Bürgerinformationssystem
![]() |
![]() |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Antrag der Verwaltung
Der Ausschuss für Umweltschutz und Kreisentwicklung nimmt vom Bericht der Verwaltung Kenntnis.
Sachverhalt/Begründung
Aufgrund von erheblichen Verzögerungen bei der Datenauswertung und Aufbereitung wurde die Studie erst am 21. November 2025 durch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder vorgestellt.
Dabei konstatierte der Minister drei Kernelemente:
Bereits am 20. November 2025 wurden ausgewählte Kernergebnisse durch das durchführende Institut „infas“ im Rahmen des „3. Mobilitätsforums“ im Landratsamt präsentiert.
Insgesamt umfasste die Befragung nicht weniger als 800 Aspekte und Abfrageelemente. Die Rohdaten wurden durch den GB „Nachhaltige Mobilität“ aufbereitet und ins Verhältnis mit den bundesweiten Ergebnissen gesetzt.
An dieser Stelle sollen zentrale Studienerkenntnisse mit Fokus auf den Ostalbkreis vorgestellt und eingeordnet werden.
Mobilitätsniveau
Auf Bundesebene hat sich das tägliche Verkehrsaufkommen im Zeitraum von 2017 bis 2023 leicht verringert. Wenngleich die Hintergründe hierfür nicht abgefragt wurden, scheinen sie im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, der Energiekrise und in Folge dessen einem veränderten Nutzungsverhalten zu liegen. Die tägliche Verkehrsleistung sank von 3,2 Mrd. auf 3,0 Mrd. Personenkilometer. Damit liegt sie wieder in etwa auf dem Niveau von 2008. Die mit dem Pkw durchgeführten Kilometer haben sich im Zeitraum 2017 – 2023 um etwa 10 % verringert. Wobei es hier deutliche Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Regionen gibt. Im Ländlichen Raum bleibt das Auto weiterhin sehr dominant. Der Fuß- und Radverkehr hingegen hat seit 2002 ein Plus von etwa 50 % zu verzeichnen. Auch hier gibt es deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land. Das Mobilitätsniveau (Kennwerte für Unterwegssein, Wege, Zeit und Kilometer) ist im Ostalbkreis vergleichbar mit den Werten auf Bundesebene. So unternimmt der durchschnittliche Ostalb-Bürger an einem Werktag etwa drei Wege, überwindet ca. 35 Kilometer bei einer Wegelänge von ca. 12 Kilometer, ist dabei 83 Minuten „on the road“ und nutzt den Pkw.
Dabei gibt es selbstverständlich mitunter signifikante Unterschiede z. B. hinsichtlich des Wohnortes, der Entfernung zum Arbeitsplatz, der Lebensphase- bzw. -alters, des Geschlechtes oder des ökonomischen Status.
Auswertung der Ergebnisse für den Ostalbkreis für das Bezugsjahr 2023
Die durchgeführten Wege im Ostalbkreis teilen sich auf folgende Wegezwecke auf:
Die Wege-Bewältigung erfolgt dabei ganz überwiegend mit dem Auto.
Autoverkehr
92 % der befragten Haushalte im Ostalbkreis besitzen mindestens ein Auto, 40 % besitzen zwei oder mehr Autos. Davon gaben 90 % an, auf das Auto angewiesen zu sein. Deutschlandweit besitzen 80 % der befragten Haushalte mindestens ein Auto (davon 28 % zwei und mehr Autos). Deutlich wird hierbei, dass der Autobesitz mit dem ökonomischen Status zunimmt. Das Auto hat im Ostalbkreis insgesamt eine deutliche Dominanz.
Dabei wird das Auto von 54 % der Befragten täglich oder fast täglich genutzt. 30 % nutzen das Auto an einem bis drei Tagen in der Woche. 80 % der Befragten haben jederzeit ein Auto zur Verfügung.
Im Ostalbkreis gab es zum Stichtag 1. Januar 2025 insgesamt 213.739 gemeldete Pkw. Das ist eine Steigerung von 14,4 % gegenüber 2015 (187.007); Tendenz alljährlich rückgängig. Der Pkw-Bestand wächst demzufolge gegenüber dem Bevölkerungswachstum überproportional (+ 1,4 % zum Jahr 2015).
