

 

 

  1. Zuschuss an den Verein IMEDI - Deutsch/Georgisches Traumaprojekt e. V.

 

Auf Initiative und unter Federführung von Dr. med. Manfred Wiedemann, dem Chefarzt der Abteilung für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie des Klinikums Schwäbisch Gmünd, wurde vor rund 2 ½ Jahren ein Verein gegründet, dessen Zielsetzung darin besteht, humanitäre Hilfe für die Abteilung Orthopädie/Traumatologie der Universitätsklinik Tbilissi in Georgien zu leisten. Im Rahmen erster Hilfen wurden Gerätschaften und medizinische Hilfsmittel nach Georgien gebracht. Gleichzeitig hatten Ärzte und Schwestern der o. a. Abteilung Gelegenheit zur intensiven Hospitation an der Abteilung für Unfallchirurgie des Klinikums Schwäbisch Gmünd.

 

Schwierigkeiten bereitete dem Verein die über längere Zeit instabile politische Situation in Georgien, die auch vor Ort die Arbeit behinderte. Seit wenigen Monaten ist nach Gesprächen mit der Georgischen Botschafterin in Deutschland eine Stabilisierung eingetreten. Auch im Land insgesamt ist seit kurzem ein Neuaufbruch zu bemerken.

 

Im Jahr 2004 hielten sich bislang 4 Unfallchirurgen bzw. orthopädische Kollegen der Universitätsklinik Tbilissi am Klinikum Schwäbisch Gmünd für jeweils 2 Monate zur Hospitation auf. Sie konnten dort eine gute medizinische Basis für ihre operative Tätigkeit in Tbilissi erlangen. Da eine wesentliche Intention des Vereins IMEDI darin besteht, die Ausrüstung der Unfallchirurgischen Abteilung in Tbilissi zu verbessern, wurden moderne Instrumentarien im Wert von über 10.000,-- € angeschafft. Inzwischen wurden in Tbilissi bereits eine lange Reihe von Patienten mit diesen Instrumentarien operativ versorgt. Menschen, für die bislang keine adäquate Behandlung möglich gewesen wäre.

 

In Tbilissi hat sich seit Anfang des Jahres ein Schwesternverein “IMEDI - Georgien” konstituiert. Somit ist es nun wesentlich einfacher, administrative und rechtliche Vorgänge abzuwickeln.

 

Die neue georgische Botschafterin in Deutschland setzt sich tatkräftig für die Anliegen von IMEDI ein. Mit ihrer Vermittlung soll es gelingen, ein Gebäude auf dem Gelände der Universitätsklinik so herzurichten, dass dort moderne operative Medizin möglich ist. IMEDI will die entsprechenden Planungsarbeiten aktiv mitgestalten und insbesondere die Erstausstattung der operativen Abteilung fördern. Für diesen Zweck bittet der Verein um Unterstützung des Ostalbkreises. IMEDI hat daneben zahlreiche weitere Spendenaktivitäten in die Wege geleitet, so unter anderem mehrere Benefizkonzerte, zuletzt im Münster in Schwäbisch Gmünd.

 

Angesichts der eindrucksvollen Bemühungen und Projektaktivitäten des Vereins IMEDI schlägt die Verwaltung vor, den Verein bei der o. a. Ausstattung der OP-Abteilung mit 8.000,-- € zu unterstützen.

 

 

  1. Förderung eines Schulzentrums in der Stadt und Diözese Santiago del Estero/Argentinien über die Katholische Kirchengemeinde Herz Jesu Fachsenfeld

 

Die Katholische Kirchengemeinde “Herz Jesu” in Aalen-Fachsenfeld, ist seit 1987 mit der Gemeinde “Jungfrau von Guadalupe” in der Stadt und Diözese Santiago del Estero in Argentinien partnerschaftlich verbunden. Seit diesem Zeitpunkt hat die Katholische Kirchengemeinde Fachsenfeld die Realisierung mehrerer Projekte tatkräftig unterstützt, so u. a.

 

-          Bau eines Gemeindehauses

 

-          Finanzierung eines Gemeindebackofens

 

-          Errichtung einer Nähstube

 

-          Errichtung einer Radiostation

 

-          Bau eines Kindergartens

 

-          Finanzierung von Studienkosten

 

Während dieser Jahre hat sich die wirtschaftliche und finanzielle Lage großer Bevölkerungsteile in Argentinien und speziell auch in der Partnergemeinde erheblich verschlechtert. Gleichzeitig jedoch wird ein intensives Anwachsen und Erstarken des Gemeindelebens und einer religiösen, sozialen und vermehrt auch politischen Bildung an der Basis registriert.

 

Diesen wichtigen Prozess möchte die Katholische Kirchengemeinde Herz Jesu Fachsenfeld auch in Zukunft unterstützen und deshalb als nächste Maßnahme den Bau eines Bildungszentrums voranbringen.

