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Antrag der Verwaltung
Sachverhalt/Begründung
1. Sachverhalt und Ausgangslage Auf Grundlage des Kabinettsbeschlusses vom Juli 2022 zur Stärkung der Bildungsstrukturen im ländlichen Raum wurde das innovative Konzept „Landwirtschaft 4.0“ entwickelt. Ziel war es von Beginn an, die grünen Berufe im Ostalbkreis „fit für die Zukunft“ zu machen und die Zukunftsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe durch ein hochwertiges und praxisnahes Weiterbildungsangebot zu sichern.
Besondere Schwerpunkte wurden auf die Digitalisierung, die Unternehmensführung und die Anpassung an neue rechtliche Rahmenbedingungen gelegt. Vor einem Jahr wurde das „Innovationszentrum Landwirtschaft 4.0“ an der Justus-von-Liebig-Schule Aalen implementiert, um diese Ziele zu verwirklichen. Der Ausschuss für Finanzen, Bildung und Digitalisierung hat in seiner Sitzung vom 25.02.2025 davon Kenntnis genommen und der Finanzierung von 25.000 € über die nächsten 3 Jahre beschlossen.
2. Geschäftsbericht des ersten Jahres: Umsetzung und Erfolge Das erste Jahr des Innovationszentrums war von Aufbau, Vernetzung und der erfolgreichen Durchführung erster Bildungsangebote geprägt.
a) Aufbau der Strukturen und Kooperationen
Ein zentraler Meilenstein war der Aufbau und die Vertiefung der Kooperation mit der Universität Hohenheim, der Hochschule Nürtingen-Geislingen, dem Bauernverband und weiteren Partnern. Wie geplant, wurde eine Geschäfts- und Koordinierungsstelle direkt an der Justus-von-Liebig-Schule in Aalen eingerichtet und zunächst durch die ALH Kupferzell besetzt. Aufgrund von Krankheit musste die Stelle im September 2025 neu besetzt werden. Diese Stelle berät, organisiert und koordiniert das gesamte Weiterbildungsangebot.
Gleichzeitig wurde die Beschulung der Wirtschafter (ca. 4 Studierende pro Jahr) an die ALH Kupferzell verlagert. Die dadurch an der Fachschule für Landwirtschaft Aalen freigewordenen Personalressourcen verblieben wie vorgesehen vollständig am Standort Aalen und wurden gezielt zur qualitativen Stärkung und zum Ausbau des Konzepts „Landwirtschaft 4.0“ eingesetzt.
b) Der Innovationsrat als zentrales Netzwerkgremium
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist der etablierte „Innovationsrat“. Dieses Gremium dient dem permanenten Austausch und der strategischen Weiterentwicklung und stellt sicher, dass die Angebote des Zentrums praxisrelevant und wissenschaftlich fundiert sind. Die Gründungssitzung war am 01.10.2025. Im Innovationsrat sind entscheidende Akteure der Branche vernetzt:
Diese enge Vernetzung stellt sicher, dass Forschungsergebnisse direkt in die Aus-, Fort- und Weiterbildung einfließen und umgekehrt praktische Anwendungserkenntnisse zurück in die Wissenschaft gelangen.
c) Digitale und fachliche Ausstattung
Die Justus-von-Liebig-Schule Aalen hat sich als idealer Standort erwiesen. Mit einer modernen digitalen Ausstattung können digitale und technische Innovationen für die Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter unmittelbar erlebbar gemacht werden. Ein hochqualifiziertes Kollegium von 107 Lehrkräften mit vielfältigen Praxiserfahrungen sichert die hohe Qualität der Lehre. Der Einsatz von KI-Tools ist bereits fester Bestandteil der Ausbildung, was die Zukunftsgerichtetheit des Standorts unterstreicht.
3. Auftaktveranstaltung: 22.10.2025: Auftaktveranstaltung Innovationszentrum Landwirtschaft 4.0
Auftakt-Veranstaltung Innovationszentrum Landwirtschaft 4.0_22.10.2025
4. Veranstaltungsrückblick
26.11.2025: Vorstellung der App „Mein Acker
Helmut Winter und Julian Keim vom Maschinenring Ostalb e.V. stellten bei dieser Veranstaltung die Funktionen der App vor, demonstrierten die einfache Bedienung und beantworteten Fragen der rund 30 Teilnehmenden, die vor Ort und auch Online zugeschaltet waren. Funktionen der App sind z.B. die automatische Erstellung von gesetzeskonformen Pflanzenschutz- und Düngedokumentationen oder die Erstellung, der Empfang und Versand von E-Rechnungen.
18.12.2025: Effizienter Pflanzenschutz mit Hilfe von digitaler Entscheidungsunterstützung mit Dr. Maximilian Seitz, BASF Digital Farming GmbH
Im Rahmen dieses Vortrags wurden rund 20 Teilnehmenden die Grundlagen von Prognosemodellen zur Vorhersage von Pflanzenkrankheiten sowie die biomassebasierte, teilflächenspezifische Behandlung vermittelt. Die Veranstaltung konnte auch im Livestream verfolgt werden. Am Beispiel des xarvio FIELD MANAGERS wurde aufgezeigt, wie diese Ansätze in der Praxis umgesetzt werden können. Abschließend wurden Versuchsergebnisse präsentiert, die den Mehrwert sowohl aus pflanzenbaulicher als auch aus betriebswirtschaftlicher Perspektive verdeutlichen.
