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Vorlage - 052/2026  

 
 
Betreff: Analyse und Perspektiven für das Gründungsmanagement in Ostwürttemberg
Status:öffentlich  
Federführend:Stabsstelle Wirtschaftsförderung, Europabüro, Kontaktstelle Frau und Beruf   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Finanzen, Bildung und Digitalisierung Kenntnisnahme
28.04.2026 
Sitzung des Ausschusses für Finanzen, Bildung und Digitalisierung      

Antrag der Verwaltung

 

Der Ausschuss für Finanzen, Bildung und Digitalisierung nimmt den Bericht zur Analyse des Gründungsmanagements in Ostwürttemberg zur Kenntnis.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Sachverhalt/Begründung

 

Die Kreissparkassen Ostalb und Heidenheim haben die Janoris Management GmbH (Aalen) im Juli 2025 mit der Analyse "Gründungsmanagement im Start-up-Ökosystem Ostwürttemberg" beauftragt. Ausgangspunkt dieser Analyse war das Bestreben, zeitnah und dennoch fundiert Erkenntnisse zur Zukunftssicherung der regionalen Wirtschaft zu gewinnen, weil Start-ups und Gründungen Innovations- und Technologietreiber für zukünftige Geschäftsmodelle sind. Letztlich sollen durch die Ergebnisse der Analyse die Standort- und Rahmenbedingungen für Gründende und Start-ups verbessert, die Zahl der Neugründungen erhöht, das Wachstum bestehender Gründungen und Start-ups unterstützt und Talente sowie Investitionen für Unternehmen angezogen werden.

 

Die Analyse kommt zu folgenden zentralen Ergebnissen:

 

 Maßgebliche Einflussfaktoren auf eine in Relation zum Landesdurchschnitt niedrigeren Gründungsquote in Ostwürttemberg sind neben der historischen Stabilität einer geringen Gründungsquote, die Lage (ländlicher Raum) mit einer seither relativ niedrigen Arbeitslosigkeit, einem relativ gesehen höheren Lohnniveau und ein entsprechendes Technologieprofil.

 In einer Annäherung/Schätzung kann das Gründungsgeschehen in Ostwürttemberg mit ca. 3.000 Neugründungen p. a. beziffert werden, davon ca. 2.000 p. a. im Nebenerwerb. Geht man dann von daraus entstehenden ca. 2.000 - 3.000 (ggf. Teilzeit-) Arbeitsplätzen aus, wären das ca. 1 - 1,5 % der am Arbeitsort in der Region sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Nimmt man bundesweite Näherungswerte, wären Hochtechnologie-Gründungen geringer als 1 % der Gründungen insgesamt, und Gründungen im Bereich der wissensintensiven Dienstleistungen im Bereich von unter ca. 15 % aller Gründungen in Ostwürttemberg.

 Fehlen außerordentliche Ereignisse (z.B. Investition der Dieter Schwarz Stiftung in Heilbronn) sind nachhaltige Veränderungen der Gründungsquote nicht leicht, und nur mit einer gemeinsamen und langfristigen Strategie veränderbar.

 Die Branchenstruktur in Verbindung mit den generierten Patenten in Ostwürttemberg kann zunächst als "nicht klassische Start-up-Branchen" eingestuft werden. So ist auch die eher niedrige Annahme von im Durchschnitt 5 - 10 "echten Start-ups " p. a. in Ostwürttemberg zu erklären.

 Der Wettbewerb der Raumschaften und Initiativen macht auch vor der Region Ostwürttemberg nicht halt. Insbesondere die NXTGN Startup Factory und der IPAI Campus in Heilbronn fördern landesweit und damit auch in Ostwürttemberg innovative Deep-Tech- und KI-Innovationen. Gleichzeitig entfalten sie aber auch bereits jetzt eine gewisse Sogwirkung hin zu den Start-up-Hotspots Stuttgart, Heidelberg und zukünftig Heilbronn.

 

Angesichts dieser regionalen, aber auch übergeordneten Rahmenbedingungen (z. B. auch Wahrnehmung Bürokratie als Hindernisgrund Nummer eins) und eines unterdurchschnittlichen Gründungsverhaltens in Ostwürttemberg kommt die Analyse zu der Empfehlung, eine Fokussierung auf endogene Faktoren, die leichter zu beeinflussen sind, vorzunehmen, um eine Steigerung der Gründungsintensität in Ostwürttemberg erreichen zu können:

 

 Verminderung von Zielkonflikten innerhalb der Region

 Strategische Exzellenz ("Machen wir die richtigen Dinge?")