 

Das Bistum von Santiago des Estero hat durch einen eigenen Architekten für dieses Projekt Pläne anfertigen lassen. Es sind derzeit 3 Klassenräume für die untersten Klassen, Sekretariat, sanitäre Anlagen und Nebenräume geplant. In weiteren Bauabschnitten sollen dann - je nach finanziellen Möglichkeiten - weitere Schulklassen für ältere Schüler und Werkstätten zur Berufsausbildung folgen.

 

Für den ersten Bauabschnitt wird mit Kosten in Höhe von rund 40.000,-- € gerechnet. Die Partnergemeinde in Argentinien kann rund 40 % davon in Form von Eigenleistungen aufbringen. Bei verschiedenen Aktionen hat die Katholische Kirchengemeinde Herz Jesu in Fachsenfeld im letzten Jahr rund 10.000,-- € an Spenden gesammelt.

Das geplante Bildungszentrum ist insbesondere für die Kinder und Jugendlichen in der Diözese Santiago del Estero ein Projekt, auf das viele Hoffnungen und Erwartungen gesetzt werden.

 

Die Verwaltung schlägt vor, für den ersten Bauabschnitt dieses Zentrums eine Unterstützung in Höhe von 7.000,-- € zu bewilligen.

 

 

  1. Antrag des Freundeskreises Uganda Aalen, auf Förderung eines Selbstversorgungsprojektes in Masaka/Uganda

 

Seit mehreren Jahren unterstützt der Ostalbkreis entwicklungspolitische Hilfsmaßnahmen des Freundeskreises Uganda. Insbesondere im Bereich der Aidshilfe, Wasserversorgungsprojekten und anderen Maßnahmen der Land- und Forstwirtschaft ist der Freundeskreis ein verlässlicher Partner der Hilfebedürftigen in der Diözese Masaka.

 

Im November 2003 waren mehrere Mitglieder des Freundeskreises vor Ort in Uganda. Ihr Hauptaugenmerk galt dabei dem Nomadengebiet Ntuusi. Das Land dort ist in weiten Teilen eine Dornstrauch-Savanne. Es regnet in diesem Gebiet sehr wenig. Entsprechend schlecht ist die Versorgung mit Wasser.

 

Vor etwa 12 Jahren konnte mit Hilfe des Freundeskreises eine Krankenstation erbaut werden und daneben ein großer Erdwassertank, der für die Menschen im Buschland überlebenswichtig ist.

 

Im Distrikt Ntuusi leben rund 22.000 Menschen in armseeligen Verhältnissen, darunter viele Kinder, Jugendliche und Heranwachsende. Sie ernähren sich in erster Linie von Mais, aber auch von Hirse, Bohnen und Erdnüssen und je nach Bodenbeschaffenheit zusätzlich von Kochbananen. An Vieh werden die typischen Nomadenrinder, Ziegen, Hühner und Kaninchen gehalten. Der Milchertrag einer Nomadenkuh ist gering und liegt bei maximal einem halben Liter pro Tag.

 

Ein großer Teil der Bevölkerung leidet an Aids, Malaria und Thyphus.

 

In den Jahren 2002 und 2003 konnte der Freundeskreis Uganda eine Maismühle für die Bevölkerung von Ntuusi finanzieren. Sie ist seit August 2003 in Betrieb und stellt eine sehr große Hilfe dar. In Zusammenarbeit mit der Missionsstation Ntuusi startete der Freundeskreis Ende letzten Jahres ein Selbstversorgungsprojekt. Im Laufe der kommenden Jahre soll eine Rinderherde aufgebaut werden, die den Milchbedarf der Bevölkerung decken soll.

 

Von der Regierung Ugandas wurde der Missionsstation Ntuusi dafür ein großes Stück Land zur Verfügung gestellt, mit der Auflage, dieses innerhalb eines bestimmten Zeitraumes zu roden und eine Rinder- bzw. Kuhhaltung nachzuweisen.

 

Für die Landrodung, die Umzäunung des Grundstückes und die Anschaffung von rund 20 Rindern fallen Kosten von rund 4.000,-- € an. Der Freundeskreis rechnet mit dem Eingang mehrerer Einzelspenden und bittet darüber hinaus um Unterstützung seitens des Ostalbkreises.

 

Die Verwaltung schlägt vor, das Selbstversorgungsprojekt des Freundeskreises Uganda mit 1.500,-- € zu unterstützen.

 

 


Finanzierung und Folgekosten:

 

Die Zuschüsse werden aus dem Haushalt 2004 finanziert (HHSt.: 2.4980.9870)

 

 


Anlagen:

 

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Sichtvermerke:

 

 

Fachdezernent __________________________________________________

   Rettenmaier

 

Hauptamt  __________________________________________________

   Wolf

 

Kämmerei  __________________________________________________

   Hubel

 

Landrat  __________________________________________________

   Pavel