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Vorlage - 028/2026  

 
 
Betreff: Gemeinsamer Förderantrag des Ostalbkreises und Rems-Murr-Kreises zur
Stärkung der Gesundheitskompetenz sowie der sektorenübergreifenden
Kooperation und Organisation
Status:öffentlich  
Federführend:Geschäftsbereich Gesundheit   
Beratungsfolge:
Gemeinsame Sitzung des Ausschusses für Soziales und Gesundheit und des Jugendhilfeausschusses Kenntnisnahme
10.03.2026 
Sitzung des Ausschusses für Soziales und Gesundheit und des Jugendhilfeausschusses geändert beschlossen   

Antrag der Verwaltung

 

Der Ausschuss für Soziales und Gesundheit nimmt den Bericht über das geplante Vorhaben zur Umsetzung des Förderprojekts „Gesund vernetzt – Gesundheitskompetenz kreisübergreifend stärken“ in Kooperation mit dem Rems-Murr-Kreis zur Kenntnis.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Sachverhalt/Begründung

 

Hintergrund

Im November 2025 veröffentlichte das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg einen Förderaufruf mit dem Titel „Stärkung der sektorenübergreifenden Kooperation und Organisation auf Landkreisebene“. Damit soll unter anderem die Zusammenarbeit zweier kooperierender Landkreise bei der Entwicklung und Umsetzung einer regionalen, kreis- und sektorenübergreifenden Gesamtstrategie zur Gesundheitsversorgung – unter Einbeziehung von Gesundheitsförderung und Prävention – gefördert werden. Des Weiteren ist die Stärkung der navigationalen und organisationalen Gesundheitskompetenz der Bevölkerung anzustreben. Die navigationale Gesundheitskompetenz bezeichnet die Fähigkeit der Bevölkerung, sich im Gesundheitssystem zu orientieren, passende Angebote zu finden und diese gezielt zu nutzen. Die organisationale Gesundheitskompetenz beschreibt die Fähigkeit von Organisationen und Einrichtungen, ihre Strukturen, Angebote und Informationen so zu gestalten, dass sie für die Bevölkerung verständlich und leicht zugänglich sind. Voraussetzung einer Förderung ist die Zusammenarbeit mindestens zweier Landkreise.

Für die Umsetzung des Förderprojektes wurde eine Kooperation mit dem Rems-Murr-Kreis eingegangen. Am 13. Februar 2026 wurde ein gemeinsamer Förderantrag beim Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg eingereicht. Bei Bewilligung des Antrags wird das Projekt im Zeitraum vom 01. April 2026 bis zum 31. Dezember 2028 gefördert.

 

Förderprojekt „Gesund vernetzt – Gesundheitskompetenz kreisübergreifend stärken“

 

Der demografische Wandel und der daraus resultierende steigende Altersdurchschnitt erhöht die Prävalenz chronischer und multimorbider Erkrankungen. Regionale Unterschiede in der Gesundheitsversorgung, Fachkräftemangel und sozial ungleiche Verteilung von Gesundheitsbelastungen stellen Herausforderungen für das deutsche Gesundheitssystem dar. Der Bedarf an wohnortnahen, gut vernetzten und niederschwelligen Versorgungsangeboten wächst zudem weiter an. Durch ländliche Prägungen und steigende Altersdurchschnitte der Leistungserbringerinnen und Leistungserbringer ist es immer schwieriger, eine wohnortnahe Versorgung aufrecht zu erhalten. Unzureichende (digitale) Gesundheitskompetenz der Bevölkerung bei fehlender systematischer Umsetzung organisationaler Gesundheitskompetenz, verdeutlichen die Notwendigkeit einer strukturellen und sektorenübergreifenden Stärkung von Gesundheitskompetenz.

Vor diesem Hintergrund soll im Rahmen des Förderprojekts die Gesundheitskompetenz der Bürgerinnen und Bürger in den Landkreisen Ostalbkreis und Rems-Murr-Kreis durch die Entwicklung eines KI-gestützten Tools und den Einsatz von zwei Community Health Nurses an der Kreisgrenze gestärkt werden. Dies geschieht unter anderem durch die Etablierung von kreisübergreifenden psychosozialen Beratungen durch zwei Community Health Nurses. Zudem findet eine Bündelung sowie eine nutzerfreundliche Darstellung der gesundheitlichen und sozialen Angebote über das digitale Tool im Sinne eines Online-Gesundheitswegweisers statt, welches stetig automatisch aktualisiert wird. Eine Weiterleitung der ratsuchenden Bürgerinnen und Bürger an geeignete Gesundheits- und Sozialangebote ist somit gewährleistet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Tätigkeit der Community Health Nurses wird in der vorab definierten Projektregion „Schwäbischer Wald“ ausgeübt, welche aus fünf Gemeinden entlang der Kreisgrenze besteht (siehe Abbildung 1). Die Auswahl des Projektgebietes resultierte aus dem vor Ort bestehenden niedrigen Versorgungsgrad der hausärztlichen Versorgung. Im Ostalbkreis liegt der aktuelle Versorgungsgrad der hausärztlichen Versorgung im Schwäbischen Wald bei 82,1 %, im angrenzenden Mittelbereich Schorndorf bei 92,3 % (Stand Oktober 2025). Die Eingrenzung des Projektgebietes erfolgte unter Berücksichtigung der aktuellen Einwohnerzahlen der jeweiligen Gemeinden. Daraus resultierend wurden die Gemeinden Kaisersbach und Alfdorf des Rems-Murr-Kreises sowie die Gemeinden Gschwend, Spraitbach und Durlangen des Ostalbkreises in die Projektregion aufgenommen. Derzeit sind dort acht Hausarztpraxen für rund 20.287 Einwohner und Einwohnerinnen vorhanden (Kaisersbach: 0, Alfdorf: 2, Gschwend: 3, Spraitbach: 2, Durlangen: 1 MVZ). Eine Praxis für Psychotherapie gibt es ausschließlich in Alfdorf.

