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Vorlage - 124/2025  

 
 
Betreff: Beteiligung des Landkreises am Förderprogramm "Quartiersimpulse 2025"
Status:öffentlich  
Federführend:Stabsstelle Wirtschaftsförderung, Europabüro, Kontaktstelle Frau und Beruf   
Beratungsfolge:
Kreistag
29.07.2025 
Sitzung des Kreistags ungeändert beschlossen   
Anlagen:
Anlage_1_Programmflyer QI 2025

Antrag der Verwaltung

 

  1. Der Kreistag beschließt die Beteiligung des Ostalbkreises am Förderprogramm „Quartiersimpulse – Beratung und Umsetzung von Quartiersprojekten vor Ort“ des Landes Baden-Württemberg.
  2. Die Verwaltung wird beauftragt, gemeinsam mit der Stadt Schwäbisch Gmünd sowie zivilgesellschaftlichen Partnern den Antrag für das Projekt “CHAL gemeinsam gestalten – Generationen im Dialog” im Rahmen des Förderprogramms zu stellen.
     
  3. Die Verwaltung wird beauftragt, gemeinsam mit der Stadt Aalen sowie zivilgesellschaftlichen Partnern den Antrag für das Projekt “IdeenWerkstatt Hüttfeld – Technik. Begegnung. Beteiligung.”  im Rahmen des Förderprogramms zu stellen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Sachverhalt/Begründung

 

Strategischer Hintergrund: Quartiersentwicklung im Ostalbkreis

 

Der Ostalbkreis begreift Quartiersentwicklung als Teil einer umfassenden Innovationsstrategie im Sozialraum: Ziel ist es, bestehende kommunale und gesellschaftliche Infrastrukturen zukunftsorientiert weiterzuentwickeln und gezielt in ihrer Wirkung zu stärken. Lebensqualität entsteht aus dem Zusammenspiel von verlässlichen Strukturen, sozialer Teilhabe, aktiver Mitgestaltung und der Offenheit für neue Formen der Zusammenarbeit. Vor diesem Hintergrund positioniert sich der Landkreis als aktiver Partner der Landesstrategie „Quartier 2030 – Gemeinsam.Gestalten.“ und nutzt Fördermöglichkeiten zur qualitativen Weiterentwicklung bestehender lokaler Potenziale.

Die Teilnahme am Programm „Quartiersimpulse“ erfolgt daher nicht als Einstieg in ein neues Themenfeld, sondern als logische Weiterführung bereits etablierter Handlungsfelder. Im Fokus stehen zwei Projekte, die auf bereits vorhandene Einrichtungen und Kooperationsstrukturen aufbauen – diese jedoch im Sinne von Teilhabe, Innovation und Wirksamkeit systematisch weiterentwickeln. Es geht darum, Orte des Austauschs, der Unterstützung und der gemeinschaftlichen Gestaltung zu stärken, die in ihrer sozialen Wirkung über das einzelne Quartier hinausstrahlen.

Die Rolle des Landkreises ist dabei bewusst integrativ angelegt: Er koordiniert nicht nur die Antragstellung, sondern bringt sich mit fachlicher Steuerung, Schnittstellenarbeit und aktiver Prozessbegleitung ein. Die gezielte Nutzung von Drittmitteln erlaubt es dabei, die Innovationsfähigkeit der Region zu stärken – ohne zusätzliche haushaltswirksame Belastungen zu erzeugen.

 

Förderprogramm „Quartiersimpulse 2025“

 

Das Förderprogramm „Quartiersimpulse – Beratung und Umsetzung von Quartiersprojekten vor Ort“ ist Teil der Landesstrategie „Quartier 2030 – Gemeinsam.Gestalten.“ des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg. Es wird gemeinsam mit der Allianz für Beteiligung durchgeführt und richtet sich an Städte, Gemeinden, Landkreise sowie kommunale Verbünde in Baden-Württemberg. Ziel ist es, die alters- und generationengerechte Entwicklung von Quartieren zu fördern – unter aktiver Einbindung der Bürgerschaft und in enger Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Partnern.

Im Rahmen der Programmausschreibung 2025 werden Vorhaben gefördert, die Maßnahmen zur sozialen Teilhabe, zur Pflege- und Unterstützungsstruktur sowie zur Verbesserung des Lebensumfelds älterer Menschen umsetzen. Voraussetzungen sind u. a. Bürgerbeteiligung, Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Partnern sowie die Einbindung in örtliche Strukturen. Ebenso verpflichtend ist die kontinuierliche fachliche Prozessbegleitung durch eine externe Beratung.

