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Vorlage - 109/2025  

 
 
Betreff: Sachstandsbericht zur dualen Ausbildung und Technikerausbildung im Bereich Galvano- und Leiterplattentechnik
Status:öffentlich  
Federführend:Geschäftsbereich Bildung und Kultur   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Finanzen, Bildung und Digitalisierung Kenntnisnahme
14.07.2025 
Sitzung des Ausschusses für Finanzen, Bildung und Digitalisierung zur Kenntnis genommen   

Antrag der Verwaltung

 

Der Ausschuss für Finanzen, Bildung und Digitalisierung nimmt vom Sachstandsbericht zur dualen Ausbildung Oberflächenbeschichter und Weiterbildung zum Techniker im Bereich Oberflächen-/ Galvano- und Leiterplattentechnik an der Gewerblichen Schule Schwäbisch Gmünd Kenntnis.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Sachverhalt/Begründung

 

Kompetenzzentrum Galvano-/Oberflächentechnik an der Gewerblichen Schule Schwäbisch Gmünd

 

 

Ausgangslage

 

Schwäbisch Gmünd ist neben Solingen, Zwickau und Pforzheim eines von vier Zentren für Oberflächentechnik in Deutschland und gilt europaweit als wichtige Aus- und Weiterbildungsbildungsstätte für alle Bereiche der Oberflächentechnik.

 

Als Zentrum für Oberflächentechnik kann Schwäbisch Gmünd auf eine lange Tradition zurückblicken und der Standort trägt maßgeblich zum technischen Fortschritt in der heute von Industriebetrieben geprägten Branche bei. Hier in Schwäbisch Gmünd ist zudem der Sitz des weltweit renommierten FEM (Forschungsinstitut für Edelmetall und Metallchemie), des Zentrums für Oberflächentechnik ZOG e.V.  (Zentrum für Oberflächentechnik) und des Fördervereins Galvanicus. Die Gewerbliche Schule Schwäbisch Gmünd ist im regelmäßigen und guten Kontakt mit ihnen und bundesweit gut vernetzt in der Branche.

 

2017 feierte die Gewerbliche Schule in Schwäbisch Gmünd ein dreifaches Jubiläum: 90 Jahre Fachschule für Galvanotechnik, 25 Jahre Fachschule für Leiterplattentechnik und 25 Jahre Oberflächentechnik.

 

Alleinstellungsmerkmal der Oberflächentechnik an der Gewerblichen Schule Schwäbisch Gmünd

Als einziger Standort in Deutschland kann die Gewerbliche Schule Schwäbisch Gmünd Feuerverzinken und Leiterplattentechnik in Theorie und Praxis ausbilden. Die Schule hat Kapazität als Prüfungsort für drei Abschlussprüfungen: Ausbildungsprüfung, Technikerprüfung und Meisterprüfung.

 

Aktuelle Ausbildungs- und Weiterbildungssituation - Landesfachklasse

 

Aktuell werden an der Gewerblichen Schule Schwäbisch Gmünd rund 130 Auszubildende im Blockunterricht in einer zweizügigen Landesfachklasse in dem Beruf „Oberflächenbeschichter/in“ ausgebildet. Der Unterricht erfolgt in Lernfeldern und verknüpft Theorie und Praxis sachlogisch miteinander. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Die Auszubildenden kommen aus ganz Deutschland und unseren deutschsprachigen Nachbarländern.

Zurzeit schicken über 50 Unternehmen ihre Auszubildenden in dem Bereich nach Schwäbisch Gmünd.

 

Untergebracht sind die Schülerinnen und Schüler in einem modernen Jugendwohnheim, das 2022 eingeweiht wurde und vom Ostalbkreis betreut wird. Das Wohnheim befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schulcampus.

 

Regelmäßig werden besonders erfolgreiche Absolventen als Prüfungsbeste auf Landes- und Bundesebene ausgezeichnet.

 

Die Oberflächenbeschichter können sich nach ihrer Ausbildung durch den Besuch der zweijährigen Fachschule für Galvanotechnik an der Gewerblichen Schule zu Technikern qualifizieren. Die Galvanotechniker sind in der Industrie als kompetente Führungskräfte sehr gefragt. Die Aus- und Weiterbildung genießt dank der qualifizierten und engagierten Lehrerinnen und Lehrer einen sehr guten Ruf.

