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Vorlage - 153/2026  

 
 
Betreff: Studiengang Physician Assistant an der Hochschule Aalen
Status:öffentlich  
Federführend:Geschäftsbereich Gesundheit   
Beratungsfolge:
Gemeinsame Sitzung des Ausschusses für Soziales und Gesundheit und des Jugendhilfeausschusses Kenntnisnahme
06.10.2026 
Sitzung des Ausschusses für Soziales und Gesundheit und des Jugendhilfeausschusses zur Kenntnis genommen   

Antrag der Verwaltung

 

Der Ausschuss für Soziales und Gesundheit nimmt den Bericht über den Studiengang Physician Assistant an der Hochschule Aalen zur Kenntnis.

 

 

 

 

 

 

 

 


Sachverhalt/Begründung

Aufgrund des demografischen Wandels, des Fachkräftemangels und der immer weiter steigenden Arbeitslast im ambulanten und stationären Sektor, steht das deutsche Gesundheitssystem zunehmend vor enormen Herausforderungen. Immer häufiger wird über den Einsatz von neuen medizinischen Gesundheitsberufen und Formen der Gesundheitsversorgung debattiert. Eine interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen der Ärzteschaft und weiteren Gesundheitsfachberufen stellt einen Lösungsansatz dar, um den Herausforderungen im ärztlichen Bereich entgegenzuwirken. Mithilfe des akademischen Gesundheitsberufs Physician Assistant können Versorgungslücken geschlossen und die Versorgungsqualität aufrechterhalten werden. Physician Assistant (PA) ist eine aus dem internationalen Sprachgebrauch entlehnte Bezeichnung für einen hochschulisch qualifizierten Gesundheitsberuf (Bachelorniveau), der vom Arzt delegierte Aufgaben übernimmt. In Deutschland werden häufig die Bezeichnungen Medizinassistent oder Arztassistent verwendet, welche jedoch uneinheitlich angewendet werden. Sie sind seit vielen Jahrzehnten vor allem in den USA und auch in den Niederlanden etabliert. Das Berufsbild ist seit 2005 in Deutschland vertreten und gewinnt immer mehr Nachfrage im Gesundheitswesen. Physician Assistants werden sowohl im stationären Bereich als auch in der ambulanten Versorgung eingesetzt.

 

Durch den Einsatz von Physician Assistants können Ärztinnen und Ärzte entlastet werden, indem sie delegierbare Aufgaben an die Physician Assistants abgeben und somit mehr Zeit für komplexe Fälle haben und den Fokus auf ihre Kernkompetenzen legen können. Physician Assistants sind in der Lage, Ärztinnen und Ärzte in verschiedenen Tätigkeitsbereichen flexibel immer dann zu unterstützen, wenn es sich nicht um von Ärztinnen und Ärzten persönlich zu erbringende Leistungen handelt.

 

Studium an der Hochschule Aalen

Der Bachelorstudiengang Physician Assistant wird an der Hochschule Aalen seit dem Wintersemester 2022/2023 angeboten. Die Zulassung zum Studium erfordert neben der Hochschulzulassungsberechtigung ein 30-tägiges Präsenzpraktikum in einer patientenbetreuenden Gesundheitseinrichtung. Eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem Gesundheitsberuf ist nicht erforderlich. Das Studium umfasste bislang acht Semester, in denen Basiswissen in medizinisch-theoretischen Kernfächern (z.B. Anatomie, Physiologie und Pharmakologie), praktischen Fächern wie Untersuchungsmethoden in der Chirurgie oder Inneren Medizin und angrenzende, vertiefende Fachkompetenzen (z.B. Arbeitsmedizin, Public Health, Neurologie und Psychiatrie) vermittelt werden. Zum Wintersemester 2026/2027 fand eine Aktualisierung des Curriculums gemäß den Vorgaben der Bundesärztekammer statt, wodurch das Studium auf 7 Semester gekürzt wurde. Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums erhalten die Studierenden den akademischen Grad Bachelor of Science.

 

Neben dem Praxissemester sind in jedem Semester Praxismodule integriert, die bei ausgewählten Kooperationspartnern - u.a. den Kliniken Ostalb - absolviert werden. Hier werden praktische Fähigkeiten (körperliche Untersuchungen, chirurgische Maßnahmen, Maßnahmen der Notfallmedizin etc.) vermittelt. In Trainingsräumen an der Hochschule Aalen (Skills- und Simulationslabor) können realistische Trainingsszenarien hergestellt und simuliert sowie praxisnahe Schulungen durchgeführt werden. Das Training der praktischen Fertigkeiten an anatomischen Modellen und Phantomen kann mithilfe von medizinischem Equipment erprobt werden und dient somit als Vorbereitung auf den beruflichen Einsatz.

 

Abbildung 1: Curriculum des Bachelorstudiengangs Physician Assistant an der Hochschule Aalen

 

Jährlich werden ca. 30 bis 40 Personen zum Bachelorstudiengang Physician Assistant an der Hochschule Aalen zugelassen. Bewerbungen gibt es weit mehr. Zum Ende des Sommersemesters 2026 hat der erste Jahrgang den Studiengang an der Hochschule Aalen erfolgreich abgeschlossen.

