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Vorlage - 125/2025  

 
 
Betreff: Transferstrategie 2035
Status:öffentlich  
Federführend:Stabsstelle Wirtschaftsförderung, Europabüro, Kontaktstelle Frau und Beruf   
Beratungsfolge:
Kreistag
29.07.2025 
Sitzung des Kreistags geändert beschlossen   

Antrag der Verwaltung

 

  1. Der Kreistag nimmt den Bericht der Wirtschaftsförderung zur Kenntnis.
     
  2. Die Verwaltung wird beauftragt, den Prozess zur Erstellung der „Transferstrategie 2035“ in enger Abstimmung mit den regionalen Hochschulen, Forschungseinrichtungen, der Wirtschaft sowie weiteren relevanten Partnerinnen und Partnern vorzubereiten.
     
  3. Zur fachlich fundierten Begleitung des Prozesses wird die Verwaltung beauftragt, ein Vergabeverfahren zur Beauftragung einer externen Prozessbegleitung einzuteilen und die Ergebnisse dem zuständigen Ausschuss zur Entscheidung vorzulegen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Sachverhalt/Begründung

 

Einleitung: Mit begrenzten Mitteln mehr erreichen – Transferstrategie in Zeiten knapper Haushalte

 

Der Ostalbkreis gehört zu den zukunftsstärksten Regionen Deutschlands. Im aktuellen Prognos Zukunftsatlas 2025 belegt der Landkreis Rang 27 von 400 bewerteten Regionen – ein Aufstieg um über 130 Plätze seit 2004 und über 14 Plätze seit 2022. Diese außergewöhnliche Entwicklung ist das Ergebnis einer vorausschauenden Standortpolitik, starker wirtschaftlicher Strukturen und gezielter Investitionen in Bildung, Innovation und Infrastruktur.

 

Der Ostalbkreis will seine Position als zukunftsfähiger, innovativer und attraktiver Standort stärken, steht jedoch aktuell vor der Herausforderung, die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit unter knappen finanziellen Rahmenbedingungen zu gestalten. Parallel dazu verändern sich die Anforderungen an Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft rasant: KI-Transformation, Energie- und Mobilitätswende, geopolitische Unsicherheiten, demografischer Wandel sowie die Notwendigkeit der Neugestaltung der Gesundheitsvorsorge verlangen neue Formen der Zusammenarbeit. Denn die Lösungen, die gebraucht werden, entstehen zunehmend nicht mehr im Alleingang - sie basieren auf vernetztem Wissen, interdisziplinärem Austausch und strategischer Koordination zwischen unterschiedlichen Akteuren. Die Energiewende zeigt: Technologische Innovationen, Regulierung, kommunale Infrastruktur und Nutzerverhalten müssen zusammen gedacht werden. Erfolgreicher Strukturwandel erfordert Zusammenarbeit über Sektorengrenzen hinweg.

 

In den vergangenen Jahren sind im Ostalbkreis zahlreiche wertvolle Initiativen, Netzwerke und Infrastrukturen an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung entstanden. Diese Projekte haben wichtige Impulse gesetzt und zeigen, welches Innovationspotenzial in der Region steckt. Gleichzeitig geraten einzelne Strukturen zunehmend unter Finanzierungsdruck – weil die öffentlichen Mittel zur Verstetigung begrenzt sind und neue Anforderungen eine stärkere Abstimmung notwendig machen.

 

Vor diesem Hintergrund steht der Ostalbkreis vor der Aufgabe, seine Engagements im Bereich Wirtschaftsförderung und Hochschulkooperationen strategisch weiterzuentwickeln. Die „Transferstrategie 2035“ soll dabei helfen, vorhandene Initiativen gezielt zu stärken, Doppelstrukturen zu vermeiden und Synergien besser nutzbar zu machen. Sie schafft Transparenz über bestehende Kompetenzen und ermöglicht eine Priorisierung nach Wirkungspotenzial – mit dem Ziel, den Transferbereich gezielt weiterzuentwickeln und zukunftsfest aufzustellen.

