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Vorlage - 008/2026  

 
 
Betreff: Studie "Mobilität in Deutschland 2023" - Erkenntnisse für den Ostalbkreis
Status:öffentlich  
Federführend:Geschäftsbereich Nachhaltige Mobilität   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Umweltschutz und Kreisentwicklung Kenntnisnahme
10.02.2026 
Sitzung des Ausschusses für Umweltschutz und Kreisentwicklung zur Kenntnis genommen   

Antrag der Verwaltung

 

Der Ausschuss für Umweltschutz und Kreisentwicklung nimmt vom Bericht der Verwaltung Kenntnis.

 

 

 


Sachverhalt/Begründung

 

In regelmäßigen, etwa fünfjährlichen Abständen beauftragt das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) die Erstellung der Mobilitätsstudie „Mobilität in Deutschland“ (MiD). Es handelt sich um die bundesweit größte und inhaltlich am breitesten aufgelegte Haushaltsbefragung zur Alltagsmobilität. Die Daten wurden im Zeitraum Mai 2023 bis Juli 2024 im Rahmen einer Stichtagserhebung schriftlich, telefonisch und online erhoben. Deutschlandweit sind insgesamt ca. 218.000 Privathaushalte (von ca. 41 Mio.) und 421.000 Personen befragt worden. Im Ostalbkreis waren es 1.951 Haushalte. Diese überproportional hohe Fallzahl begründet sich durch den Umstand, dass der Ostalbkreis für die aktuelle Studie als einer von bundesweit elf Vertiefungslandkreisen diente, also deutlich überproportional viele Erhebungen durchgeführt worden sind.

 

Aufgrund von erheblichen Verzögerungen bei der Datenauswertung und Aufbereitung wurde die Studie erst am 21. November 2025 durch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder vorgestellt.

 

Dabei konstatierte der Minister drei Kernelemente:

 

  1. „Das Auto bleibt weiterhin das wichtigste Verkehrsmittel“
  2. „Der Öffentliche Verkehr hat sich dank des Deutschland-Tickets vom Corona-Tief erholt“
  3. „Der Fußverkehr hat deutlich an Bedeutung gewonnen“

 

Bereits am 20. November 2025 wurden ausgewählte Kernergebnisse durch das durchführende Institut „infas“ im Rahmen des „3. Mobilitätsforums“ im Landratsamt präsentiert.

 

Insgesamt umfasste die Befragung nicht weniger als 800 Aspekte und Abfrageelemente. Die Rohdaten wurden durch den GB „Nachhaltige Mobilität“ aufbereitet und ins Verhältnis mit den bundesweiten Ergebnissen gesetzt.

 

An dieser Stelle sollen zentrale Studienerkenntnisse mit Fokus auf den Ostalbkreis vorgestellt und eingeordnet werden.

 

Mobilitätsniveau

 

Auf Bundesebene hat sich das tägliche Verkehrsaufkommen im Zeitraum von 2017 bis 2023 leicht verringert. Wenngleich die Hintergründe hierfür nicht abgefragt wurden, scheinen sie im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, der Energiekrise und in Folge dessen einem veränderten Nutzungsverhalten zu liegen. Die tägliche Verkehrsleistung sank von 3,2 Mrd. auf 3,0 Mrd. Personenkilometer. Damit liegt sie wieder in etwa auf dem Niveau von 2008. Die mit dem Pkw durchgeführten Kilometer haben sich im Zeitraum 2017 – 2023 um etwa 10 % verringert. Wobei es hier deutliche Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Regionen gibt. Im Ländlichen Raum bleibt das Auto weiterhin sehr dominant. Der Fuß- und Radverkehr hingegen hat seit 2002 ein Plus von etwa 50 % zu verzeichnen. Auch hier gibt es deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land.

Das Mobilitätsniveau (Kennwerte für Unterwegssein, Wege, Zeit und Kilometer) ist im Ostalbkreis vergleichbar mit den Werten auf Bundesebene. So unternimmt der durchschnittliche Ostalb-Bürger an einem Werktag etwa drei Wege, überwindet ca. 35 Kilometer bei einer Wegelänge von ca. 12 Kilometer, ist dabei 83 Minuten „on the road“ und nutzt den Pkw.

 

Dabei gibt es selbstverständlich mitunter signifikante Unterschiede z. B. hinsichtlich des Wohnortes, der Entfernung zum Arbeitsplatz, der Lebensphase- bzw. -alters, des Geschlechtes oder des ökonomischen Status.

 

Auswertung der Ergebnisse für den Ostalbkreis für das Bezugsjahr 2023

 

Die durchgeführten Wege im Ostalbkreis teilen sich auf folgende Wegezwecke auf:

 

Wegezweck

Anteil v. H.

