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Vorlage - 062/2026  

 
 
Betreff: Modellprojekt DIANA - neue Perspektiven für den Kleinprivatwald im Ostalbkreis
Status:öffentlich  
Federführend:D e z e r n a t III   
Beratungsfolge:
Kreistag Kenntnisnahme
05.05.2026 
Sitzung des Kreistags      

Antrag der Verwaltung

 

Mit der Teilnahme als Pilotlandkreis am Projekt DIANA unterstützt der Ostalbkreis den Ansatz gemeinschaftlicher Waldbewirtschaftung im Kleinprivatwald.

 

Die Verwaltung informiert mit diesem Bericht über das Modellprojekt, seine Ziele und bisherigen Ergebnisse.

 

 


Sachverhalt/Begründung

 

Das Forschungsprojekt DIANA („Im Dialog zu neuen Angeboten für den Waldbe­sitz“) des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbrau­cherschutz Baden-Württemberg sucht nach Ansätzen, die Handlungsbereitschaft und die Handlungs­fähigkeit von Kleinprivatwaldbesitzenden durch soziale Innovationen zu stärken. In verschiedenen Teilprojekten sollen dazu u. a. Kooperationsformen wie die gemein­schaftliche Waldbewirtschaftung erprobt werden.

 

Das Projekt mit dreijähriger Laufzeit ist Bestandteil der Waldstrategie 2050 des Landes.

 

 

Hintergrund

 

Unter dem Einuss von Agrarstrukturwandel und Urbanisierung der Gesellschaft schreitet die Fragmentierung des Kleinprivatwaldbesitzes voran. Daraus hat sich eine große Bandbreite von Bewirtschaftungsformen und -intensitäten sowie Eigentümer­zielen über viele gesellschaftliche Gruppen herausgebildet.

      Trotz des sehr traditionellen Waldbezugs haben auch im Ostalbkreis Gene­ra­tionenwechsel und Erbfolgen vielfach einen Verlust von fach­lichem Wissen, Bindung zum Wald und Aufgabe der Bewirtschaftung zur Folge.

 

Vor dem Hintergrund der zunehmenden gesellschaftlichen Ansprüche an den Wald und dem zunehmenden Anpassungs­druck durch Klimarisiken steht die Forstpolitik vor großen Herausforderungen.

      In den Jahren 2018 bis 2022 haben Dürre und Borkenkäferbefall insbesondere in nadelwaldgeprägten Gebieten zu erheblichen Schäden und spürbaren wirtschaftlichen Verlusten geführt.

      Die im Jahr 2024 veröffentlichten Ergebnisse der Bundeswaldinventur belegen eindrücklich, dass der Kleinprivat­wald im Ostalbkreis von klimalabilen und risikoreichen Nadelwäldern dominiert wird.

      Der notwendige Umbau dieser Wälder hin zu mehr Stabilität und Resilienz erfordert in den kommenden Jahrzehnten enorme Anstrengungen.

 

Strukturelle Hemmnisse im sehr kleinteiligen Waldbesitz beeinträchtigen die Effizienz und die Umsetzbarkeit eines Waldmanagements im Privatwald.

      Im Ostalbkreis verfügen insgesamt rund 10.000 Privatwaldbesitzende über zusammen ca. 18.000 Hektar Wald das sind 29 Prozent der gesamten Waldfläche. Diese Fläche ist verteilt auf über 25.000 Flurstücke. Das bedeutet: eine Waldparzelle ist im Schnitt 0,7 Hektar groß etwa die Größe eines Fußballfeldes.

      Diese Herausforderungen können mit den bisherigen Betreuungsangeboten von Forstverwaltung und Forstbetriebs­gemeinschaften nicht hinreichend gelöst werden.

Eine gemeinschaftliche Bewirtschaftung kleinstrukturierten Waldbesitzes bietet vielversprechende Lösungsansätze, um diese Probleme zu überwinden und somit eine ökologisch und ökonomisch nachhaltige Waldbewirtschaftung sicherzustellen. Letztere ist Voraussetzung,

um die Wälder an den Klimawandel anzupassen und weiterhin wichtige Ökosystemdienstleistungen erbringen zu können.

 

Die bestehenden Realgenossenschafts-Wälder in Ostwürttemberg (insb. Essingen, Oberkochen und Unterkochen) bieten einen Beleg für eine erfolgreiche und Jahrzehnte währende Gemeinschaftswaldbewirtschaftung im Idealeigentum.