 

Parallel zum Galvanotechniker können die Absolventinnen und Absolventen die Meisterprüfung ablegen. Der Meisterkurs findet in Kooperation mit der Kreishandwerkerschaft Schwäbisch Gmünd berufsbegleitend statt.

 

 

Unterrichtssituation der Oberflächentechnik an der Gewerblichen Schule Schwäbisch Gmünd

 

Der Unterricht im Bereich Oberflächentechnik findet an zwei Standorten statt:

Der Theorieunterricht ist an der Gewerblichen Schule Schwäbisch Gmünd auf dem Hardt. Die Klassenräume sind im Rundbau II und mit sehr guter digitaler Technik ausgestattet. Im Hauptgebäude befindet sich ein modernes Leiterplattenlabor im Bereich der Werkstätten. Der berufspraktische Unterricht findet historisch bedingt in Schwäbisch Gmünd in einem an die Hochschule für Gestaltung angebauten Gebäude (Rektor-Klaus-Straße) statt, das vor Jahrzehnten angemietet wurde.

 

 

Ausbildung Oberflächenbeschichter/in

 

Das Tätigkeitsfeld eines Oberflächenbeschichters ist in der Öffentlichkeit wenig bekannt, obwohl die Arbeit von Oberflächenbeschichtern viele Alltagsgegengestände beeinflusst (vom Wasserhahn bis zur der Simkarte im Handy). Oberflächenveredelung und spezielle Beschichtungen geben Produkten in allen Branchen ein besonderes Aussehen und/oder Optimieren ihre Funktion und Haltbarkeit. Oberflächenbeschichter beschichten und veredeln Metall- und Kunststoffoberflächen hauptsächlich unter Anwendung von Galvanotechnik, Feuerverzinken, Anodisieren oder Eloxieren und anderen chemischen, elektrochemischen und physikalischen Verfahren.

 

Dafür bereiten sie die Werkstücke und die notwendigen Arbeitsprozesse entsprechend vor. In galvanischen Bädern oder in Vakuumbeschichtungsanlagen bringen sie z. B. Beschichtungen auf, danach kontrollieren sie die Werkstücke und führen ggf. eine Nachbearbeitung durch. Sie sind verantwortlich für die Reinigung der Behälter und für die fachgerechte Entsorgung der Chemikalien und der elektrolytischen Lösungen. Außerdem warten sie die Anlagen und halten sie instand.

 

 

 

 

 

Die wesentlichen Inhalte der Ausbildung umfassen:

 

Beschichtungsverfahren

Werkstoffkunde

Vor- und Nachbehandlung

Anlagenbedienung und -wartung

Qualitätssicherung

Umweltschutz

Arbeitssicherheit

 

Neue Technologien und Verfahren in Bezug auf Industrie 4.0 und digitalen Arbeitsprozessen:

 

Maschinenwartung mit Tablets durchführen

Industrieroboter einsetzen

SPS-gesteuerte Galvanisierungsanlagen überwachen

 

 

Voraussetzungen:

 

Hauptschulabschluss

naturwissenschaftliche Kenntnisse und Interesse

 

Weiterbildung Galvanotechniker

 

Tätigkeit

Galvanotechniker planen, steuern und überwachen als Spezialisten auf der mittleren Führungsebene galvanische Fertigungsprozesse und Anlagen zur Veredelung von Oberflächen. Sie analysieren die Ergebnisse der Qualitätskontrollen. In Entwicklungsabteilungen entwickeln und erproben sie neue Verfahren. Sie leiten als Führungskräfte Mitarbeiterteams, beraten Kunden und kalkulieren Aufträge. Die Absolventen erwerben durch Zusatzunterricht die Hochschulreife.

 

Die wesentlichen Inhalte umfassen:

vertiefte Grundlagen der Galvanotechnik

(Chemie, technische Physik, Elektrotechnik, technische Mathematik)

galvanische Verfahren

Umwelttechnik

Werkstoffkunde

Qualitätssicherung

Informatik

Technikerarbeit

Betriebswirtschaftslehre

Führung und Kommunikation

 

Schlüsseltechnologie Oberflächentechnik

 

Die Oberflächentechnik ist ein zentrales Element für die Schlüsselindustrien Deutschlands und somit selbst Schlüsselindustrie. Die Oberflächentechnik ist generell in der industriellen Fertigung in allen Branchen unersetzlich, da es in allen technischen Bereichen notwendig ist, kontinuierlich zu forschen und sich weiterzuentwickeln, um technologische Herausforderungen zu meistern und am Markt zu bestehen: Prozesse zu optimieren z. B. durch langlebigere und widerstandsfähigere Materialien. Aktuell gewinnt sie weiter an Bedeutung, wenn es um die Ziele Nachhaltigkeit und digitale Prozesse geht.