Arbeit, Dienst, Ausbildung

36

Einkauf, Erledigung

25

Freizeit

31

Sonstiges

8

 

Die Wege-Bewältigung erfolgt dabei ganz überwiegend mit dem Auto.

 

Autoverkehr

 

92 % der befragten Haushalte im Ostalbkreis besitzen mindestens ein Auto, 40 % besitzen zwei oder mehr Autos. Davon gaben 90 % an, auf das Auto angewiesen zu sein. Deutschlandweit besitzen 80 % der befragten Haushalte mindestens ein Auto (davon 28 % zwei und mehr Autos). Deutlich wird hierbei, dass der Autobesitz mit dem ökonomischen Status zunimmt. Das Auto hat im Ostalbkreis insgesamt eine deutliche Dominanz.

 

Dabei wird das Auto von 54 % der Befragten täglich oder fast täglich genutzt. 30 % nutzen das Auto an einem bis drei Tagen in der Woche. 80 % der Befragten haben jederzeit ein Auto zur Verfügung.

 

Im Ostalbkreis gab es zum Stichtag 1. Januar 2025 insgesamt 213.739 gemeldete Pkw. Das ist eine Steigerung von 14,4 % gegenüber 2015 (187.007); Tendenz alljährlich rückgängig. Der Pkw-Bestand wächst demzufolge gegenüber dem Bevölkerungswachstum überproportional (+ 1,4 % zum Jahr 2015).

 

Einen reinen Elektro- bzw. Hybridantrieb hatten knapp 10 %, was einen bundesdurchschnittlichen Wert darstellt. Das gilt auch bei Neuzulassungen, wo der Anteil etwa 50 % beträgt. Beim Anwendungsmuster im Gebrauch gibt es kaum noch feststellbare Unterschiede gegenüber Verbrennerfahrzeugen (Jahresfahrleistung/Wegstreckenlänge) mehr.

 

Die Nutzung gewerblich zugelassener PKW beim Arbeitsweg ist im Ostalbkreis mit 26 % überdurchschnittlich.


Lediglich 2 % der befragten Personen haben eine Carsharing-Mitgliedschaft. Das ist zwar weit unter den bundesweiten Durchschnittswerten, aber für einen Landkreis ländlicher Prägung nicht ungewöhnlich. Die verfügbaren Fahrzeuge bewegen sich landkreisweit im niedrigen zweistelligen Bereich.

 

Insgesamt erreicht die Automobilität die höchsten Zufriedenheitswerte. 80 % antworteten dabei mit „sehr gut“ oder „gut“. Im Mittel ergibt sich daraus die Note 2,0.

 

Fahrrad- und Fußverkehr

 

26 % der befragten Personen gaben an, ein Elektrofahrrad bzw. Pedelec zu besitzen. Interessant ist hierbei, dass der Anteil bei den 50 bis 64-jährigen mit 36 bzw. 37 % am höchsten ist. Insgesamt haben 65 % der befragten Personen ein Fahrrad.

 

Die (fast) tägliche Nutzungshäufigkeit beim Fahrrad liegt bei 9 %. 18 % fahren an einem bis drei Tagen in der Woche mit dem Fahrrad und 16 % an einem bis drei Tagen im Monat.

Bei der Häufigkeit ausschließlich zu Fuß zurückgelegter Wege ergibt sich folgende Verteilung: 37 % der befragten Personen gaben an, (fast) täglich Wege zu Fuß zurück zu legen. 27 % legen an einem bis drei Tage pro Woche Wege zu Fuß zurück und 13 % an einem bis drei Tage pro Monat.

 

Rein statistisch betrachtet läuft der durchschnittliche Ostalb-Bürger am Tag 1,37 km zu Fuß und fährt 1,42 km mit dem Rad.

 

Die Befragten äußerten sich dabei zufrieden und bewerten die „Zu Fuß-Qualität“ mit der Note 2,3. Beim Radverkehr wurde dies mit der Note 2,7 angegeben, wobei 51 % der Befragten die allgemeine Verkehrssituation für das Fahrrad am Wohnort mit „sehr gut“ oder „gut“ angaben. Bundesweit hat die Fahrrad-Zufriedenheit gegenüber der vergangenen Studie aus dem Jahr 2017 abgenommen.

 

ÖPNV

 

Von den Befragten nutzen 49 % zumindest gelegentlich den ÖPNV, 51 % hingegen nie bzw. fast nie. Das Mindestalter der Befragung startete jedoch erst beim Alter von 14 Jahren, schloss somit eine relevante ÖPNV-Nutzungsgruppe aus. 8 % nutzen Bus und Bahn (fast) täglich, 6 % an einem bis drei Tagen in der Woche und 9 % an einem bis drei Tagen im Monat.