 

 

Ziel des Projekts

 

Das Projekt hat insgesamt vier Pilot-Landkreise. Ziel des Teilprojektes im Ostalbkreis ist die Konzeption und Erprobung eines Modells zur langfristigen Etablierung einer gemeinschaftswaldähnlichen Bewirtschaftung von kleinparzelliertem Waldeigentum innerhalb existierender Forstbetriebsgemeinschaften und unter Beibehaltung des Realeigentums.

 

Privatwaldbesitzenden soll damit eine Organisationsform angeboten werden, die auf Wunsch die Wald­bewirtschaftung in Ihrem Auftrag wahrnimmt, sodass eine bestmögliche Bewirtschaftung des Privatwaldes sichergestellt wird.

 

Das Projekt soll Modellcharakter für andere Regionen haben.

 

 

Umsetzung

 

Seit Herbst 2024 ist im Ostalbkreis eine Projektarbeitsgruppe aktiv. Neben der Forstbetriebsgemeinschaft Hornberg und der Kreisforstverwaltung sind die Firma Unique land use GmbH aus Freiburg und die Holzvermarktungsgemeinschaft Schwäbischer Wald Ostalb e.G. eingebunden. Das Pilotgebiet umfasst ca. 250 Hektar Privatwaldfläche auf Gemarkung GD-Bargau und GD-Weiler i.d.B..

 

Kernkomponente des für den Ostalbkreis entwickelten Modells ist die so genannte lokale Bewirtschaftungsgemeinschaft. Dies ist eine Gruppe von Waldbesitzenden, die bereit sind, in einem Waldgebiet ihre jeweiligen Waldflächen einzubringen, um zusammenliegende Areale für die Bewirtschaftung zu bündeln.

 

Während einerseits die lokale Bewirtschaftungsgemeinschaft eine Identifikation vor Ort bietet, wird die Verantwortung für die Waldbewirtschaftung an eine professionelle kreisweite Dachorganisation übertragen. Diese ist als wirtschaftlicher Verein organisiert und betreut potentielle mehrere lokale Bewirtschaftungsgemeinschaften.

 

Jeder teilnehmende Waldbesitzer schließt einen individuellen Vertrag mit der Dachorga­nisation ab, der die Betreuung und Bewirtschaftung seiner Waldflächen regelt und grundsätzlich zehn Jahre läuft. Diese organisiert die Bewirtschaftung der beteiligten Waldflächen in Kooperation mit regional bewährten Partnern. Dazu zählen neben den jeweiligen Forstbetriebsgemeinschaften (FBG) die Kreisforstverwaltung (UFB) mit den Forstrevierleitungen vor Ort, lokale Forstunternehmer und die Holzvermarktungsgemeinschaft Schwäbisch-Fränkischer Wald Ostalb (HVG).


Zudem ist es Ziel und Aufgabe der Dachorganisation, Fördermittel und alternative Einnahmequellen für die Waldbesitz-Gemeinschaft einzuwerben und die Interessen der Waldbesitzenden nach außen zu vertreten (vgl. Abbildung 1).

 

Abbildung 1: Mögliche organisatorische Umsetzung eines kreisweiten Angebots für gemeinschaftswaldähnliche Bewirtschaftung im Privatwald des Ostalbkreises

 

 

Digitalisierungspotential

 

Ein innovativer Ansatz des Projektes besteht darin, dass für jede lokale Bewirtschaf­tungsgemeinschaft ein Betriebsgutachten erstellt wird. Damit kann der Kleinprivatwald erstmals wie aktuell schon die Gemeindewälder auf der Basis einer professionellen Inventur und (Finanz-)Planung betreut werden.

 

Dafür stehen seit kurzem digitale kosten- und zeiteffiziente Inventurverfahren zur Verfü­gung. Mithilfe von Fernerkundungsverfahren (Drohnen- und Satellitendaten) werden die Waldflächen innerhalb der lokalen Bewirtschaftungsgemeinschaft unabhängig von den Besitzgrenzen in sogenannten Bestandesgruppen erfasst. Diese grenzen sich durch die vorgefundene Waldstruktur (Baumartenanteil, Alter, Holzvorrat etc.) und das angestrebte Behandlungsziel voneinander ab und bilden die Grundlage der künftigen Bewirtschaftung (vgl. Abbildung 2).

 

Zum Abschluss eines Forstwirtschaftsjahres werden sämtliche Kosten und Erlöse, die innerhalb der jeweiligen Bestandesgruppe angefallen sind, auf der Basis der Flächenanteile unter den Teilnehmern verrechnet. Auf diese Weise bilden die Bestandesgruppen die Grundlage einer gerechten Ergebnisverteilung und ersetzen aufwendige Bewertungsverfahren für die teilnehmenden Flurstücke.