 

Community Health Nurses

 

Community Health Nurses haben primär die Aufgabe eine eigeständige und gestaltende Rolle in der Gesundheitsversorgung einzunehmen. Dies geschieht, indem sie eine gesundheitsförderliche und präventive Perspektive einnehmen, Personen und Situationen ganzheitlich wahrnehmen und den erforderlichen Unterstützungsbedarf erkennen, einleiten und sicherstellen. In dem Förderprojekt „Primärversorgung Ostalbkreis“, das von 2020 bis 2024 in zwei Förderphasen realisiert wurde, kam gemeinsam mit zwei Patientenlotsinnen bereits eine Community Health Nurse zum Einsatz. Die Ergebnisse des Förderprojekts „Primärversorgung Ostalbkreis“ geben Aufschluss über den vorhandenen Bedarf von wohnartnahen psychosozialen Beratungen durch Community Health Nurses.

 

 

 

 

 

Zur Durchführung solcher psychosozialen Beratungen werden in dem Förderprojekt „Gesund vernetzt – Gesundheitskompetenz kreisübergreifend stärken“ zwei Community Health Nurses im Projektgebiet verortet. Idealerweise werden diese als zwei Teilzeitkräfte mit einem Arbeitsumfang von je 20 Stunden pro Woche und einer Qualifikation als Pflegefachkraft, als Medizinische Fachangestellte oder einem abgeschlossenen Studium in Community Health Nursing, Gesundheitsförderung, Pflegewissenschaft, Sozialpädagogik, Soziale Arbeit oder einer vergleichbaren Fachrichtung angestellt. Themen der Gesundheitsförderung und Prävention, wie zum Beispiel Stressbewältigung, Umgang mit Einsamkeit, gesunde Ernährung und Bewegung, Sturzprävention oder Umgang mit chronischen Erkrankungen bilden den Schwerpunkt ihrer Beratungen ab. Angestrebt wird eine Verbesserung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung und eine Entlastung der Hausärztinnen und Hausärzte im Projektgebiet. Die Durchführung der Beratungsgespräche ist im Rahmen von Hausbesuchen, Teleberatungen und bei Sprechstunden in angemieteten Räumlichkeiten geplant. Die Community Health Nurses bilden dabei insbesondere eine zentrale Schnittstelle zwischen Fachkräften, Bevölkerung und den Landkreisen ab.

 

Digitales Tool „OKAPI“

 

Ein digitales Tool zur Sammlung und Bündelung aller relevanten Gesundheits- und Sozialangeboten der beiden Landkreise wird ergänzend zu den Community Health Nurses eingesetzt. Dieses Tool, welches OKAPI heißen wird, wird während des Projektzeitraums in einem fortlaufenden Prozess aufgebaut und weiterentwickelt. Das Akronym OKAPI steht dabei für „Online kreisübergreifende Anlaufstellen und Präventions-Informationssystem“. Fortführend ist der Aufbau eines Terminbuchungssystems für kreisweite Teleberatungen von (sozial-)medizinischen Beratungsstellen, die im Rahmen des Projektes implementiert werden, vorgesehen. Im Projektverlauf wird OKAPI zusätzlich medizinischem Fachpersonal und den Bürgerinnen und Bürgern der beiden Landkreise zur Verfügung gestellt.

 

Fazit

 

Durch die Umsetzung des Projektes „Gesund vernetzt – Gesundheitskompetenz kreisübergreifend stärken“ soll die organisationale und navigationale Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in den kooperierenden Landkreisen verbessert werden. Der Einsatz der Community Health Nurses, welche zentrale Lotsen- und Vernetzungsfunktionen übernehmen, sowie die Anwendung von OKAPI, schaffen Rahmenbedingungen für eine bessere Übersicht und eine bedarfsangemessene Inanspruchnahme des Gesundheitssystems.

 

 


 

 

 

 

Finanzierung und Folgekosten

Die Fördersumme beträgt für die gesamte Laufzeit des Projektes (01.04.2026 – 31.12.2028) für beide Landkreise zusammen 387.000 €. Die Einbringung von Eigenmitteln ist nicht notwendig. Die Projektkoordinierung erfolgt durch Mitarbeiterinnen des Sachgebiets „Gesundheitsplanung, -versorgung und -förderung“ des Geschäftsbereichs Gesundheit.


Anlagen

 

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Sichtvermerke

 

gez. Heinzelmann, i. V. Barth, Geschäftsbereich Gesundheit

gez. Urtel, Dezernat V

gez. Kurz, Dezernat II

gez. Dr. Bläse, Landrat