 

Die Transferstrategie als Teil der gesamtregionalen Zukunftsagenda „Zukunft Ostwürttemberg“

 

Die Erarbeitung der Transferstrategie soll nicht isoliert erfolgen, sondern eingebettet werden in den umfassenderen regionalen Strategieprozess unter dem Titel „Zukunft Ostwürttemberg“. Dieser Prozess verfolgt das Ziel, zentrale Handlungsfelder für die nachhaltige Entwicklung und Zukunftsfähigkeit der Region systematisch zu identifizieren, zu stärken und strategisch weiterzuentwickeln, um Ostwürttemberg als eine Modellregion des erfolgreichen Wandels zu etablieren.

Eines der vier zentralen Handlungsfelder des Strategieprozesses „Zukunft Ostwürttemberg“ ist die Stärkung des regionalen Innovationsökosystems – also die gezielte Förderung von Wissenstransfer, Forschung, Innovation und unternehmerischer Dynamik in einem abgestimmten regionalen Rahmen. Die Hochschulen nehmen in diesem Kontext eine Schlüsselrolle ein – nicht nur als Lehrorte, sondern primär als Orte der Forschung, der Innovation und des Wissens- und Technologietransfers.

 

Die „Transferstrategie“ soll das Handlungsfeld konkretisieren und vertiefen, indem sie ermöglicht, Strukturen und Kooperationsformen herauszuarbeiten, mit denen die kommunalen Akteure, die Wissenschaft und Wirtschaft wirksam zusammenarbeiten können. Sie versteht sich damit als Baustein des integrierten Zukunftskonzepts für die Region.

 

Mehr als Forschung – Warum die Region auf kluge Zusammenarbeit mit Hochschulen setzt

 

Eine abgestimmte Strategie schafft die Grundlage für langfristige Partnerschaften zwischen dem Landkreis, den Hochschulen und Praxisakteuren. Transferprozesse leben nicht von punktuellen Projekten, sondern von Kontinuität, Vertrauen und institutionellen Schnittstellen sowie Finanzierungssicherheit. An dieser Stelle setzt die Strategie an: Die gezielte und abgestimmte Zusammenarbeit zwischen den Kommunen, Hochschulen und Unternehmen soll den gezielten Ausbau von Transferstrukturen erleichtern.

 

Für die Hochschulen bietet eine gemeinsame Transferagenda die Chance, ihre Rolle im regionalen Innovationssystem noch sichtbarer zu machen. Indem sie ihre Aktivitäten im Wissens- und Technologietransfer gezielt in eine regionale Gesamtstrategie einbetten, schärfen die Hochschulen ihr Profil gegenüber Fördergebern, politischen Partnern und der Öffentlichkeit. Gerade im Wettbewerb um Drittmittel, Talente und strategische Allianzen wird deutlich, dass eine klare regionale Positionierung zum institutionellen Erfolg beiträgt.

 

Eine wechselseitige Profilbildung ist in unserer Region besonders relevant, weil hier nicht nur eine, sondern drei Hochschulen und ein Forschungsinstitut mit jeweils unterschiedlichen fachlichen Ausrichtungen und Stärken aktiv sind. Zusätzlich werden im Laufe des Jahres zwei Forschungsgruppen des Fraunhofer IOSB ihre Arbeit am Standort Oberkochen aufnehmen. Eine koordinierte Transferstrategie kann helfen, die Profile der einzelnen Institutionen gezielt abzustimmen, Doppelstrukturen zu vermeiden und gleichzeitig gemeinsame Themen sichtbar zu machen – ohne die jeweilige Eigenständigkeit in Frage zu stellen. Damit wird auch die regionale Innovationspolitik effizienter und strategischer: Ressourcen, Kompetenzen und Kontakte lassen sich gezielt bündeln und auf übergeordnete Zukunftsthemen ausrichten.

 

Nicht zuletzt trägt die strategische Verzahnung auch zur systematischen Nutzung von Förderprogrammen bei. Ob BMBF, Land oder EU – viele Programme setzen heute kohärente, regionale und institutionell abgestimmte Konzepte voraus. Eine Transferstrategie, die auf der Hochschulentwicklung aufbaut, erhöht die Förderfähigkeit der gesamten Region – und macht sie attraktiver für weitere Kooperationspartner aus Wirtschaft und Gesellschaft.

