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Antrag der Verwaltung
Kenntnisnahme
Sachverhalt/Begründung
Mit Beschluss des Kreistags des Ostalbkreises vom 28.06.2022 ist der Ostalbkreis der Genossenschaft „Innovationspark Künstliche Intelligenz Baden-Württemberg eG“, der späteren „KI-Allianz Baden-Württemberg eG“ beigetreten, die seit Oktober 2023 im Handelsregister eingetragen ist. Landrat Dr. Joachim Bläse wurde in der Generalversammlung vom 19.04.2023 in den Aufsichtsrat gewählt und gehört diesem seither an. Mit der Mitgliedschaft ist der Ostalbkreis aktiv in die landesweite Entwicklung des KI-Ökosystems eingebunden.
Die KI-Allianz Baden-Württemberg ist ein Zusammenschluss der Regionen Stuttgart, Karlsruhe, Neckar-Alb, Freiburg, Nordschwarzwald und Ostalbkreis. Als Genossenschaft verbindet sie Kommunen, Wirtschaftsförderungen, Kammern, Wissenschaft und weitere Partner. Ziel ist es, die vorhandenen Kompetenzen zu bündeln, den Zugang zu Künstlicher Intelligenz insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen zu erleichtern und Baden-Württemberg als leistungsfähigen und sichtbaren Standort für die Entwicklung und Anwendung von KI zu stärken. Der Ansatz der KI-Allianz folgt dem Prinzip „Mehrere Standorte – ein Konzept“. Die regionalen Partner bringen ihre jeweiligen Stärken und Bedarfe ein, während die Allianz überregionale Kooperationen, Wissenstransfer und gemeinsame Projekte organisiert. Dadurch wird die gesamte KI-Innovationskette von Qualifizierung und Forschung über Erprobung und Technologietransfer bis hin zur konkreten Anwendung und Kommerzialisierung besser zugänglich gemacht.
Auch Unternehmen sind mittlerweile der Genossenschaft beigetreten. Dies stärkt die Praxis- und Marktorientierung der KI-Allianz und erweitert den Zugang zu konkreten betrieblichen Anwendungsfällen. Zugleich wächst damit das Netzwerk für den Austausch zwischen Unternehmen, Start-ups, Forschung und öffentlichen Partnern. Die neuen Mitglieder bringen ihre Erfahrungen und Bedarfe unmittelbar in die Entwicklung der Projekte ein und tragen dazu bei, KI-Lösungen schneller aus der Forschung in die wirtschaftliche Anwendung zu überführen. Ferner können Genossenschaftsmitglieder von attraktiven Angeboten der Mitgliedsunternehmen profitieren.
Zentrale Tätigkeiten und Projekte Ein Schwerpunkt der bisherigen Arbeit der KI-Allianz Baden-Württemberg eG lag auf dem Aufbau einer landesweiten KI-Datenplattform. Gemeinsam mit neun wissenschaftlichen und öffentlichen Partnerinstitutionen wurden Grundlagen geschaffen, um Unternehmen, Start-ups, Kommunen und Forschungseinrichtungen einen leichteren Zugang zu qualitätsgesicherten Datensätzen, KI-Modellen und weiteren KI-Ressourcen zu ermöglichen. Die Hochschule Aalen war mit dem wichtigen Teilprojekt „KI-Datenqualität“ beteiligt. Dabei wurde herausgearbeitet, dass die Qualität, Verfügbarkeit und verantwortungsvolle Nutzung von Daten entscheidend für zuverlässige KI-Anwendungen sind. Das Projekt bildet damit eine wichtige technische und organisatorische Grundlage für weitere KI-Anwendungen im Land.
Mit dem Community Management wurde zudem eine dezentrale Unterstützungsstruktur in den beteiligten Regionen etabliert. Die Community Managerinnen und Community Manager analysieren regionale Bedarfe, vernetzen Unternehmen, Forschung, Verwaltung und Intermediäre und begleiten den Übergang von ersten Ideen zu konkreten Projekten. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht einzelne Technologien oder Anbieter, sondern die praktischen Herausforderungen der Unternehmen und Kommunen. Das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg hat diesen Ansatz mit rund 2,43 Millionen Euro in den Jahren 2023 bis 2026 gefördert. Künftig werden für dieses zentrale Element der KI-Allianz jedoch keine Fördermittel mehr zur Verfügung gestellt.
