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Vorlage - 108/2025  

 
 
Betreff: Aktivitäten des Ostalbkreises im Regionalen Übergangsmanagement (RÜM) und der Schulform AVdual
Status:öffentlich  
Federführend:Geschäftsbereich Bildung und Kultur   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Finanzen, Bildung und Digitalisierung Kenntnisnahme
14.07.2025 
Sitzung des Ausschusses für Finanzen, Bildung und Digitalisierung zur Kenntnis genommen   

Antrag der Verwaltung

 

Der Ausschuss für Finanzen, Bildung und Digitalisierung nimmt die dargestellten Maßnahmen zur Berufsorientierung und Bildungsbegleitung im Rahmen des Regionalen Übergangsmanagements (RÜM) und der Schulform AVdual sowie die vorgestellten Ergebnisse des Bildungsmonitorings zur Kenntnis.

 

 

 


Sachverhalt/Begründung

 

Seit dem Jahr 2014 nimmt der Ostalbkreis am landesweiten Prozess zur Neugestaltung des Übergangs von der Schule in den Beruf teil und wurde als Modellregion für das Regionale Übergangsmanagement (RÜM) etabliert. Ziel dieses Ansatzes ist es, bestehende Übergangsprozesse zwischen allgemein bildenden Schulen und beruflichen Anschlussoptionen wirksam zu strukturieren und weiterzuentwickeln. Dabei steht im Vordergrund, allen Jugendlichen - unabhängig von Herkunft oder schulischer Leistungsfähigkeit - eine geeignete Perspektive nach dem Schulabschluss zu ermöglichen. Das Regionale Übergangsmanagement versteht sich hierbei als koordinierende und strukturgebende Einheit, die mit einer Vielzahl an Akteuren zusammenarbeitet.

 

 

Struktur und Arbeitsweise des RÜM

Die Steuerung des RÜM erfolgt über eine eigens eingerichtete Steuer- und Lenkungsgruppe, die regelmäßig tagt und den Austausch zwischen allen relevanten Akteuren sicherstellt. Dieses Gremium besteht aus Vertreterinnen und Vertretern von Schulen, Schulverwaltung, Bildungs- und Jugendhilfeträgern, Kammern, der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter, der Hochschule Aalen, verschiedenen Kommunen sowie Unternehmen der Region. Gemeinsames Ziel aller Beteiligten ist es, Brüche im Übergang von der Schule in die Ausbildung oder den Beruf zu vermeiden und jungen Menschen unabhängig von ihrem schulischen oder sozialen Hintergrund tragfähige Anschlussperspektiven zu bieten. Getreu dem Motto: „Für jeden Abschluss den passenden Anschluss.“

 

 

Leitbild und Zielsetzung

Das Leitbild des Regionalen Übergangsmanagements im Ostalbkreis ist von der Überzeugung getragen, dass kein Jugendlicher auf dem Weg in das Berufsleben verloren gehen darf. Jeder Abschluss soll zu einem passenden Anschluss führen. Ausgehend von dieser Prämisse werden Defizite im bestehenden System identifiziert, analysiert und gezielt durch Maßnahmen bearbeitet. Die Umsetzung erfolgt in Form gemeinsamer Projekte, der systematischen Unterstützung von Schulen und durch die Förderung der regionalen Netzwerkarbeit. Die Qualität und Wirksamkeit der Maßnahmen werden durch Bildungsberichte, Jugendbefragungen und Verbleibserhebungen regelmäßig überprüft.

 

 

Fachkonferenzen und Projektumsetzung

Ein wichtiger Bestandteil des RÜM ist die Fachkonferenz, die alle zwei Jahre zu wechselnden Themenschwerpunkten von der Verantwortungsgemeinschaft organisiert wird. Diese Fachkonferenz ermöglicht einen multiperspektivischen Austausch und gibt Impulse für die Weiterentwicklung der regionalen Übergangsstrategie. Ergänzend dazu werden gezielte Projekte wie „SINUS 9“ umgesetzt, das Schülerinnen und Schülern vor dem Beginn ihrer Ausbildung in einem metallverarbeitenden Betrieb grundlegende Kenntnisse der Trigonometrie vermittelt und so auf den Start optimal vorbereitet. In enger Kooperation mit Schulen, Betrieben und Kammern entsteht so ein konkreter Beitrag zur Stärkung der Ausbildungsreife.