 

Vorgehen: Transfer braucht Struktur – Wie aus Kooperation regionale Zukunftskraft wird

 

Als theoretischer Bezugsrahmen im Prozess dient das Konzept der Regionalen Innovationsökosysteme: Regionen gelten heute primär als Netzwerke, in denen unterschiedliche Akteure – Hochschulen, Start-ups, Mittelstand, Verwaltung, Zivilgesellschaft – eng kooperieren, um durch gemeinsame Innovationsprozesse nachhaltige Wirkung zu entfalten. Hochschulen nehmen dabei eine zentrale Rolle ein: Über Lehre und Forschung hinaus tragen sie im Rahmen ihrer „Dritten Mission“ aktiv zur regionalen Wirtschaftsentwicklung bei. Hochschulen und Forschungsinstitute sind nicht nur Wissensproduzenten und Wissensvermittler, sondern Innovationspartner, die durch gemeinsame Entwicklungsprojekte, Technologietransfer, Unternehmensgründungen und viel mehr zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen beitragen.

 

In der Praxis bedeutet das, dass im Erarbeitungsprozess folgende Grundsätze beachtet bzw. folgende Schritte vorgenommen werden:

 

  • systematische Bestandsaufnahme und Priorisierung der bisherigen Aktivitäten und Projekte,
  • gezielte Definition von Schlüsselkompetenzen und Zukunftsinfrastrukturen,
  • Fokus auf koordinierte Kooperation und Strukturbildung statt isolierter Einzel-projekte,
  • kluge Nutzung von Fördermitteln durch strategische Anknüpfungspunkte,
  • aktive Rolle der Hochschulen, Forschungsinstitute und kommunaler Akteure als Mitgestalter regionaler Entwicklung.

 

Ein notwendiger Bestandteil für die erfolgreiche Entwicklung der Transferstrategie ist eine professionelle externe Prozessbegleitung. Die Komplexität des Themas, die Vielzahl beteiligter Akteure sowie der Anspruch, Transferstrukturen langfristig wirksam und tragfähig auszurichten, erfordern methodisch fundierte Steuerung, neutrale Moderation und spezifische Fachkompetenz. Die Begleitung soll durch eine erfahrene Organisation erfolgen, die über ausgewiesene Expertise in den Bereichen Innovationsökosysteme, Hochschulentwicklung, Transferstrukturen sowie kommunaler Organisations- und Strategieentwicklung verfügen. Dies sichert eine strukturierte Vorgehensweise, ermöglicht neue Perspektiven auf bestehende Strukturen und unterstützt die gezielte Einbindung aller relevanten Partner.

Eine Markterkundung zur Identifikation potenzieller Anbieter und Leistungsmodelle wurde bereits durchgeführt. Auf dieser Grundlage kann ein Vergabeverfahren zur Auswahl einer geeigneten Prozessbegleitung eingeleitet werden. Die Ergebnisse werden dem zuständigen Ausschuss zur Beratung und Entscheidung vorgelegt. Diese Vorgehensweise gewährleistet Transparenz und Nachvollziehbarkeit im Auswahlprozess und entspricht den Grundsätzen wirtschaftlicher und zweckmäßiger Mittelverwendung im öffentlichen Sektor.

 

Fazit

Eine regionale Transferagenda zielt darauf, klare Leitlinien und belastbare Strukturen für die Zusammenarbeit der Landkreisverwaltung mit den Hochschulen zu schaffen. Sie bietet dem Landkreis, den Unternehmen und der Wissenschaft eine gemeinsame Grundlage, um Prioritäten festzulegen und gezielte politische und strukturelle Impulse zu setzen, die die Hochschulen als zentrale Akteure in der regionalen Entwicklung einbinden und somit die Region langfristig stärken.     


 


Sichtvermerke

 

gez. Hahn, Stabsstelle 02

gez. Dr. Haverkamp, Stabsstelle 02

gez. Kurz, Dezernat II

gez. Dr. Bläse, Landrat