 Operative Exzellenz ("Machen wir die Dinge richtig?")

 Vermeidung von Verzettelung & Doppelstrukturen.

 

Grundsätzlich werden bei der Umsetzung inhaltlich sechs Prioritäten für ein Gründungsmanagement in Ostwürttemberg empfohlen:

 

1. Entwicklung gemeinsames Zielbild ("Priorität politischer Wille", "strategische Exzellenz")

2. Image- und Marketingkampagne ("Priorität Gründungsinspiration")

3. Verbesserungen im Bereich Vernetzung ("Priorität Vernetzung")

4. Verbesserungen im Bereich Kapital/Finanzierung ("Priorität Finanzierung")

5. Konkrete Maßnahmenprogramme und Evaluation bei den Institutionen ("operative Exzellenz") = Vorschläge für Maßnahmen der beteiligten Institutionen

6. Gegenfinanzierung: Etablierung "Gründungspool Ostwürttemberg" (2028 ff.)

 

Unter dem Motto: "Veränderung braucht Gemeinsamkeit, aber auch Zumutung" wird folgendes konkretes Vorgehen empfohlen:

 

Für die Dauer von 12 Monaten (betrifft anteilig die Jahre 2026 und 2027) ist eine Test- und Evaluationsphase vorgesehen, um neue Konzepte erfolgreich und effizient zu implementieren ("Phase 1"). Hierzu gehört das Setzen von inhaltlichen Prioritäten ("strategische Exzellenz") und die Umsetzung konkreter Handlungsprogramme für die einzelnen Institutionen ("operative Exzellenz"). Der Prozess und das Projektmanagement werden hierbei konsequent und zielgerichtet durch eine Task Force begleitet. Ziel soll das Auflösen von Zielkonflikten, der Aufbau von Vertrauen und die Verabschiedung eines gemeinsamen Vorgehens mit konkreten Maßnahmen sein. Nach dieser "Phase 1" und erfolgreicher Evaluation soll dann 2027 (2028) (= "Phase 2") die passende Struktur etabliert werden.

 

Um die dargestellten Prioritäten und Maßnahmen umzusetzen, bedarf es eines konsequenten Projektmanagements, eindeutig geklärter Verantwortungsbereiche und Strukturen, einer klaren Zeitplanung und eines sinnvollen Budgets inkl. konsequenter Budgetkontrolle. Hierzu wird von den Kreissparkassen Ostalb und Heidenheim Prof. Dr. Holger Held (Janoris Management GmbH) zur Koordinierung und Umsetzung der Phase 1 beauftragt. Dieses Vorgehen erlaubt gerade in einer Test- und Evaluationsphase ein Höchstmaß an Neutralität, Flexibilität und Geschwindigkeit und beinhaltet einen unkomplizierteren Umgang mit Haftungs- und Rechtsfragen. Herr Prof. Dr. Held wird in der Sitzung die Analyse und den geplanten weiteren Prozess vorstellen.

Die KSK Ostalb und KSK Heidenheim sind zentrale Initiatoren und Treiber der Förderung und Umsetzung eines systematischen Gründungsmanagements in Ostwürttemberg. Sie stellen gleichzeitig das zentrale Fundament der Projektfinanzierung dar.

 

Die angedachte Test- und Evaluationsphase ordnet sich konsequent ein in das Handlungsfeld 1 "Innovationsökosysteme" der Offensive Zukunft Ostwürttemberg, das von Landrat Dr. Joachim Bläse koordiniert wird. Sämtliche Maßnahmen dieser Test- und Evaluationsphase sind innerhalb des Handlungsfeldes eng abgestimmt. Eine Evaluation der erzielten Ergebnisse und Effekte wird für das Frühjahr 2027 erwartet.

 


Finanzierung und Folgekosten

 

Die Analyse "Gründungsmanagement im Start-up-Ökosystem Ostwürttemberg" einschließlich der Test- und Evaluationsphase wird gemeinschaftlich von den Kreissparkassen Ostalb und Heidenheim finanziert.

 


Anlagen

 

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Sichtvermerke

 

gez. Hahn, Stabsstelle 02

gez. Kurz, Dezernat II

gez. Dr. Bläse, Landrat