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Antrag der Verwaltung
Der Ausschuss für Finanzen, Bildung und Digitalierung beschließt die Fortführung des Welcome Centers Ostwürttemberg und Beteiligung des Ostalbkreises an der Kofinanzierung in Höhe von 40.000 Euro p.a. für die Förderperiode 2026-2028.
Sachverhalt/Begründung
Einordnung und bisherige Förderung
Das Welcome Center Ostwürttemberg wurde im Jahr 2020 unter der Trägerschaft der Wirtschaftsförderungsgesellschaft WiRO eingerichtet und wird gemeinsam mit dem Konsortialpartner Hochschule Aalen betrieben. Es ist eines von derzeit zwölf landesweit geförderten Welcome Centern in Baden-Württemberg. Die Förderung erfolgt zu 70 % durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg. Der verbleibende Eigenanteil wird durch regionale Partner wie den Ostalbkreis, den Landkreis Heidenheim, mehrere Städte sowie die IHK Ostwürttemberg und die Handwerkskammer Ulm getragen. Die aktuelle Förderphase läuft bis zum 31. Dezember 2025.
Die WiRO wird sich am Förderaufruf vom 8. Mai 2025 beteiligen und einen Förderantrag stellen, um eine Anschlussförderung für die Jahre 2026 bis 2028 zu sichern.
Strategische Bedeutung für die Region
Das Welcome Center Ostwürttemberg ist ein zentrales Instrument in der regionalen Fachkräftestrategie und eng eingebunden in die Initiative "Zukunft Ostwürttemberg" sowie den Aktionsplan der regionalen Fachkräfteallianz. Es ergänzt vorhandene Maßnahmen im Handlungsfeld "Beschäftigung und Qualifizierung" und baut auf regionalen Analysen und Instrumenten wie dem Fachkräftemonitor der IHK, Hochschulstatistiken und wirtschaftsstrukturellen Auswertungen der WiRO auf.
Zielgruppen und Aufgabenprofil
Das Welcome Center richtet sich sowohl an internationale Fachkräfte und Studierende als auch an Unternehmen, insbesondere kleine und mittlere Betriebe.
Die Zielgruppe der internationalen Fachkräfte wird für diese Unternehmen des Mittelstands zunehmend wichtiger, um den individuellen Fachkräftebedarf zu decken. Für sie ist es eine Herausforderung, diese Personalbeschaffungswege aufgrund von fehlendem Knowhow oder Ressourcen gezielt zu nutzen.
Für Unternehmen bietet das Welcome Center daher Unterstützung bei der Rekrutierung internationaler Fachkräfte, bei Einreise- und Anerkennungsverfahren sowie bei der Integration neuer Mitarbeiter in den Betrieb. Gleichzeitig informiert es über rechtliche Rahmenbedingungen wie das Fachkräfteeinwanderungsgesetz und das beschleunigte Fachkräfteverfahren. Hier hilft das Welcome Center den Unternehmen beim Aufbau von wichtigem Knowhow und steht beratend zur Seite, z. B. auch im Umgang mit kultureller Vielfalt zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität.
Internationale Fachkräfte und ihre Familien erhalten - nach Bedarf - mehrsprachige Hilfe bei Themen des Ankommens und Arbeitens in der Region. Dazu gehören Erstberatungen, Orientierungshilfen im Alltag sowie eine Lotsenfunktion zu relevanten Anlaufstellen. Ein besonderer Fokus liegt auf internationalen Studierenden, die frühzeitig mit regionalen Arbeitgebern vernetzt werden sollen, um sie als künftige Fachkräfte für die Region zu gewinnen. Gespräche finden bei Bedarf auf Englisch und weiteren Sprachen statt.
Vor dem Welcome Center gab es für diese Zielgruppen keine institutions- und branchenübergreifende sowie unbürokratische Anlaufstelle in der Region, die deren oft vielschichtigen Bedarfe abdeckt.
Veranstaltungen für Fachkräfte und Betriebe zur Informationsvermittlung von integrationsspezifischen Themen und Sensibilisierung flankieren die Beratungsarbeit und unterstützen den Aufbau von Knowhow. Das Welcome Center fungiert seit Bestehen zudem als ein Bindeglied für den fachlichen Austausch vieler Arbeitsmarktakteure der Region.
Volkswirtschaftliche Effekte der Zuwanderung
Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln zeigt, dass die rund 79.000 internationalen Studierenden, die 2022 ihr Studium in Deutschland mit Abschlussabsicht begonnen haben, langfristig rund 15,5 Milliarden Euro mehr an Einnahmen für Staat und Gesellschaft generieren werden, als der Staat für ihre Ausbildung und Sozialleistungen ausgibt. Dies gilt bei einer Annahme, dass 20 % von ihnen dauerhaft und 40 % über zehn Jahre in Deutschland verbleiben und arbeiten. Für Städte und Gemeinden heißt das: Wenn es gelingt, internationale Studierende gut zu begleiten, beim Studienerfolg zu unterstützen und ihnen den Einstieg in den regionalen Arbeitsmarkt zu erleichtern, profitieren alle - nicht nur durch neue Impulse für das gesellschaftliche Leben, sondern auch durch die finanziellen Beiträge der neuen Fachkräfte in Form von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen.