 

 

Schulentwicklungsprozess Oberflächentechnik an der Gewerblichen Schule Schwäbisch Gmünd

 

Zur Integration von I 4.0 (Industrie 4.0) in den Bildungsplan entwickelt das Lehrkräfte-Team kontinuierlich die didaktische Jahresplanung für die Fachschule und die Berufsschule weiter.

 

Es finden regelmäßig für die Auszubildenden und angehenden Techniker Exkursionen zu Fachmessen und Unternehmen statt. Ebenso finden Expertenvorträge zu speziellen Themen statt.

 

Mit den Unternehmen sind Schulleitung und Lehrerkollegium regelmäßig in Kontakt und laden auch zu Ausbildertreffen in die Schule ein.

 

Die Schule unterstützt die Unternehmen im Ostalbkreis z. B. durch den „Berufsfindungstag“, immer im Herbst eines Jahres: In Kooperation mit der Kreishandwerkerschaft lernen Schülerinnen und Schüler aus dem umliegenden allgemeinbildenden Schulen (außer Gymnasien) in der Gewerblichen Schule zwei handwerkliche Ausbildungsberufe aktiv in den jeweiligen Werkstätten kennen, d. h. sie arbeiten unter Anleitung an kleinen Projekten. In der Regel nehmen rund 400 Schülerinnen und Schüler daran teil. Der Ausbildungsberuf Oberflächenbeschichter gehört dazu.

 

Die technische Ausstattung in den Werkstatt- und Laborräumen wird seit 2024 sukzessive erneuert und den neuen Standards angepasst.

 

 

 

Stellenwert der Oberflächentechnologie als Wirtschaftsfaktor

 

Oberflächentechnologie verleiht einem Material spezielle Eigenschaften, am bekanntesten ist z. B. Schutz vor Korrosion. Die aktuelle Forschung beschäftigt sich zurzeit z. B. mit der Entwicklung von CO2-reduzierenden Oberflächen für Gebäude.

Oberflächentechnologie ist in vielen Industriezweigen im Einsatz, vor allem in der Automobilindustrie, aber auch im Maschinenbau, der Bauindustrie, der Luft- und Raumfahrtindustrie u. v. m.

 

Die Unternehmen im Bereich Oberflächentechnik zählen zum Mittelstand, die Branche ist stark fragmentiert im Bereich von Industrie und Handwerk. Deutschland zählt in der EU neben Italien zum Spitzenreiter: Rund 1000 Unternehmen erwirtschaften mit ca. 62 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über 9 Milliarden € Jahresumsatz.

 

 

 

 

Herausforderungen der Branche

 

Der Transformationsprozess in der Automobilindustrie und der Rückgang der Produktion wirkt sich in der Oberflächentechnik-Branche spürbar aus. Zugleich kommt der Oberflächentechnik für den Transformationsprozess in der Fahrzeugtechnologie eine besondere Rolle zu, z. B. bei den Elektronik-Bauteilen.

 

Im Bereich der digitalen Transformation gilt es für die Branche, sich weiterzuentwickeln, die Geschäftsprozesse insgesamt zu digitalisieren, um mehr Effizienz, Qualität und Nachhaltigkeit in den Produktions- und Verwaltungsprozessen zu erreichen. Dies erfordert Investitionen und zugleich hoch qualifizierte Fachkräfte. Der Fachkräftemangel ist in diesem Bereich akut, Auszubildende für die Ausbildung zum Oberflächenbeschichter zu gewinnen, stellt die Unternehmen vor große Schwierigkeiten, obwohl die Aufstiegschancen sehr gut sind. Diese Herausforderung trifft auch auf die Gewinnung von Führungskräften zu. Die Schwäbisch Gmünder Beteiligten gehen diese Herausforderung gemeinsam an.

 


Finanzierung und Folgekosten

 

Die notwendigen Investitionen werden über das Schulbudget abgedeckt.

 


Anlagen

 

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Sichtvermerke

 

gez. Freytag, Geschäftsbereichsleitung

gez. Kurz, Dezernat II

gez. Dr. Bläse, Landrat