5. Veranstaltungen – Ausblick
Das Innovationszentrum wird sein Angebot kontinuierlich ausbauen und an die Bedürfnisse der landwirtschaftlichen Betriebe anpassen. Für das kommende Jahr sind unter anderem folgende Themenschwerpunkte geplant:
Das Projekt wird weiterhin über die verbleibenden zwei Jahre der Implementierungsphase vom MLR evaluiert. Verbesserungsvorschläge aus der Praxis und dem Innovationsrat werden kontinuierlich aufgenommen und umgesetzt, um die hohe Qualität und Relevanz des Angebots sicherzustellen.
Das Innovationszentrum hat bereits eine Reihe vielbeachteter Veranstaltungen organisiert, die auf großes Interesse stießen. Die Formate reichten von Präsenzterminen über hybride Modelle bis zu reinen Online-Vorträgen. Weitere innovative Veranstaltungen sind bereits fest im Programm aufgenommen:
Diese Veranstaltungen zeigen die thematische Bandbreite von Digitalisierung und Robotik über Betriebswirtschaft bis hin zu Fütterungsmanagement und regionaler Vermarktung.
6. EIP- Förderantrag:
Der Ostalbkreis hat sich im Rahmen von Landwirtschaft 4.0 gemeinsam mit einer operationellen Gruppe beim Ministerium für ländlichen Raum mit der Stufe 1 des Antrags für ein sehr innovatives und zukunftsweisendes Projekt beworben und am 01.07.2026 den Bescheid erhalten, dass der Antrag für die 2. Stufe des Förderprogramms gestellt werden kann. Maßnahmenbeginn wäre Januar 2027 mit einer Laufzeit von 2 Jahren.
Thema: Entwicklung und Verbreitung innovativer und digital basierter Verfahren zur effizienten Unkrautkontrolle in Naturschutzgebieten
1. Einleitung und Problemstellung
Der Anbau von Mais ist ohne eine effektive Unkrautregulierung wirtschaftlich nicht tragfähig, da Ertragsverluste von bis zu 5,8 t/ha drohen. Während in der konventionellen Landwirtschaft Herbizide zur Anwendung kommen, ist deren Einsatz auf landwirtschaftlichen Flächen in Naturschutzgebieten sowie im ökologischen Landbau gesetzlich untersagt. Dieses Verbot, verankert im Biodiversitätsstärkungsgesetz Baden-Württembergs, stellt Landwirte vor erhebliche Herausforderungen. Bestehende nicht-chemische Verfahren, wie die mechanische Bearbeitung, erreichen oft nur einen Wirkungsgrad von 60-70 %, was zu signifikanten Ertragseinbußen führt und die Wirtschaftlichkeit der Betriebe gefährdet.
Das Projekt „InnoNat“ adressiert diesen Zielkonflikt zwischen landwirtschaftlicher Produktivität, Naturschutzauflagen und dem politischen Ziel, den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren.
2. Projektziele und Innovationspotenzial
Hauptziel des Projekts ist die Entwicklung, Erprobung und Bewertung eines integrierten Systems aus innovativen, digital basierten und nicht-chemischen Verfahren zur Unkrautkontrolle im Maisanbau. Angestrebt wird ein Bekämpfungserfolg von über 90 %, der mit dem von Herbizid-Anwendungen vergleichbar ist.
Die Innovation liegt in der intelligenten Kombination und Weiterentwicklung modernster Technologien, die in einem mehrstufigen Ansatz (additive Strategie) aufeinander aufbauen:
Durch diesen Ansatz soll Landwirten in Schutzgebieten und Öko-Betrieben eine robuste, praxistaugliche und wirtschaftliche Alternative zum chemischen Pflanzenschutz geboten werden.
3. Methodik und Vorgehensweise
Die Umsetzung erfolgt in vier aufeinander abgestimmten Arbeitspaketen (AP), die auf Praxisbetrieben im Ostalbkreis durchgeführt werden:
AP1: Pflanzenbauliche Versuche und Demonstrationen (Leitung: Universität Hohenheim): Auf den Flächen der Partnerbetriebe werden Exaktversuche und Demonstrationen angelegt. Hierbei werden die innovativen Maßnahmenpakete (MPs) getestet, die präzise auf die Entwicklungsstadien von Unkraut und Mais abgestimmt sind. Dies umfasst Maßnahmen zur Reduktion der Bodensamenbank, den Einsatz der Hackroboter und Kamerahacken sowie die Etablierung von Untersaaten und Zwischenfrüchten mittels Drohne und Messerwalze.
AP2: Ökonomische Begleituntersuchungen (Leitung: HfWU Nürtingen-Geislingen): Die entwickelten Verfahren werden systematisch ökonomisch bewertet. Dabei werden Kosten und Leistungen der innovativen Methoden erfasst und mit den praxisüblichen Verfahren verglichen. Ziel ist die Ableitung konkreter Handlungsempfehlungen zur Wirtschaftlichkeit für die landwirtschaftliche Praxis.