In der Region Ostwürttemberg waren im Wintersemester 2023/24 insgesamt 713 internationale Studierende eingeschrieben. Aufgrund des demografischen Drucks (mit einem Rückgang der Kohortenstärke der im Ostalbkreis geborenen 18-Jährigen um 24 % im Zeitraum 2020-2030) setzen die Hochschulen in dieser Dekade verstärkt auf die Internationalisierung der Hochschulbildung. Die Hochschulen bauen aktuell ihr jeweiliges Studiengangsportfolio aus, um mehr Studierende aus dem Ausland für ein Studium zu gewinnen. An der Hochschule Aalen liegt der Fokus auf der Gewinnung von neuen Studierenden für die ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge; entsprechend wurde zum Sommersemester 2025 das Studiengangsangebot u. a. um die englischsprachigen Bachelor-Studiengänge "Mechanical Engineering" und "Mechatronics Engineering" erweitert. Aktuell ist damit von einem wachsenden Beratungsbedarf auszugehen verbunden mit dem Ziel, internationale Studierende für einen Karrierestart bei den regionalen Unternehmen in Industrie und Handwerk zu gewinnen.
Die Bindung der Fachkräfte an die Region ist eng verbunden mit einer gelebten Willkommenskultur und der Botschaft des Willkommenseins, die das Welcome Center übermittelt.
Leistung und Wirkung seit 2020
Seit dem Projektstart im September 2020 wurden über 1.300 internationale Fachkräfte und Studierende in einer Erstberatung betreut, viele davon in weiterführenden Gesprächen bzw. Folgeberatungen. Rund 190 Unternehmen, vorwiegend KMU, nahmen eine Erstberatung in Anspruch. Insgesamt wurden über Veranstaltungen und externe Formate mehr als 2.700 internationale Fachkräfte, 590 Unternehmen sowie rund 640 Multiplikator*innen und Netzwerkakteure erreicht. Obwohl es keinen Vermittlungsauftrag hat, fanden mehrere dutzende Fachkräfte durch geschicktes Matching mit Unternehmen auch mithilfe des Welcome Centers eine Beschäftigung in der Region.
Das Welcome Center ist derzeit mit drei Vollzeitstellen dezentral in der Region präsent. Die enge Zusammenarbeit mit regionalen und überregionalen Partnern stärkt die Wirkung und sorgt für eine passgenaue Ansprache der Zielgruppen. Präsenzberatungen finden regelmäßig in den Mittelzentren statt, darüber hinaus berät das Team auch digital und telefonisch. Die etablierte Anlaufstelle ist eng mit dem regionalen Gesamtnetzwerk verbunden und arbeitet mit zentralen Einrichtungen zusammen, darunter unter anderem auch die EATA Europäische Ausbildungs- und Transferakademie oder die Agentur für Arbeit / Jobcenter und Ausländerbehörden.
Durch die enge Einbindung in das Landesnetzwerk der Welcome Center in Baden-Württemberg profitiert die Region durch Synergien wie gemeinsamen Veranstaltungen für KMU oder eine größere Sichtbarkeit des attraktiven Wirtschaftsstandortes und lebenswerten Region Ostwürttemberg durch gemeinsames Marketing mit Netzwerkpartnern (THE LÄND) oder weltweite Vernetzung (Goethe-Institute), die direkt oder indirekt potenzielle Fachkräfte erreichen.
Finanzierungsbedarf für die nächste Förderphase
Für die geplante Förderperiode 2026 bis 2028 ist vorgesehen, die Finanzierung des Eigenanteils erneut gemeinschaftlich durch die beteiligten Landkreise, Städte sowie die Kammern zu tragen. Der Ostalbkreis wird in diesem Zusammenhang gebeten, sich mit einem jährlichen Beitrag in Höhe von 40.000 Euro zu beteiligen.
Die bisherigen Erfahrungen, Rückmeldungen von Unternehmen und Fachkräften sowie die strukturelle Notwendigkeit zur Fachkräftegewinnung verdeutlichen die Bedeutung eines solchen Angebots für die Region. Das Welcome Center leistet nicht nur konkrete Hilfestellung, sondern stärkt auch die regionale Willkommenskultur und die internationale Wettbewerbsfähigkeit.
Finanzierung und Folgekosten
Der Ostalbkreis beteiligt sich an der Fortführung des Welcome Centers Ostwürttemberg in der Förderperiode 2026-2028 mit einem jährlichen Beitrag von 40.000 Euro. Die Verwaltung wird beauftragt, die dafür erforderlichen Schritte zur Kofinanzierung in Zusammenarbeit mit der WiRO einzuleiten.
Anlagen
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Sichtvermerke
gez. Kaiser, WiRO gez. Kurz, Dezernat II gez. Dr. Bläse, Landrat |
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