 

Der Aussage „Ich fahre im Alltag gerne mit Bus und Bahn“ stimmen 27 % zu bzw. voll und ganz zu. 63 % stimmen dem nicht bzw. überhaupt nicht zu. Letztlich ergab sich die Note 3,5.

 

Als Hindernisse für die ÖPNV-Nutzung werden folgende Punkte genannt (Angaben in Prozent, Mehrfachnennung möglich):

Hindernisse

Anteil v. H.

keine oder schlechte Verbindungen

64

unzuverlässige Verbindungen

44

zu lange Reisezeit

43

zu hohe Preise

34

zu unübersichtlicher Tarif

13

unangenehme Nähe zu anderen Personen

12

 

 

 

 

 

 

 

 


zu wenig Komfort

11

zu wenig Sicherheit oder schlechtes Erscheinungsbild

7

zu wenig Information über das Angebot

6

nichts, ich nutze Bus und Bahn häufig

6

andere Gründe

15


 

 

Bei der Erreichbarkeit verschiedener Ziele mit ÖPNV wurden folgende Bewertungen (nach Schulnoten) abgegeben (Angaben in Prozent):

 

1

2

3

4

5

6

Trifft nicht zu

Arbeit

8

7

10

9

11

21

34

Einkauf

10

12

11

10

10

21

24

Verwandte, Bekannte, Freunde in Region

3

8

11

14

18

32

13

Freizeitziele

2

8

15

14

17

28

16

1 = sehr gut; 6 = sehr schlecht

 

 

Exkurs: Ergebnisse ÖPNV Report 2024 des Landes Baden-Württemberg

 

Etwas erfreulicher als die Wahrnehmung und Beurteilung des Ostalb-ÖPNV fällt die Diagnose des „ÖPNV-Report 2024“ des Landes Baden-Württemberg aus. Alle vier Jahre wird hierbei die Entwicklung der ÖPNV-Angebotsqualität in den Landkreisen anhand verschiedener Aspekte durch das Verkehrsministerium Baden-Württemberg und den Beratungsgesellschaften Ramboll und civity evaluiert. Dabei wurde festgestellt, dass das ÖPNV-Angebot an Werktagen insgesamt, also Bus- und Bahnverkehr, landesweit von 2020 bis 2024 um 15 % angestiegen ist. In seiner raumstrukturellen Vergleichsgruppe „Ländlicher Raum verdichtet“ schnitt der Ostalbkreis mit einer Steigerung der ÖPNV-Abfahrten um 30 %, weit überdurchschnittlich, am besten ab, landesweit am zweitbesten. Bei der Analyse der ÖPNV-Angebotsdichte gegenüber der Siedlungsdichte wurde der Ostalbkreis als „Vorreiter“ bezeichnet, da er Busangebote in die Fläche bringe. Auch sei die Haltenetzdichte ausgeprägt, jedoch, nicht überraschend, sei die damit verbundene Fahrplandicht unterdurchschnittlich, insbesondere am Wochenende.

 

 

Verteilung der verschiedenen Verkehrsmittel (Modal Split)

 

Insgesamt werden im Ostalbkreis 61 % der Wege mit dem motorisierten Individualverkehr (Fahrer und Mitfahrer) durchgeführt. Für Baden-Württemberg und Deutschland liegt der Wert jeweils bei 53 % und damit unter dem Wert des Ostalbkreises. 26 % der Wege werden zu Fuß unternommen. Hierbei gibt es keine größeren Abweichungen zu den Werten von Baden-Württemberg (27 %) und Deutschland (26 %). Der Anteil des Radverkehrs liegt bei 6 % und damit deutlich unter dem Wert für Baden-Württemberg und Deutschland (jeweils 11 %). Auch die Nutzung von Bus und Bahn liegt mit 7 % unter dem Landes- und Bundeswert (9 % und 11 %).

Für den Arbeitsweg nutzen 78 % der Befragten im Ostalbkreis das Auto, 23 % das Fahrrad, 12 % gehen zu Fuß und 10 % nutzen Bus und Bahn.

Auch hier gibt es, wenig verwunderlich, typische Unterschiede hinsichtlich soziodemographischer Merkmale. Am vielseitigsten etwa ist die Verkehrsmittelwahl in der Lebensphase kurz vor dem (möglichen) Führerscheinerwerb, wo ÖPNV, Fuß- und Radverkehr die bei weitem höchsten Nutzungswerte erreichen. Das „statistische Gegenteil“ findet sich in der Lebensphase der 60 bis 64-jährigen.

Die allgemeine Verkehrssituation der verschiedenen Verkehrsmittel wird wie folgt bewertet (Bewertung nach Schulnoten; Angaben in Prozent):

 

 

1

2

TopBox (1-2)

3

4

5

6

k. A.