Einen reinen Elektro- bzw. Hybridantrieb hatten knapp 10 %, was einen bundesdurchschnittlichen Wert darstellt. Das gilt auch bei Neuzulassungen, wo der Anteil etwa 50 % beträgt. Beim Anwendungsmuster im Gebrauch gibt es kaum noch feststellbare Unterschiede gegenüber Verbrennerfahrzeugen (Jahresfahrleistung/Wegstreckenlänge) mehr.
Die Nutzung gewerblich zugelassener PKW beim Arbeitsweg ist im Ostalbkreis mit 26 % überdurchschnittlich. Lediglich 2 % der befragten Personen haben eine Carsharing-Mitgliedschaft. Das ist zwar weit unter den bundesweiten Durchschnittswerten, aber für einen Landkreis ländlicher Prägung nicht ungewöhnlich. Die verfügbaren Fahrzeuge bewegen sich landkreisweit im niedrigen zweistelligen Bereich.
Insgesamt erreicht die Automobilität die höchsten Zufriedenheitswerte. 80 % antworteten dabei mit „sehr gut“ oder „gut“. Im Mittel ergibt sich daraus die Note 2,0.
Fahrrad- und Fußverkehr
26 % der befragten Personen gaben an, ein Elektrofahrrad bzw. Pedelec zu besitzen. Interessant ist hierbei, dass der Anteil bei den 50 bis 64-jährigen mit 36 bzw. 37 % am höchsten ist. Insgesamt haben 65 % der befragten Personen ein Fahrrad.
Die (fast) tägliche Nutzungshäufigkeit beim Fahrrad liegt bei 9 %. 18 % fahren an einem bis drei Tagen in der Woche mit dem Fahrrad und 16 % an einem bis drei Tagen im Monat. Bei der Häufigkeit ausschließlich zu Fuß zurückgelegter Wege ergibt sich folgende Verteilung: 37 % der befragten Personen gaben an, (fast) täglich Wege zu Fuß zurück zu legen. 27 % legen an einem bis drei Tage pro Woche Wege zu Fuß zurück und 13 % an einem bis drei Tage pro Monat.
Rein statistisch betrachtet läuft der durchschnittliche Ostalb-Bürger am Tag 1,37 km zu Fuß und fährt 1,42 km mit dem Rad.
Die Befragten äußerten sich dabei zufrieden und bewerten die „Zu Fuß-Qualität“ mit der Note 2,3. Beim Radverkehr wurde dies mit der Note 2,7 angegeben, wobei 51 % der Befragten die allgemeine Verkehrssituation für das Fahrrad am Wohnort mit „sehr gut“ oder „gut“ angaben. Bundesweit hat die Fahrrad-Zufriedenheit gegenüber der vergangenen Studie aus dem Jahr 2017 abgenommen.
ÖPNV
Von den Befragten nutzen 49 % zumindest gelegentlich den ÖPNV, 51 % hingegen nie bzw. fast nie. Das Mindestalter der Befragung startete jedoch erst beim Alter von 14 Jahren, schloss somit eine relevante ÖPNV-Nutzungsgruppe aus. 8 % nutzen Bus und Bahn (fast) täglich, 6 % an einem bis drei Tagen in der Woche und 9 % an einem bis drei Tagen im Monat.
Der Aussage „Ich fahre im Alltag gerne mit Bus und Bahn“ stimmen 27 % zu bzw. voll und ganz zu. 63 % stimmen dem nicht bzw. überhaupt nicht zu. Letztlich ergab sich die Note 3,5.