 

Aufgabenfeld und Einsatzgebiete

Das Studium zum Physician Assistant soll zur Übernahme von Tätigkeiten im Rahmen der ärztlichen Delegation befähigen, soweit diese nicht im Einzelfall oder wegen ihres Schwierigkeitsgrades, einer besonderen Gefährdung des Patienten oder auf Grund besonderer Umstände, wie beispielsweise des konkreten Krankheitsverlaufs oder der Unvorhersehbarkeit möglicher Reaktionen, als höchstpersönliche Leistung einer Ärztin oder eines Arztes erbracht werden müssen.

 

Der Tätigkeitsrahmen stellt sich laut dem Positionspapier „Physician Assistance – ein etabliertes Berufsbild im deutschen Gesundheitswesen“ der Bundesärztekammer (2025) exemplarisch wie folgt dar:

 

        Durchführung einer standardisierten, vorbereitenden Anamneseerhebung 

        Durchführung standardisierter Untersuchungstechniken 

        Übernahme von Leistungen im Bereich der Diagnostik 

        Umsetzung des Therapieplans inklusive Prozesssteuerung und Monitoring 

        Vermittlung und Erläuterung von standardisierten Informationsmaterialien zur Aufklärung

        Datenerfassung und Kommunikation von Untersuchungs- und Therapieergebnissen

 

 

        administrative und koordinatorische Tätigkeiten wie zum Beispiel die Vorbereitung von standardisierten Arztbriefen, Entlassungsbriefen und OP-Berichten, Dokumentation des Behandlungsverlaufs und ärztlicher Anordnungen, Organisation diagnostischer Untersuchungen und Konsile und Ähnliches

 

Physician Assistants können in der ambulanten Versorgung bspw. hausärztliche Hausbesuche und die Betreuung von chronisch kranken Personen übernehmen, bei denen Kontrolluntersuchungen und Routinebehandlungen durchgeführt werden. Auch Besuche von Pflegeeinrichtungen sind möglich. Ärztinnen und Ärzte haben durch die wegfallenden Fahrtzeiten mehr Kapazität für ihre Praxis. In der stationären Versorgung spezialisieren sie sich in der Regel in Bereichen wie OP-Assistenz und OP-Leitung, Assistenz bei ausgewählten invasiven Untersuchungen, Assistenz in der Notaufnahme sowie der Schnittstellenkommunikation.

 

Rechtliche Lage

Da bislang noch keine konkreten rechtlichen Rahmenbedingungen für den Einsatz und die Qualifikation vorliegen, wird der Physician Assistant ausschließlich im Rahmen ärztlicher Delegation tätig. Die Delegation beschreibt die Übertragung bestimmter Tätigkeiten und Leistungen an nicht-ärztliche Mitarbeitende zur eigenständigen Ausführung. Die Substitution ärztlicher Maßnahmen, welche die eigenverantwortliche Übernahme bestimmter medizinischer und heilkundlicher Tätigkeiten beschreibt, ist in Deutschland nicht zulässig. Den Ärztinnen und Ärzten steht jedoch frei, welche ärztlichen Maßnahmen sie auf bestimmte nicht-ärztliche Mitarbeitende übertragen. Physician Assistants tragen für die ihnen delegierten Aufgaben die Übernahme- und Durchführungsverantwortung. Die delegierenden Ärztinnen und Ärzte haben eine Sorgfaltspflicht, die Auswahl, Instruktion, Überwachung und Kontrolle beinhaltet. Sie haben die Pflicht, die Kompetenz der Physician Assistants sicherzustellen, sie anzuleiten und deren Arbeit zu überwachen.

 

Aktuell existiert keine eigene Abrechnungsziffer für Physician Assistants in der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung. Von Physician Assistants erbrachte Leistungen können auf die gleiche Weise wie die Leistungen von Medizinischen Fachangestellten, NäPAs (Nichtärztliche Praxisassistenz) und VERAHs (Versorgungsassistenten in der Hausarztpraxis) über den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) abgerechnet werden. Anders stellt es sich in der sogenannten Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) dar. In ausgewählten HZV-Verträgen in Baden-Württemberg werden Zuschläge für akademische nichtärztliche Gesundheitsberufe gewährt. Die Anstellung eines Physician Assistants kann je voller Stelle mit einem Zuschlag von 10 bis 15 Euro pro Versichertenteilnahmejahr vergütet werden.

 


Finanzierung und Folgekosten

Der Ostalbkreis beteiligt sich an der Finanzierung von zwei gemeinsamen Professuren für den Studiengang über eine Dauer von sechs Jahren mit 130.000 Euro jährlich. Die Kosten werden über den Haushalt des Landkreises, Kostenstelle 4140010003 „Gesundheitsversorgung“ finanziert.

 


 

Anlagen

 

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Sichtvermerke

 

gez. Dr. Rohr, GB Gesundheit

gez. Urtel, Dezernat V

gez. Kurz, Dezernat II

gez. Dr. Bläse, Landrat