AP3: Aus- und Weiterbildung (Leitung: Justus-von-Liebig-Schule Aalen & InnoZ LW 4.0): Die Projekterkenntnisse fließen direkt in die landwirtschaftliche Aus- und Weiterbildung ein. Es werden moderne Lehrangebote (z.B. Tutorials, Online-Formate) entwickelt, um Fachkompetenzen für digitale Techniken zu vermitteln und den Nachwuchs frühzeitig mit den Innovationen vertraut zu machen.
AP4: Projektkoordination, Ergebnisverbreitung und Öffentlichkeitsarbeit (Leitung: Landratsamt Ostalbkreis): Der Leadpartner steuert das Gesamtprojekt und sorgt für eine breite Verbreitung der Ergebnisse. Durch Feldtage, Fachveranstaltungen, Publikationen und digitale Medien werden Landwirte, Berater, Naturschutzakteure und die interessierte Öffentlichkeit erreicht, um einen schnellen Transfer in die Praxis zu gewährleisten.
4. Projektpartner und Zusammenarbeit
Das Projekt zeichnet sich durch ein starkes, transdisziplinäres Konsortium aus, das die gesamte Wertschöpfungskette von der Forschung bis zur Anwendung abbildet:
Leadpartner & Koordination: Landratsamt Ostalbkreis
Wissenschaft & Forschung: Universität Hohenheim (Fachgebiet Herbologie), Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU)
Landwirtschaftliche Praxis: Feldwieser Hof, Götzenmühle, Nagelmühle
Bildung & Beratung: Justus-von-Liebig-Schule Aalen, Innovationszentrum Landwirtschaft 4.0, Bauernverband Ostalb-Heidenheim e.V., LEL
Industrie & Technologie: Farming revolution GmbH, AMAZONEN-WERKE H. DREYER SE & Co. KG, Fyeld Deutschland GmbH
Weitere Partner: Hohenloher Molkerei eG, Maschinenring Ostalb e.V.
Die Zusammenarbeit wird durch regelmäßige Treffen, eine gemeinsame Online-Plattform und einen Expertenbeirat sichergestellt.
5. Erwartete Ergebnisse und Bedeutung für die Praxis
Der Hauptnutzen des Projekts ist die Bereitstellung eines praxiserprobten und wirtschaftlich tragfähigen Verfahrens zur herbizidfreien Unkrautkontrolle. Dies sichert die Erträge und damit die Existenz von landwirtschaftlichen Betrieben in ökologisch sensiblen Gebieten. Weiterhin leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag:
Stärkung des Ökolandbaus: Es erleichtert Betrieben die Umstellung auf ökologische Bewirtschaftung. Förderung der Biodiversität: Durch Untersaaten und den Verzicht auf Herbizide wird die Artenvielfalt auf dem Acker erhöht.
Umwelt- und Klimaschutz: Reduktion von Treibhausgasemissionen durch den Einsatz energieeffizienter Roboter und Drohnen sowie Schutz von Boden und Wasser.
Wissenstransfer: Die direkte Integration der Ergebnisse in die Aus- und Weiterbildung sichert die Zukunftsfähigkeit der Branche.
Das Projekt unterstützt somit direkt die Ziele des Green Deals, der Farm-to-Fork-Strategie und die spezifischen Anforderungen des Landes Baden-Württemberg zur Pflanzenschutzmittelreduktion.
Eckdaten des Projekts
Mit Bescheid vom 01.07.2026 hat das Regierungspräsidium Stuttgart die Fördermittel in Höhe von 517.351,20 € zugesagt. Der Eigenanteil des Ostalbkreises für Investionen liegt bei 8.750 € aufgeteilt auf die Jahre 2027 und 2028. Maßnahmenbeginn ist der 01.01.2027.
6. Bewertung und Fazit
Das Innovationszentrum Landwirtschaft 4.0 hat sich im ersten Jahr seines Bestehens erfolgreich etabliert. Die geschaffenen Strukturen, insbesondere die Koordinierungsstelle und der schlagkräftige Innovationsrat, haben sich als äußerst wirksam erwiesen. Es ist gelungen, ein attraktives, regionales Weiterbildungsangebot zu schaffen, das die Betriebe im Ostalbkreis direkt bei den aktuellen Herausforderungen unterstützt. Die konsequente Nutzung der freigewordenen Personalressourcen am Standort Aalen hat die notwendige qualitative Stärkung ermöglicht. Gemäß dem bildungspolitischen Credo „Kein Abschluss ohne Anschluss“ bietet das Zentrum eine essenzielle Anlaufstelle für die berufliche Bildung und sichert die Zukunftsfähigkeit der Landwirtschaft in unserer Region.
Finanzierung und Folgekosten
-- Anlagen
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Sichtvermerke
gez. Freytag, Geschäftsbereich gez. Kurz, Dezernat II gez. Dr. Bläse, Landrat |
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