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Vorlage - 149/2026  

 
 
Betreff: Verkehrssicherheitsmaßnahme "FiftyFifty-Taxi" - Sachstandsbericht
Status:öffentlich  
Federführend:Geschäftsbereich Nachhaltige Mobilität   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Umweltschutz und Kreisentwicklung Kenntnisnahme
22.09.2026 
Sitzung des Ausschusses für Umweltschutz und Kreisentwicklung zur Kenntnis genommen   

Antrag der Verwaltung

 

Der Ausschuss für Umweltschutz und Kreisentwicklung nimmt vom Bericht der Verwaltung Kenntnis.

 

 


Sachverhalt/Begründung

 

Hintergrund:

 

Seit dem Jahr 2003 gibt es im Ostalbkreis das FiftyFifty-Taxi. Die letzte Berichterstattung im Ausschuss für Umweltschutz und Kreisentwicklung fand im September 2019 statt. Daher möchte die Landkreisverwaltung nunmehr wieder dem Ausschuss gegenüber über die Entwicklung informieren.

 

 

FiftyFifty-Taxi:

 

Das FiftyFifty-Taxi ermöglicht jungen Menschen bis einschließlich 25 Jahren an Wochenenden sowie an den Abenden vor gesetzlichen Feiertagen, von 22 bis 6 Uhr am Folgetag zum halben Preis Taxifahrten unternehmen zu können. Die andere Hälfte des Fahrpreises wird durch Eigenmittel des Ostalbkreises und durch Sponsoren, v. a. aus der regionalen Wirtschaft aber auch Zivilgesellschaft übernommen. Die beteiligten Taxiunternehmen gewähren zudem einen Rabatt von 10 %.

 

Zu Beginn konnten Wertbons in Toto-Lotto-Annahmestellen erworben werden die zur Nutzung berechtigten, im April 2014 erfolgte dann der Umstieg auf die FiftyFifty-Taxi-App. Als erste App des Landkreises wickelt diese seitdem das Handling des FiftyFifty-Taxis weitgehend ab: Registrierung der Jugendlichen, Erfassung durch das Taxiunternehmen, Rechnungsmanagement und statistische, anonymisierte Datenerhebung.

 

Der originäre Anlass des FiftyFifty-Angebotes war zunächst, dass der Kreis der Anzahl an Verunglückten gerade bei Jugendlichen im Autoverkehr etwas entgegensetzen wollte. Zu jener Zeit starben im Ostalbkreis etwa sechs bis acht Personen pro Jahr aus der betreffenden Alterskohorte bei Pkw-Unfällen, weitere 400 verletzten sich. Im vergangenen Jahr waren noch drei Tote und etwa 150 Verletze zu beklagen.

 

Inwieweit dieser Rückgang mit dem FiftyFifty-Taxi im Zusammenhang steht, kann natürlich nicht mit Gewissheit beantwortet werden, da die Anzahl der im Pkw-Verkehr getöteten oder verletzen Personen insgesamt und überall rückläufig ist, wofür vor allem die höheren technologischen Sicherheitsstandards des Autos oder der über die Jahre veränderte Ordnungsrahmen verantwortlich gemacht wird (Gurt-/Helmpflicht, Promillegrenze).

 

Die Beförderung „mit dem Taxi bis vor die Haustür“ ist natürlich ein zusätzlicher in Anspruch genommener Aspekt und vor allem auch von Eltern geschätzter Nebeneffekt.

 

Darüber hinaus übernimmt das FiftyFifty-Taxi durchaus die Funktion, eine Angebotslücke im Nachtverkehr abzudecken, die ansonsten ggf. durch klassischen ÖPNV abgedeckt werden müsste. Dies ist insbesondere bei der ländlichen Struktur des Ostalbkreises von Bedeutung. Ein durch den Landkreis zu finanzierender Linienbus (oder On-Demand-Angebot) käme ungleich teurer und könnte die gewünschten Verbindungen zu den entsprechenden Randzeiten in vergleichbarer zeitlicher und räumlicher Qualität nur schwerlich abdecken.


Entwicklung:

 

Derzeit (Stand 12.08.2026) gibt es 15.105 registrierte Nutzerinnen und Nutzer aus allen Teilen des Ostalbkreises. Somit sind knapp zwei Drittel der im Ostalbkreis lebenden jungen Menschen zwischen 18 und 25 Jahren für das FiftyFifty-Taxi registriert.

 

Seit 2016, der App-basierten Erfassung, wurden über 130.000 Fahrten durchgeführt. Durchschnittlich sind es im Monat zwischen 800 und 1000 durchgeführte Fahrten. Die Höchststände wurden dabei in den Jahren 2018 und 2019 erreicht. Nach dem Corona-bedingten Einbruch ist die Inanspruchnahme tendenziell rückläufig. Eine breite, methodisch gestützte Analyse der Gründe wurde hierzu bislang nicht durchgeführt. Von Seiten des GB Nachhaltige Mobilität sind folgende Umstände und Entwicklungen hierfür womöglich ursächlich:

 

-          Rückgang der potentiellen Nutzergruppen aufgrund der demographischen Entwicklung und Veränderung der soziodemographischen Struktur des Ostalbkreises

-          Allgemeine Veränderung des Ausgehverhaltens

-          Verbessertes ÖPNV-Angebot (z. B. StadtLandBus) und neue Mobilitätsformen (v. a. E-Scooter)