 

 

 

Ausgangslage und Entstehung der Schulform AVdual

Im Zusammenhang mit den Herausforderungen des Übergangs von der Schule in den Beruf hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass ein erheblicher Anteil der Jugendlichen nach Abschluss der allgemein bildenden Schule noch nicht über die notwendigen Voraussetzungen für den direkten Einstieg in eine Ausbildung verfügt. In Reaktion auf diese Ausgangslage wurde im Jahr 2014 die Schulform AVdual im Ostalbkreis eingeführt. Sie richtet sich an junge Menschen, die entweder keinen Schulabschluss besitzen, diesen verbessern möchten oder aufgrund sprachlicher, motivationaler oder sozialer Gründe noch nicht ausbildungsreif sind.

Im Gegensatz zu vielen anderen Landkreisen in Baden-Württemberg, in denen die Schulform AVdual mit der zweijährigen Berufsfachschule (2BFS) verzahnt ist und somit auch den Erwerb eines mittleren Bildungsabschlusses ermöglicht, wurde im Ostalbkreis eine bewusste strukturelle Trennung vorgenommen. Diese Ausgestaltung erlaubt eine zielgerichtete Förderung leistungsschwächerer Jugendlicher, da das Bildungsangebot passgenau auf deren individuelle Unterstützungsbedarfe im Übergang von der Schule in den Beruf ausgerichtet ist.

 

 

Ziele und pädagogisches Konzept von AVdual

AVdual verfolgt das Ziel, den Jugendlichen durch individuelle Unterstützung, intensive pädagogische Begleitung und gezielte Maßnahmen zur beruflichen Orientierung den Erwerb eines Schulabschlusses sowie die Entwicklung von Ausbildungsreife zu ermöglichen. Herzstück der AVdual-Struktur ist die Bildungsbegleitung, die schulische und sozialpädagogische Unterstützung in einem multiprofessionellen Team verbindet. Die Arbeit erfolgt nicht nur im schulischen Alltag, sondern umfasst auch die Begleitung bei der Praktikums- und Ausbildungsplatzsuche, psychosoziale Beratung, die Entwicklung von Schlüsselqualifikationen sowie eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern, die bei der Berufswahl ihrer Kinder oft eine zentrale Rolle einnehmen.

 

 

Kooperation und Übergangsmanagement im AVdual-System

Ein wesentliches Merkmal der AVdual-Bildungsbegleitung ist der enge und kontinuierliche Austausch mit allgemein bildenden Schulen, insbesondere in Form von Übergabegesprächen zum Ende eines Schuljahres sowie begleitenden Schulbesuchen während des laufenden Schuljahres. Diese Abstimmungsprozesse gewährleisten, dass Jugendliche beim Übergang zwischen den Systemen nicht aus dem Blick geraten und passgenau unterstützt werden können. Ein Schwerpunkt liegt auf der Ermöglichung praktischer Erfahrungen, so ist ein hoher Anteil an betrieblichen Praktika integraler Bestandteil des Konzepts. Diese betriebliche Einbindung wirkt sich in vielen Fällen motivationssteigernd auf die Jugendlichen aus und leistet einen wichtigen Beitrag zur erfolgreichen Vermittlung in eine Ausbildung. Auch abseits von Landesprogrammen wie der sogenannten Praktikumswoche, sind Praktika ein fester Bestandteil des Curriculums und dementsprechend der Berufsorientierung.

 

 

Bildungsmonitoring als Steuerungsinstrument

Flankiert werden diese Maßnahmen durch ein systematisches Bildungsmonitoring, das seit dem Jahr 2007 im Ostalbkreis durchgeführt wird. Ziel ist es, die Entwicklungen im Bereich des Übergangs Schule-Beruf datenbasiert zu begleiten und Handlungszwänge frühzeitig zu erkennen. Der Erfolg der Maßnahmen zeigt sich eindrucksvoll in den landesweit überdurchschnittlich positiven Ergebnissen. Besonders im Bereich der Praktika wird ein intensiver und regelmäßiger Austausch mit den Betrieben gepflegt, der im Rahmen des Bildungsmonitorings durch kontinuierliche Rückmeldungen begleitet wird.