Weitere wichtige Instrumente sind die regionalen KI-Exzellenzzentren und die KI-Challenges. In interaktiven Formaten werden konkrete Fragestellungen aus Wirtschaft und Verwaltung aufgegriffen, bewertet und in mögliche Projekt-Roadmaps überführt. Die KI-Challenges − im Wesentlichen koordiniert durch das Community Management − schaffen eine strukturierte Brücke zwischen regionalem Bedarf, wissenschaftlicher Expertise und geeigneten Umsetzungspartnern.
Ergänzt wird das Angebot durch Beratungs-, Qualifizierungs- und Vernetzungsformate. Das KI-Innovation Lab unterstützt Unternehmen bei der Entwicklung geeigneter Anwendungsfälle, der Bewertung von Daten und Prozessen, der Suche nach Umsetzungspartnern sowie beim Aufbau von KI-Kompetenzen. Weitere Projekte widmen sich unter anderem der Förderung von KI-Start-ups und Investitionen, der medizinischen Forschung, der Internationalisierung sowie dem Einsatz von KI zur Fachkräftesicherung und für Cybersicherheit.
Ergebnisse und Mehrwert im Ostalbkreis Eine besondere Bedeutung im Rahmen des Projekts Datenplattform hatte die Hochschule Aalen als regionaler Kompetenzträger. Für die Erforschung und Verbesserung der Datenqualität erhielt sie eine Förderung von rund 900.000 Euro. Auch nach dem Abschluss des Projekts und dem Auslaufen der dafür bereitgestellten Landesförderung bleibt für den Ostalbkreis ein besonderer Mehrwert: an der Hochschule Aalen sollen die Ergebnisse des Arbeitsbereichs Datenqualität in ein innovatives Start-up überführt werden. Um daraus ein marktfähiges Produkt zu machen, werden die Gründerinnen und Gründer gemeinsam mit dem Gründungszentrum der Hochschule Aalen die Bundesförderung EXIST-Forschungstransfer beantragen. Damit sollen die Verfahren zur Praxisreife gebracht und in Pilotprojekten mit Unternehmen erprobt werden. Anschließend ist die Gründung einer GmbH im Ostalbkreis geplant.
Das Community Management im Ostalbkreis ist an der Hochschule Aalen angesiedelt. Die hierfür geschaffene 50 %-Stelle wurde durch den Landkreis kofinanziert und mit Frida Akulova-Lebedev besetzt. Dadurch konnten die KI-Allianz, die KI-Werkstatt Mittelstand, das digiZ Ostwürttemberg, Unternehmen und weitere regionale und überregionale Partner enger miteinander vernetzt werden. Mit der Auftaktveranstaltung „KI als Game Changer für KMU“ im November 2024 wurde die Arbeit der KI-Allianz im Ostalbkreis öffentlich sichtbar gemacht. Rund 100 Expertinnen und Experten sowie Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger informierten sich über die Datenplattform, die KI-Challenge und konkrete Unternehmensanwendungen. Praxisbeispiele, unter anderem aus der regionalen Industrie, zeigten, wie KI zur Prozessvereinfachung, Automatisierung und Effizienzsteigerung beitragen kann. 2025 konnte sich das Community Management als regionale Anlaufstelle weiter etablieren. Es wurden zahlreiche Kontakte zu Unternehmen, Verwaltungen und Forschung neu aufgebaut. Die KI-Allianz hat eigene Veranstaltungen durchgeführt oder war an Veranstaltungen beteiligt, z. B. beim Format KI@WORK der Techma in Ellwangen, bei Formaten zur Umsetzung des EU AI Act oder beim regionalen Netzwerktreffen zur Identifikation kommunaler KI-Anwendungsfälle. Gemeinsam mit regionalen Partnern wurden Veranstaltungen durchgeführt, u. a. zu Karrierechancen