Das Programm gewährt einen Festbetragszuschuss zwischen 40.000€ und 115.000€ je Projekt, wobei eine Eigenbeteiligung der Antragsteller von mindestens 20% der Gesamtkosten erforderlich ist. Die Eigenbeteiligung kann durch finanzielle Mittel oder durch kassenwirksame Sach- und Personalleistungen – z.B. Bereitstellung von Räumen oder Personalstunden – erbracht werden. Die Projekte müssen innerhalb von maximal 24 Monaten umgesetzt werden.

 

 

Zu den Projekten des Ostalbkreises

 

Die beiden zu beantragenden Projekte verfolgen das Ziel, bestehende Infrastrukturen im Kreisgebiet gezielt weiterzuentwickeln und für eine generationengerechte, sozial integrative Nutzung im Quartier zu öffnen. Grundlage ist die enge Zusammenarbeit zwischen Landkreis, Städten und zivilgesellschaftlichen Partnern, wie sie in der Förderlogik von „Quartiersimpulsen“ ausdrücklich gewünscht ist. Dabei geht es nicht um neue Einzelprojektentwicklungen, sondern darum, bereits geschaffene Strukturen, Kooperationen und Investitionen im Sinne einer nachhaltigen Wirkung zu aktivieren und auszubauen. Mit Hilfe der Drittmittelförderung können diese vorhandenen Ansätze gestärkt, inhaltlich weiterentwickelt und strukturell gefestigt werden. Die Teilnahme am Programm ermöglicht es somit, frühere Investitionen strategisch weiterzuführen, vorhandene Potenziale im Sinne der Bürgerinnen und Bürger zur vollen Entfaltung zu bringen und die Fördermittel für die strategische Aktivierung und Verknüpfung vorhandener Räume, Strukturen und Akteure zu nutzen, um lokale Bedarfe besser zu adressieren.

 

Projekt 1: „CHAL gemeinsam gestalten – Generationen im Dialog“ (Schwäbisch Gmünd)

 

Mit der Creative Hall Assisted Living (CHAL) auf dem Campus der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd (PH GD) im Stadteil Hardt entstand in den Jahren 2024-2025 mit Unterstützung der EFRE-Förderung, des Landes Baden-Württemberg sowie der Landkreis- und Stadtverwaltung Schwäbisch Gmünd ein zukunftsweisender Ort für projektbezogene Zusammenarbeit des Instituts für Pflegewissenschaft der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd mit der Wirtschaft und Zivilgesellschaft. In dem barrierefreien Neubau, der am 2. Juli 2025 zur Nutzung übergeben werden konnte, wurde ein Kreativort mit Laboren, Co-working- Arbeitsplätzen und Begegnungsräumen geschaffen, an welchem neue Ideen für die Verbesserung der Lebensqualität im Alter entwickelt und erprobt werden sollen.

Das Projekt „CHAL gemeinsam gestalten“ zielt darauf ab, den Übergang vom geförderten Bauprojekt zur sozialräumlich wirksamen, inhaltlich gefüllten Nutzung der Creative Hall Assisted Living (CHAL) zu gestalten. Während der Bau der CHAL über EFRE-Mittel ermöglicht wurde, beginnt mit der Eröffnung im Juli 2025 der bislang ungeförderte Betrieb – und damit die eigentliche Herausforderung: die CHAL mit Leben zu füllen und im Quartier zu verankern. Im Rahmen des Projekts sollen vielfältige Vorhaben initiiert werden, die die wissenschaftliche Expertise des Instituts für Pflegewissenschaften mit der Lebenswelt älterer Menschen zusammenbringen. Gemeinsam mit Seniorinnen und Senioren aus dem Quartier, zivilgesellschaftlichen Partnern und Pflegeeinrichtungen sollen konkrete Lösungen für ein selbstbestimmtes Leben im Alter entwickelt werden.

Das Projekt wurde mit den Aufgaben der Sozialplanung des Ostalbkreises abgestimmt, insbesondere im Bereich der Altenhilfe- und Kreispflegeplanung. Die CHAL übernimmt dabei die Rolle einer Innovationsstelle innerhalb des seniorenpolitischen Gesamtkonzepts des Landkreises. Ziel ist es, wissenschaftlich fundierte Vorhaben an der Schnittstelle von Pflege, Digitalisierung und sozialer Teilhabe zu entwickeln, zu erproben und praxisnah umzusetzen.

 

Projekt 2: „IdeenWerkstatt Hüttfeld – Technik. Begegnung. Beteiligung.“ (Aalen)

 

Im Quartier Hüttfeld in Aalen soll mit dem geplanten Makerspace ein innovativer Ort entstehen, der moderne Techniknutzung, handwerkliche Praxis und soziale Teilhabe generationenübergreifend verbindet. Der neue Treffpunkt soll an zwei bestehende Strukturen anknüpfen: den hochschuleigenen Makerspace mit technikdidaktischem Profil sowie die Werkstatträume im ehemaligen Ausbildungszentrum der IHK Ostwürttemberg, die bisher vom explorhino Schülerlabor betreut und genutzt werden.