Dieser enge Dialog zwischen den AVdual-Begleitungen und den Ausbildungsbetrieben schafft beste Voraussetzungen dafür, dass Jugendliche nach ihrem Praktikum und dem Schulabschluss direkt eine Ausbildung beginnen können. Dies spiegelt sich im sogenannten „Klebeeffekt“ im Ostalbkreis wider, der mit 69,4 % deutlich über dem landesweiten Durchschnitt von 58 % liegt. Auch die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die nach dem Verlassen der allgemein bildenden Schulen unmittelbar eine Berufsausbildung aufnehmen, ist im Ostalbkreis mit 49,5 % bemerkenswert höher als der Durchschnitt aller Landkreise (39,1 %). Die Zahlen verdeutlichen, dass die Berufsausbildung im Ostalbkreis für viele junge Menschen eine besonders attraktive Anschlussoption darstellt. Im Hinblick auf den Anteil der Jugendlichen mit unbekanntem Verbleib schneidet der Ostalbkreis mit lediglich 1,8 % ebenfalls überdurchschnittlich gut ab, was verdeutlicht, dass die Maßnahmen des Bildungsmonitorings funktionieren (Quelle: Statistisches Landesamt, Ergebnisse der Auswertung des Datengerüstes für AVdual in den Modellregionen, Schuljahr 2023/2024).

Auch während der pandemiebedingten Einschränkungen konnten im Ostalbkreis überdurchschnittlich hohe Verbleibsquoten im Vergleich zum Landesdurchschnitt erzielt werden, was auf die nachhaltige Wirkung der eingesetzten Maßnahmen hinweist.

 

Berufsorientierung als gemeinsame Verantwortung

Die Berufsorientierung wird im Ostalbkreis als gemeinsame Aufgabe verschiedener Partner verstanden. Sie erfolgt auf gesetzlicher Grundlage im Zusammenwirken zwischen Schulen und der Agentur für Arbeit. Ergänzend dazu werden im Rahmen des RÜM zusätzliche Instrumente wie die Bildungsbegleitung auch an allgemein bildenden Schulen eingesetzt. Mit Projekten wie „BO4P - Berufsorientierung for parents“ werden darüber hinaus Eltern als wichtige Einflussfaktoren im Berufswahlprozess angesprochen und eingebunden, ohne die Berufsorientierung ihrer Kinder zu stark zu lenken.

 

Fazit: Strukturiertes Übergangssystem als Zukunftsinvestition

Die Aktivitäten im Rahmen des Regionalen Übergangsmanagements und der Schulform AVdual zeigen, dass eine enge Kooperation, strukturierte Begleitung und frühzeitige Orientierung wesentliche Erfolgsfaktoren für gelingende Übergänge sind. Der Ostalbkreis versteht Investitionen in Bildung als Investitionen in die Zukunft. Die kontinuierliche Weiterentwicklung dieser Strukturen bleibt daher ein zentrales Anliegen der regionalen Bildungspolitik.


Finanzierung und Folgekosten

 

Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus hat mitgeteilt, dass die Förderung von RÜM und AVdual im Rahmen des Modellversuchs „Übergang Schule-Beruf“ für die nächsten zwei Schuljahre bis 31.08.2027 verlängert wird. Daraufhin wurde der Antrag auf Förderung der 1,0 Stelle RÜM (max. 42.000 €/VZÄ/Jahr) und der 5,35 Stellen AVdual Begleiter, (max. 30.000 €/VZÄ/Jahr) für den Ostalbkreis beim Ministerium eingereicht.

 

Die notwendigen Mittel sind bzw. werden in den Haushalt 2025, 2026 und 2027 unter Produktsachkonto 57 10 05 02 eingestellt. Das RÜM ist angehalten, jährlich alle Fördermöglichkeiten und Ausschreibungen für eine Beteiligung von Fremdmitteln zu prüfen.


Anlagen

 

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Sichtvermerke

 

gez. Freytag, i. V. Schilde, Geschäftsbereichsleitung

gez. Kurz, Dezernat II

gez. Dr. Bläse, Landrat