-          Gestiegene Taxitarife und somit Eigenanteile der Jugendlichen

 

Dieser Entwicklung versucht der Ostalbkreis mit einer verstärkten Fokussierung auf digitale Informationskanäle (Social Media) zu begegnen. Für den alljährlich im Landratsamt stattfindenden Sponsorentermin werden alle Neusponsoren und größere Sponsoren eingeladen, an Videodreh-Aktionen mitzuwirken, bei der die Sponsoren und Aktionspartner in kurzen Clips – etwa eine Minute lang – zwei Fragen rund um das FiftyFifty-Taxi beantworten. Diese Videos werden im Laufe des Jahres einzeln auf den Social-Media-Kanälen des Ostalbkreises (Instagram und Facebook) veröffentlicht. Bei Bedarf können die Firmen in den Beiträgen markiert werden, so dass sie die Videos auch auf ihren eigenen Social-Media-Kanälen teilen können. Die bisherige Resonanz hierzu ist außerordentlich positiv.

 

Im Januar 2026 erfolgte zudem ein optischer Relaunch im modernisierten Design. In diesem Zusammenhang wurden neue Werbematerialien entworfen: Visitenkarten, Buttons, Sticker, Bierdeckel, Roll-Ups, Brückenbanner und Bauzaunbanner, Flyer und Plakate. Diese Werbematerialien werden in den Dienststellen des Ostalbkreises, in allen Bürgermeisterämtern des Ostalbkreises, den Schulen, Taxiunternehmen und neu − in Fahrschulen und bei Ausbildungsmessen − zum Auslegen verteilt.

 

 

Finanzbedarf:

 

Der Finanzbedarf für das Projekt ist über die Zeit stetig angestiegen und betrug im Startjahr knapp 40.000 Euro. Um das FiftyFifty-Taxi dauerhaft zu finanzieren wurde entschieden, die Finanzierung auch durch Sponsoren zu begleiten. Im ersten Jahr lag deren Anteil bei ca. 15.000 Euro, mittlerweile bei knapp 90.000 Euro/Jahr. Für das kommende Jahr konnten bislang 69 Sponsoren gewonnen werden, 11 beteiligen sich zum ersten Mal. Je nach Umfang der Beteiligung stehen unterschiedliche Sponsorenpakete zur Verfügung (Logo auf Plakat/Flyer, Banner mit Logo auf FiftyFifty-Taxi App, Fototermin mit Landrat Dr. Bläse, Publikation in Printmedien und Social Media). Sponsorenakquise und -betreuung ist ein fortlaufender Aufgabenprozess bei den Mitarbeiterinnen im GB Nachhaltige Mobilität und angesichts des aktuellen Wirtschaftsumfelds zunehmend schwieriger. Seit Beginn konnten ca. 1,2 Mio. Euro Sponsorengelder generiert werden.

 

Von 47 Taxiunternehmen im Ostalbkreis nehmen 43 am FiftyFifty-Taxi teil. Einzelne baten derweil um Überprüfung, ob der vom Taxigewerbe gewährte Rabatt von 10 % auf 5 % abgesenkt werden könne. Dies wird von der Landkreisverwaltung derzeit mit Verweis auf die zugeführten Fahrgäste abgelehnt.

 

Die letzte Mittelanpassung der landkreisseitigen Eigenmittel erfolgte zum Haushaltsjahr 2020 auf den seitherigen Stand von 95.000 Euro/Jahr.

 

Immer wieder werden an die Landkreisverwaltung Wünsche herangetragen hinsichtlich einer Ausweitung des Bediengebietes (z. B. Richtung Heidenheim) oder einer Ausweitung der Nutzergruppen (z. B. Ladies-Taxi, Senioren-Taxi etc.). Letzteres wird von Landkreisseite v. a. mit Verweis auf den originären Charakter und der zielgruppengenauen Förderung des FiftyFifty-Taxis abgelehnt. Ersteres kann nur bei entsprechender finanzieller Beteiligung erfolgen.

 

 

Wertung:

 

Neben den angesprochenen Aspekten der Verkehrssicherheit oder der allgemeinen Stärkung des Taxigewerbes, ist das FiftyFifty-Taxi ein etablierter, integraler Bestandteil des Mobilitätsangebotes, das der Ostalbkreis, in diesem Fall speziell jungen Bewohnerinnen und Bewohnern zur Verfügung stellt und welcher in dieser Gruppe zu einer positiven Wahrnehmung hinsichtlich der Institution „Ostalbkreis“ beiträgt.  


Finanzierung und Folgekosten

 

In diesem Haushaltsjahr sind Eigenmittel des Kreises in Höhe von 95.000 Euro eingeplant und auch in dieser Höhe für das kommende Jahr vorgesehen. An Sponsorengeldern stehen für dieses Jahr 92.328 Euro zur Verfügung. Nicht unterschätzt werden darf die administrative Begleitung des Projektes im GB Nachhaltige Mobilität, welches einen Umfang von ca. 0,5 Personalstellen beinhaltet. 


Anlagen

 

keine

 


Sichtvermerke

 

gez. Gehlhaus, Geschäftsbereich Nachhaltige Mobilität

gez. Beck, Dezernat VII

gez. Kurz, Dezernat II

gez. Dr. Bläse, Landrat