Bürgerinformationssystem
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Antrag der Verwaltung
Der Ausschuss für Finanzen, Bildung und Digitalisierung nimmt den Sachstandsbericht zur erfolgreichen Einführung des innovativen, ausbildungsbegleitenden Zertifikatsprogramms „Diploma of Basic Studies – Business Management“ zustimmend zur Kenntnis.
Sachverhalt/Begründung
1. Ausgangslage und strategische Zielsetzung des Vorhabens
Die Sicherung von qualifizierten Fach- und Führungskräften im regionalen Handwerk sowie in technisch-gewerblichen Betrieben stellt eine der zentralen Herausforderungen für die Zukunftsfähigkeit des Ostalbkreises dar. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und einer anhaltend hohen Studierneigung unter Abiturienten gerät die klassische duale Berufsausbildung zunehmend unter Wettbewerbsdruck. Gleichzeitig stehen zahlreiche familiengeführte Handwerks- und Industriebetriebe in der Region vor der dringenden Aufgabe einer geordneten, kompetenten Unternehmensnachfolge.
Um dieser Entwicklung aktiv zu begegnen, wurde in enger Kooperation zwischen dem Landratsamt Ostalbkreis, der Hochschule Aalen (Graduate Campus), den gewerblich-technischen Schulen des Ostalbkreises (Technische Schule Aalen, Gewerbliche Schule Schwäbisch Gmünd, techma Ellwangen) und der Handwerkskammer Ulm ein wegweisendes Bildungsmodell entwickelt: das ausbildungsbegleitende Weiterbildungsprogramm „Diploma of Basic Studies – Business Management“.
Kooperations- und Ablaufstruktur des Bildungsmodells:
Kernziele des neuen Angebots:
2. Zielgruppen und hohes Interesse der regionalen Wirtschaft
Das Feedback der regionalen Betriebe im Vorfeld der Einführung war außerordentlich positiv. Handwerks- und Industriebetriebe im Ostalbkreis beklagen seit Jahren den Verlust von Bewerbern mit Abitur an reine Theorie-Studiengänge. Mit diesem Kombinationsmodell haben Betriebe nun ein starkes Argument bei der Gewinnung von Spitzenkräften: Die Ausbildung wird mit akademischen Inhalten und einer verkürzten Meisterperspektive veredelt.
3. Das akademische Curriculum und die zeitliche Flexibilität
Das Programm umfasst insgesamt 30 ECTS-Punkte und ist modular aufgebaut. Es wird von der Graduate Campus der Hochschule Aalen organisiert und durchgeführt.
Dies hat den Vorteil, dass sich die Studiendauer bei einem möglichen Studium nach der Ausbildung um ein Semester verkürzt und somit ein früherer Einstieg in den Beruf möglich ist bzw. eine Entzerrung des Studiums erfolgen kann, da anstatt der üblichen 5 – 6 Module pro Semester weniger Kurse belegt werden müssen und somit auch der Prüfungsdruck reduziert wird.
Durch das Programm kennen die Studierenden bereits das akademische Niveau, die digitalen Lernplattformen, die Prüfungsformen und die organisatorischen Abläufe der Hochschule Aalen.
A. Studienaufbau und Modulstruktur
Das Curriculum besteht aus zwei Pflichtmodulen sowie einer Auswahl aus sechs praxisrelevanten Wahlmodulen. Pro Semester belegen die Teilnehmenden neben den Pflichtinhalten zwei bis drei Wahlmodule, um einen individuellen Schwerpunkt (z. B. Marketing, Finanzen oder Personal) zu setzen.
B. Maximale Flexibilität und Format
4. Das Herzstück: Die Verzahnung mit der Meisterprüfung Teil III und der Techniker-
Die größte Innovation dieses Modells liegt in der direkten Äquivalenz zu den Inhalten der Meisterprüfung Teil III (Geprüfter Fachmann für kaufmännische Betriebsführung nach der Handwerksordnung).
Eine detaillierte inhaltliche Abgleichung zwischen den Modulen des Zertifikatskurses und dem bundeseinheitlichen Rahmenlehrplan der Meisterprüfung Teil III ergab eine außergewöhnlich hohe theoretische Übereinstimmung von 72 %:
Der Weg zur 100%-igen Prüfungsbefreiung ohne HWK-Kammerprüfung:
Da die Hochschule Aalen naturgemäß rein handwerksspezifische Sonderthemen (wie z. B. das spezifische Handwerksrecht oder Handwerksorganisationen) nicht in ihren regulären BWL-Vorlesungen abbildet, wurde ein intelligenter "Lückenschluss" konzipiert.
Die verbleibenden 28 % der Inhalte, die primär hochspezifische rechtliche und gewerbliche Sonderregelungen betreffen, werden im Rahmen eines koordinierten Zusatzunterrichts direkt an den drei gewerblichtechnischen Berufsschulen vermittelt.
Dazu gehören folgende Themenbereiche:
Das wegweisende Ergebnis:
Bei der Weiterbildung zum Techniker wird dies ebenfalls anerkannt, so dass während dieser Weiterbildung kein BWL mehr besucht werden muss.
5. Regionale Kooperationsstruktur und Netzwerk-Vorteile
Das Projekt führt die Stärken verschiedener regionaler Akteure in einer einzigartigen Bildungsallianz zusammen:
Stärken- und Aufgabenprofil der Allianzpartner:
Zusatzunterrichts.
Dieses Modell fungiert als regionales Vorzeigebeispiel für die moderne Verknüpfung von beruflicher und akademischer Bildung („Duale Bildung neu gedacht“). Es schafft einen starken Anreiz für junge Menschen, in der Region Ostalbkreis zu verbleiben, und sichert den Betrieben hochqualifizierten Führungsnachwuchs für eine nachhaltige Nachfolgeplanung.
6. Kosten und Finanzierung
Die Gebührenstruktur des Zertifikatsprogramms an der Graduate Campus gestaltet sich dank umfassender Fördermittel für die Auszubildenden äußerst attraktiv:
7. Bisherige Meilensteine und nächste Projektschritte
Mit dem „Diploma of Basic Studies – Business Management“ hat der Ostalbkreis in Kooperation mit seinen Partnern ein Angebot zur Stärkung des ländlichen Raums und des Handwerks kreieren können. Die enge administrative und inhaltliche Verzahnung von Landratsamt, Hochschule, Kreisschulen und Kammer ist ein Musterbeispiel für moderne, unbürokratische Bildungsnetzwerke. Finanzierung und Folgekosten
Es entstehen keine finanziellen Auswirkungen auf den Haushalt des Ostalbkreises. Die administrative Begleitung des Projekts sowie die Bereitstellung des Zusatzunterrichts im Rahmen des regulären Bildungsauftrags an den Beruflichen Schulen werden über bestehende Deputate abgedeckt. Die Studiengebühren werden vollständig privat bzw. über die ausbildenden Betriebe und die ESF-Fachkursförderung getragen. Anlagen
Präsentationsunterlagen der Graduate Campus Hochschule Aalen
Sichtvermerke
gez. Freytag, Geschäftsbereichsleiterin gez. Kurz, Dezernat II gez. Dr. Bläse, Landrat
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