für Frauen in der KI. Ein besonderer Fokus lag 2025 auf der KI-Challenge im Ostalbkreis mit den Schwerpunkten auf ressourceneffizienter Produktion. Dabei wurden unter anderem die Themen Produktionsplanung und Produktqualität, Lager- und Logistikoptimierung, Kreislaufwirtschaft sowie Wissensmanagement bearbeitet. Beim Innovationsforum im Oktober 2025 an der Hochschule Aalen informierten sich über 100 Teilnehmende zu konkreten Einsatzmöglichkeiten in der Produktion. An dem anschließenden Workshop nahmen rund 40 Personen teil. Die beteiligten Unternehmen entwickelten Projektideen zur Produktionsoptimierung, zu nachhaltigen Lieferketten und zur Kreislaufwirtschaft. Damit wurden aus allgemeinen Innovationsinteressen konkrete, weiterverfolgbare KI-Ansätze entwickelt. Speziell für das Handwerk findet am 11.11.2026 die Veranstaltung „KI im Handwerk: praktisch, verständlich, umsetzbar“ im DIS auf dem Campus der Hochschule Aalen statt. Eine Online-Veranstaltung für das Handwerk war dem bereits vorausgegangen. Handwerksbetriebe aus dem Ostalbkreis sind jeweils im Programm eingebunden.
Mit vielen weiteren unternehmerischen Einzelbeispielen lässt sich der Mehrwert der durch die Community-Managerin ermöglichten überregionalen Vernetzung belegen. Aus dem Wissen voneinander haben Unternehmen gemeinsame Projekte entwickeln können, die sonst nicht zusammengefunden hätten. Ebenso konnten durch passgenaue Vermittlung Fördermittel für Unternehmen akquiriert werden. Die systematische Dokumentation von Ansprechpartnern, Bedarfen und Use-Cases durch die Community-Managements in allen Regionen hat einen äußerst wertvollen Wissenspool geschaffen, der die effektive, gezielte und auch überregionale Verbindung zwischen den Herausforderungen der Unternehmen und vorhandenen Problemlösungen oder Anwendung erst ermöglicht. Hier wirkt Wirtschaftsförderung unmittelbar.
Für den Ostalbkreis hat die Beteiligung an der KI-Allianz Baden-Württemberg eG die Möglichkeit eröffnet, regionale Kompetenzen der Hochschule Aalen, der KI-Werkstatt Mittelstand, des digiZ Ostwürttemberg und weiterer Akteure in ein landesweites Netzwerk einzubringen. Gleichzeitig erhalten Unternehmen und Verwaltung Zugang zu überregionalem Wissen, Fördermöglichkeiten, Testfeldern und Umsetzungspartnern. Die Fortführung dieser Zusammenarbeit würde damit eine wichtige Grundlage bieten, um die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Ostalbkreis und Ostwürttemberg zu stärken und KI verantwortungsvoll in Wirtschaft und Verwaltung zur Anwendung zu bringen.
Einordnung und Ausblick Seit zehn Jahren besteht das Cyber Valley mit der Zentrale in Tübingen. Es ist nach eigenen Angaben Europas größtes Forschungskonsortium für Künstliche Intelligenz. Die deutsche Spitzenforschung leidet jedoch darunter, dass sie nicht oder nicht ausreichend in wirtschaftliche und industrielle Wertschöpfung mündet. Ministerpräsident Cem Özdemir hat in seiner Rede zum Jubiläum des Cyber Valley auf den bedeutenden Bestand an industriellen Produktionsdaten hingewiesen, die für KI-Anwendungen nutzbar gemacht werden könnten. Gleichzeitig zeigt sich das Problem, dass vielen mittelständischen Betrieben der Zugang zu KI-Wissen nach wie vor fehlt. Eine Lücke, die die KI-Allianz Baden-Württemberg mit ihrem Angebot adressiert und schließen kann.
Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass die KI-Allianz ihre Funktion als verbindendes Element zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand zunehmend ausfüllen konnte. Erfolge liegen insbesondere im Aufbau belastbarer Netzwerke, in der regionalen Sichtbarkeit, in der Vermittlung von Wissen sowie in der Entwicklung konkreter Anwendungsfälle für Unternehmen und Kommunen. Der Nutzen besteht dabei weniger in einer einzelnen Technologie als in der verbesserten Orientierung, dem Zugang zu geeigneten Partnern und der gemeinsamen Entwicklung umsetzbarer Lösungen.
Trotz der Notwendigkeit eines Angebots, das die Lücke schließen kann, zeigen die aktuellen Signale aus dem Wirtschaftsministerium leider auch aufgrund der Haushaltsrestriktionen in eine Richtung, die die weitere Förderung der KI-Allianz Baden-Württemberg eG bzw. einzelner Projekte daraus gefährden oder nicht weiter möglich machen. Mit einer geschärften und von einem breiten Konsens der Akteure getragenen strategischen Ausrichtung, die von klar messbaren Ergebnissen gestützt wird, wird die KI-Allianz in weitere Gespräche mit dem Land eintreten. Ziel ist es, eine belastbare Basis für die Weiterführung der Genossenschaft zu schaffen. Der Ostalbkreis wird das Ergebnis der Gespräche bewerten und dann über den weiteren Verbleib in der Genossenschaft entscheiden. Der Kreistag wird dazu frühestmöglich eingebunden.
Zielbild „Allianz für angewandte KI Ostwürttemberg“ Künstliche Intelligenz (einschl. Automatisierung und Robotik, die von Unternehmen bereits vorangetrieben werden) ist eine Querschnittstechnologie, die über die Wettbewerbsfähigkeit des industriellen Mittelstands entscheidet – und damit über die Zukunft eines Produktionsstandorts wie der Region Ostwürttemberg. Wissenschaftsseitig sind in der Region die Hochschule Aalen, die DHBW in Heidenheim und auch die HfG in Schwäbisch Gmünd einschließlich der bestehenden Netzwerke als zentrale Player zu nennen. Mit dem digiZ Ostwürttemberg, der KI-Werkstatt Mittelstand und der KI-Allianz Baden-Württemberg bestehen innerhalb der Region bereits komplementäre Transferstrukturen. Diese müssen im nächsten Schritt zu einem integrierten KI-Ökosystem zusammengeführt und finanziell sowie personell verstetigt werden. KMU werden so von der Erstdemonstration bis zur Implementierung systematisch begleitet und anwendungsnahe Forschungskooperationen ermöglicht. Voraussetzung hierfür ist zudem der Aufbau lokaler KI-Computing- und Hosting-Kapazitäten, damit der Mittelstand KI-Anwendungen datenhoheitlich und standortgebunden betreiben kann. Gemeinsam mit der DHBW Heidenheim ist bereits eine Abfrage bei den Unternehmen geplant, um die Nutzung und Wirksamkeit von KI zu ermitteln und weitere Unterstützungswünsche und Handlungsoptionen aufzuzeigen. Finanzierung und Folgekosten
Aufgrund des angepassten Finanzierungskonzepts der Genossenschaft reduziert sich der Beitrag des Ostalbkreises für die anteilige Finanzierung der Geschäftsstelle ab 2027 von bisher 99.167,46 Euro (brutto) auf 29.750 Euro (brutto). Die Kofinanzierung für die Stelle des Community Managements im Ostalbkreis entfällt. Für den Geschäftsanteil an der Genossenschaft hat der Ostalbkreis 25.000 Euro eingebracht. Ein Geschäftsanteil kostet nach dem neuen Finanzierungskonzept nur noch 5.000 Euro. Somit erhält der Ostalbkreis auf Antrag eine Erstattung von 20.000 Euro.
Die Ausgaben für die anteilige Finanzierung der Geschäftsstelle der Genossenschaft (Grundfinanzierung) sind im Ergebnishaushalt über die Kostenstelle 5710010000, Sachkonto 43180000 (Zuschüsse an übrige Bereiche) gedeckt.
Sichtvermerke
gez. Hahn, Stabsstelle 02 gez. Kurz, Dezernat II gez. Dr. Bläse, Landrat |
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