Fußgänger

21

47

68

20

7

3

2

0

Fahrrad

11

40

51

27

14

7

1

1

Auto

25

55

80

15

4

1

0

0

ÖPNV

3

24

27

29

16

18

9

1

1 = sehr gut; 6 = sehr schlecht


Weiterer Umgang mit der Studie

 

Die Ergebnisse liefern eine sehr gute Grundlage zum allgemeinen Verkehrsverhalten. Durch die systematisch durchgeführten Erhebungen auf Bundes- und Kreisebene ermöglichen die Daten einen guten Vergleich und eine Einordnung in das Gesamtverkehrsverhalten. Die Detailergebnisse auf Kreisebene ermöglichen zum einen allgemeine Auswertungen des Mobilitätsverhaltens und zum anderen können einzelne Ergebnisse auch für konkrete Planungsvorhaben verwendet werden.

 

Allgemeine Aussagen zum Mobilitätsverhalten:

  • Datenaufbereitung und -analyse nach thematischen Schwerpunkten.
  • Einordnung der Mobilität im Ostalbkreis im Vergleich zu Baden-Württemberg bzw. Deutschland.
  • Wo liegen hier die Schwachstellen? Welche klaren Handlungsfelder gibt es? (z. B. geringer Anteil ÖPNV am Modal Split) Welche subjektiven Wahrnehmungen der Nutzer können verbessert werden? (z. B. Verlässlichkeit ÖPNV)
  • Ggf. Entwicklung von Handlungsfeldern

Nutzung der Ergebnisse für konkrete Planungen und Vorhaben:

  • Bei übergeordnete Rahmenplanungen (z. B. bei Fortschreibung NVP): Bewertung der Mobilitätssituation im Ostalbkreis, Entwicklung von Einschätzungen z. B. zum Modal Split
  • Konkrete Planungen (z. B. bei Weiterentwicklungen)
  • Daten können auch für Planungen von Dritten, z. B. Kommunen, interessant sein.

Zum Abschluss sei noch aus dem Ergebnistelegramm des eingangs erwähnten 3. Mobilitätsforums aus dem November verwiesen. Frau Janina Belz vom Institut infas skizzierte zusammenfassend folgende Grundthesen aus den Kernergebnissen für den Ostalbkreis mit entsprechenden Fragestellungen:

 

  1. Das Auto dominiert und hat insbesondere an den Personenkilometern einen hohen Anteil; außerdem sind die Befragten mit der allgemeinen Verkehrssituation für das Autofahren mehrheitlich zufrieden. Bereits ab einer Wegestrecke von 1 km ist das Auto das am häufigsten genutzte Verkehrsmittel.
    Muss das Auto sogar in der Nahmobilität konkurrenzlos bleiben?
  2. Mit dem Zufußgehen sind die Befragten nahezu ähnlich zufrieden wie mit dem Autofahren und Fußwege machen rund ein Viertel am Wege-Modal-Split aus. Besonders stark vertreten sind diese bei sehr kurzen Wegen unter 2 km. Wie kann das Zufußgehen bei sehr kurzen und auch mittleren Wegestrecken weiter unterstützt werden?
  3. Im ÖPNV ist im Vergleich zu den anderen Verkehrsmitteln eine hohe Unzufriedenheit und nur eine gering ausgeprägte ÖPNV-Routine erkennbar. Im Modal-Split kommt der ÖPNV erst bei Strecken ab 5 km maßgeblich zum Tragen. Wo liegen die unausgeschöpften Potenziale für den ÖPNV? – Taktverdichtung, Ausdehnung der Betriebszeiten, Netzerweiterung oder ganz anderes?
  4. Radfahren ist im Ostalbkreis selbst bei kurzen Wegen mit Hindernissen verbunden – topographischer Art und in der Bewertung der Verkehrsbedingungen für das Rad. Anteile bei Wege-Modal-Split und Nutzungssegmenten sehr gering trotz guter Ausstattung der Haushalte, auch mit E-Bikes. Am stärksten fällt die Fahrradnutzung derzeit bei Wegen zwischen 0,5 und 2 km aus.
    Was kann passieren, um den Umstieg auf das - vorhandene - Rad zu erleichtern?

 


Finanzierung und Folgekosten

 

Für die Vertiefungsstudie wurden ca. 75.000 Euro verausgabt (Haushaltsjahre 2024 und 2025). Hälftig wurde sie dabei vom Land Baden-Württemberg gefördert.

 


Anlagen

 

keine

 

 

Sichtvermerke

 

gez. Gehlhaus, GB Nachhaltige Mobilität

gez. Wagenblast, Dezernat VII

gez. Kurz, Dezernat II

gez. Dr. Bläse, Landrat