Abbildung 2: Inventur im Pilot-Gebiet Bargauer Horn mit abgegrenzten Bestandes­gruppen (eingefärbt) und Flurstücken (rot umrandet)

 

 

Bewertung

 

Das entwickelte Modell gibt teilnehmenden Privatwaldbesitzern die Sicherheit, dass ihre Waldflächen nach den anerkannten Regeln nachhaltiger Forstwirtschaft bewirtschaftet werden. Die vorgesehene Beteiligung der Kreisforstverwaltung stellt die fachgerechte, pflegliche und sichere Durchführung aller Maßnahmen sicher.

 

Durch die Dachorganisation sind kreisweit Entwicklungsmöglichkeiten gegeben, ohne dass neue Pflichten im Ehrenamt entstehen.

 

Die intensive Kooperation bei der Kleinwaldbewirtschaftung bietet zahlreiche finanzielle Vorteile: Durch eine gebündelte Beauftragung wird der Kleinprivatwald wieder für Forst-Dienstleistungsunternehmen interessant. Zudem lassen sich Kosten einsparen bei der Materialbeschaffung, Auftragsvergabe sowie bei Gebühren und Abgaben. Gleichzeitig entstehen bessere Vermarktungsmöglichkeiten durch größere, gebündelte Holzmengen.


Durch arrondierte Flächen entstehen Optionen, neue Geschäftsbereiche zu erschließen (z. B. Ökokontoprojekte). Nicht zuletzt vermag die Solidargemeinschaft die finanziellen Belastungen ihrer Mitglieder in Krisensituationen zu puffern.


Das Konzept der gemeinschaftlichen Waldbewirtschaftung ist ein freiwilliges Angebot. Es kann insbesondere für die Waldbesitzenden interessant sein, die einerseits eine nachhaltige Betreuung und Bewirtschaftung ihres Waldes sicherstellen wollen, sich aber andererseits um seine Bewirtschaftung nicht (mehr) selbst kümmern können oder möchten. Das Konzept auf vertraglicher Basis kommt denjenigen entgegen, die eine enge Bindung an ihren Wald haben und diesen weiterhin im Eigentum halten möchten.

 

Eine erfolgreiche Umsetzung des Konzepts hängt maßgeblich davon ab, wie gut es gelingt, das gemeinschaftliche Lösungsmodell zu bewerben und viele Privatwaldbesitzer zu ermutigen, sich daran zu beteiligen.

 

 

Gründungsprozess/Zeitplan

 

Die Gründung einer Dachorganisation und die praktische Umsetzung des Konzepts der gemeinschaftlichen Waldbewirtschaftung in der Pilotregion Weiler i.d.B. / Hornberg ist noch im Laufe des Jahres 2026 vorgesehen. Wenn sich das Modell bewährt, wird nach Ende der Projektlaufzeit eine Ausweitung auf weitere Regionen des Ostalbkreises angestrebt.

 

 


Finanzierung und Folgekosten

 

Während der Projektlaufzeit bis Mitte 2027 sind sämtliche Kosten (Consulting, Gutachten, Inventuren, Medien etc.) durch Projektmittel des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum gedeckt.

 

Die Kreisforstverwaltung bringt sich im Rahmen der kostenfreien Beratung für den Kleinprivatwald-Besitz während und nach der Projektlaufzeit ein.

 

Nach Abschluss der Projektphase tragen sich sowohl die in Weiler i.d.B. / Hornberg etablierte lokale Bewirtschaftungsgemeinschaft, die Dachorganisation wie auch weitere ggf. folgenden Neugründungen aus eigenständiger wirtschaftlicher Aktivität sowie aus Zuschüssen der Landes- und Bundesförderung.

 

In Bezug auf die kostenpflichtigen Betreuungsangebote der Kreisforstverwaltung ist das Projektergebnis neutral (Wechsel von einer fallweisen Betreuung einzelner Waldbesitzer zu einer permanenten vertraglichen Betreuung der Bewirtschaftungsgemeinschaften).
Idealerweise entstehen durch größere Betreuungseinheiten zusätzliche Synergieeffekte.

 


Anlagen

 

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Sichtvermerke

 

gez. Weiher, Dezernat III

gez. Kurz, Dezernat II

gez. Dr. Bläse, Landrat