Diese beiden Ausgangspunkte sollen im Rahmen einer Konzept- und Machbarkeitsstudie zu einem gemeinsamen Raumkonzept zusammengeführt werden. Ziel ist es, einen öffentlichen und niedrigschwelligen Zugang zu Werkzeugen, Maschinen und technischer Infrastruktur zu schaffen – nicht mehr ausschließlich für Studierende oder technikaffine Kinder und Jugendliche, sondern für alle Menschen im Quartier und darüber hinaus. Der entstehende Makerspace soll ein generationenverbindender Ort werden, an dem kreative Ideen entstehen, praktische Fähigkeiten geteilt und soziale Begegnungen ermöglicht werden.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der aktiven Einbindung älterer Menschen. Viele von ihnen bringen umfassende handwerkliche, technische oder gestalterische Kompetenzen mit, etwa im Bereich Holzverarbeitung, Textilarbeit oder Reparatur. Diese Erfahrung soll sichtbar und wirksam gemacht werden – etwa durch ehrenamtliche Werkstattbetreuung, Kursangebote wie z. B. Bau von Nistkästen, Nähen oder auch Angebote für Kitas im Quartier, bei denen Senioren mit eingebunden werden. Gleichzeitig sollen Seniorinnen und Senioren die Möglichkeit erhalten, im Umgang mit digitalen Werkzeugen eigene Lernerfahrungen zu machen, unterstützt vor allem durch den Chaostreff Hackwerk e. V.. So soll im Idealfall ein Raum für wechselseitiges Lernen entstehen. 


Finanzierung und Folgekosten

 

Für beide Projekte wird im Rahmen der Programmförderung jeweils ein Zuschuss in Höhe von rund 80.000 € beantragt. Die Fördermittel ermöglichen es, über einen Zeitraum von 18 Monaten jeweils eine vollständig geförderte 50 %-Personalstelle an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd (Projekt CHAL) bzw. an der Hochschule Aalen (Projekt Makerspace Hüttfeld) anzusiedeln und die beiden Stellen mit Sachmitteln für Pilotmaßnahmen und Veranstaltungen sowie für die Vernetzungs- und Öffentlichkeitsarbeit auszustatten.

Aufgrund der angespannten Haushaltssituation wurde von Seiten der Verwaltung die klare Vorgabe formuliert, im Rahmen der Projektarbeit keine zusätzlichen Haushaltsmittel des Landkreises einzuplanen und einzusetzen. Die für die Programmteilnahme notwendige Eigenbeteiligung wird daher vollständig über Stellenanteile im bestehenden Personalhaushalt erbracht. Konkret stellt das Landratsamt den Projekten personelle Ressourcen einer Fachreferentin im Umfang von jeweils ca. 20 % ihrer Personalkapazität zur Verfügung.

Die Referentin hat die beiden Projekte bereits im Rahmen ihrer Tätigkeitsschwerpunkte in der Wirtschaftsförderung (Begleitung der EFRE-Prozesse und Hochschulentwicklung) fachlich begleitet. Sie fungiert als Schnittstelle zwischen Verwaltung, Hochschule und Quartier, wirkt im Projektbeirat mit und unterstützt die inhaltliche Ausgestaltung sowie die Öffentlichkeitsarbeit. Hierbei nutzt sie bestehende Kommunikationskanäle der Verwaltung, insbesondere Social Media, Webseiten und Verteilerstrukturen. Die Einbindung erfolgt im Rahmen der regulären Aufgabenwahrnehmung und zielt auf eine nachhaltige strategische Weiterentwicklung der aufgebauten Strukturen in Zusammenarbeit mit Hochschulen und Zivilgesellschaft.

 

Fazit

Die Teilnahme am Förderprogramm ermöglicht dem Ostalbkreis, die in den letzten Jahren entstandenen Infrastrukturen (Creative Hall Assisted Living in Schwäbisch Gmünd und Makerspace in Aalen) strategisch weiterzuentwickeln, ohne neue finanzielle Belastungen zu erzeugen. Durch die gezielte Unterstützung mit Landesmitteln werden Innovation, Teilhabe und Vernetzung im Kreisgebiet gestärkt. Die Projekte schaffen sichtbare Mehrwerte für die Bürgerinnen und Bürger und fördern die nachhaltige Wirkung früherer Investitionen im Kreisgebiet.


Anlagen

 

Programmflyer QI 2025

 

 

Sichtvermerke

 

gez. Hahn, Stabsstelle 02

gez. Dr. Haverkamp, Stabsstelle 02

gez. Kurz, Dezernat II

gez. Dr. Bläse, Landrat

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Anlage_1_Programmflyer QI 2025 (3039 KB)