Als Hindernisse für die ÖPNV-Nutzung werden folgende Punkte genannt (Angaben in Prozent, Mehrfachnennung möglich):
Bei der Erreichbarkeit verschiedener Ziele mit ÖPNV wurden folgende Bewertungen (nach Schulnoten) abgegeben (Angaben in Prozent):
1 = sehr gut; 6 = sehr schlecht
Exkurs: Ergebnisse ÖPNV Report 2024 des Landes Baden-Württemberg
Etwas erfreulicher als die Wahrnehmung und Beurteilung des Ostalb-ÖPNV fällt die Diagnose des „ÖPNV-Report 2024“ des Landes Baden-Württemberg aus. Alle vier Jahre wird hierbei die Entwicklung der ÖPNV-Angebotsqualität in den Landkreisen anhand verschiedener Aspekte durch das Verkehrsministerium Baden-Württemberg und den Beratungsgesellschaften Ramboll und civity evaluiert. Dabei wurde festgestellt, dass das ÖPNV-Angebot an Werktagen insgesamt, also Bus- und Bahnverkehr, landesweit von 2020 bis 2024 um 15 % angestiegen ist. In seiner raumstrukturellen Vergleichsgruppe „Ländlicher Raum verdichtet“ schnitt der Ostalbkreis mit einer Steigerung der ÖPNV-Abfahrten um 30 %, weit überdurchschnittlich, am besten ab, landesweit am zweitbesten. Bei der Analyse der ÖPNV-Angebotsdichte gegenüber der Siedlungsdichte wurde der Ostalbkreis als „Vorreiter“ bezeichnet, da er Busangebote in die Fläche bringe. Auch sei die Haltenetzdichte ausgeprägt, jedoch, nicht überraschend, sei die damit verbundene Fahrplandicht unterdurchschnittlich, insbesondere am Wochenende.
Verteilung der verschiedenen Verkehrsmittel (Modal Split)
Insgesamt werden im Ostalbkreis 61 % der Wege mit dem motorisierten Individualverkehr (Fahrer und Mitfahrer) durchgeführt. Für Baden-Württemberg und Deutschland liegt der Wert jeweils bei 53 % und damit unter dem Wert des Ostalbkreises. 26 % der Wege werden zu Fuß unternommen. Hierbei gibt es keine größeren Abweichungen zu den Werten von Baden-Württemberg (27 %) und Deutschland (26 %). Der Anteil des Radverkehrs liegt bei 6 % und damit deutlich unter dem Wert für Baden-Württemberg und Deutschland (jeweils 11 %). Auch die Nutzung von Bus und Bahn liegt mit 7 % unter dem Landes- und Bundeswert (9 % und 11 %). Für den Arbeitsweg nutzen 78 % der Befragten im Ostalbkreis das Auto, 23 % das Fahrrad, 12 % gehen zu Fuß und 10 % nutzen Bus und Bahn. Auch hier gibt es, wenig verwunderlich, typische Unterschiede hinsichtlich soziodemographischer Merkmale. Am vielseitigsten etwa ist die Verkehrsmittelwahl in der Lebensphase kurz vor dem (möglichen) Führerscheinerwerb, wo ÖPNV, Fuß- und Radverkehr die bei weitem höchsten Nutzungswerte erreichen. Das „statistische Gegenteil“ findet sich in der Lebensphase der 60 bis 64-jährigen. Die allgemeine Verkehrssituation der verschiedenen Verkehrsmittel wird wie folgt bewertet (Bewertung nach Schulnoten; Angaben in Prozent):
1 = sehr gut; 6 = sehr schlecht Weiterer Umgang mit der Studie
Die Ergebnisse liefern eine sehr gute Grundlage zum allgemeinen Verkehrsverhalten. Durch die systematisch durchgeführten Erhebungen auf Bundes- und Kreisebene ermöglichen die Daten einen guten Vergleich und eine Einordnung in das Gesamtverkehrsverhalten. Die Detailergebnisse auf Kreisebene ermöglichen zum einen allgemeine Auswertungen des Mobilitätsverhaltens und zum anderen können einzelne Ergebnisse auch für konkrete Planungsvorhaben verwendet werden.
Allgemeine Aussagen zum Mobilitätsverhalten:
Nutzung der Ergebnisse für konkrete Planungen und Vorhaben:
Zum Abschluss sei noch aus dem Ergebnistelegramm des eingangs erwähnten 3. Mobilitätsforums aus dem November verwiesen. Frau Janina Belz vom Institut infas skizzierte zusammenfassend folgende Grundthesen aus den Kernergebnissen für den Ostalbkreis mit entsprechenden Fragestellungen:
Finanzierung und Folgekosten
Für die Vertiefungsstudie wurden ca. 75.000 Euro verausgabt (Haushaltsjahre 2024 und 2025). Hälftig wurde sie dabei vom Land Baden-Württemberg gefördert.
Anlagen
keine
Sichtvermerke
gez. Gehlhaus, GB Nachhaltige Mobilität gez. Wagenblast, Dezernat VII gez. Kurz, Dezernat II gez. Dr. Bläse, Landrat
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
![]() |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||