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Antrag der Verwaltung
Der Ausschuss für Finanzen, Bildung und Digitalisierung nimmt den Bericht über das erweiterte Bildungsangebot an der Technischen Schule Aalen zur Kenntnis.
Sachverhalt/Begründung
Der Bereich Feinoptik an der Technischen Schule Aalen
Hochpräzise optische Komponenten sind essenziell für Smartphones, Computer, Kamerasysteme sowie für hochentwickelte medizinische Verfahren, insbesondere in der bildgebenden Diagnostik und Chirurgie. Feinoptikerinnen und Feinoptiker fertigen Schlüsselbauteile für optische und optoelektronische Hochleistungssysteme, die unter anderem in der Halbleiterindustrie zur Chipfertigung eingesetzt werden. Ebenso zählen optische Präzisionselemente für Ferngläser, Teleskope, Mikroskope und Endoskope zu ihrem Arbeitsbereich, die beispielsweise in wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen und modernen Operationssälen unverzichtbar sind. Ohne den Ausbildungsberuf der Feinoptikerinnen und Feinoptiker wären diese technologischen Errungenschaften der modernen Gesellschaft nicht realisierbar.
Die Technische Schule Aalen leistet seit Jahrzehnten einen entscheidenden Beitrag zur Ausbildung dieser hochspezialisierten Fachkräfte. Seit Jahrzenten wird die Ausbildung zum Feinoptiker an der Technischen Schule Aalen angeboten. In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Auszubildenden signifikant erhöht, was die steigende Bedeutung dieses Berufsbildes für Industrie, Forschung und Medizin unterstreicht.
Bis 2022 wurde an der Technischen Schule Aalen pro Jahrgang lediglich eine Feinoptikklasse geführt. Im Jahr 2017 waren die Ausbildungszahlen so niedrig, dass Kleinklassen mit weniger als 16 Schülerinnen und Schülern gebildet werden mussten. Seit dem Schuljahr 2023/2024 werden nun jährlich zwei Feinoptikklassen pro Jahrgang eingerichtet. Diese Entwicklung verdeutlicht nicht nur das zunehmende Interesse an diesem spezialisierten Berufsfeld, sondern auch den steigenden Bedarf der Industrie an qualifizierten Feinoptikerinnen und Feinoptikern.
Als Landesfachklasse nimmt die Technische Schule Aalen Auszubildende aus ganz Baden-Württemberg auf. Neben der bewährten Unterkunftsmöglichkeit über das Landratsamt stehen seit 2024 zwei weitere Optionen zur Verfügung: das Wohnheim Waldcampus in unmittelbarer Nähe zur Hochschule Aalen sowie das Bildungszentrum Aalen, das zusätzlich eine sozialpädagogische Betreuung bietet. Diese erweiterten Wohnmöglichkeiten tragen dazu bei, dass alle Auszubildenden unabhängig von ihrem Wohnort optimale Bedingungen für ihre schulische Ausbildung erhalten.
Neue Qualifikationsmöglichkeit: Staatlich geprüfter Berufskollegiat im Bereich Feinoptik
Seit dem Jahr 2024 bietet die Technische Schule Aalen mit dem Abschluss als staatlich geprüfter Berufskollegiat im Bereich Feinoptik eine erweiterte Ausbildungsoption an. Diese neue Schulart ergänzt die reguläre Berufsausbildung zum Feinoptiker und vermittelt zusätzlich vertiefte theoretische und praktische Kenntnisse u.a. in den Bereichen Mathematik, Physik und Technischer Kommunikation. Dadurch erhalten die Auszubildenden ein breiteres fachliches Fundament, das ihnen erweiterte Perspektiven für ihre berufliche Laufbahn eröffnet. Ein wesentlicher Vorteil dieser Qualifikation liegt in den verbesserten Weiterbildungs-möglichkeiten. Absolventinnen und Absolventen des Berufskollegs verfügen über eine erweiterte Ausbildung, die ihnen den Zugang zu weiterführenden Qualifikationen, wie einer Weiterbildung zum Techniker, erleichtert. Zudem kann die Dauer der Technikerausbildung z.B. im Teilzeitbereich um bis zu zwei Jahre durch den Abschluss als Berufskollegiat verkürzt werden.
Darüber hinaus haben die Auszubildenden die Möglichkeit, während ihrer Ausbildungszeit durch zusätzlichen Unterricht die Fachhochschulreife zu erwerben. Dies eröffnet ihnen unmittelbar nach dem Abschluss der Berufsausbildung die Option auf ein weiterführendes Studium wie z.B. dem Studiengang Optical Engineering an der Hochschule Aalen und erweitert somit ihre beruflichen und akademischen Perspektiven.
Kooperation mit der Glasfachschule in Zwiesel
Eine Neuerung in der Weiterbildungsstruktur an der Technischen Schule Aalen ist die Kooperation mit der Technikerschule in Zwiesel, die den Auszubildenden eine spezialisierte Qualifizierung im Bereich der Optik ermöglicht. Durch diese Zusammenarbeit haben Schülerinnen und Schüler die Option, das erste Jahr ihrer Technikerausbildung in Aalen zu absolvieren und anschließend für das zweite Jahr an die Glasfachschule Zwiesel zu wechseln. Dort können verschiedene Schwerpunkte wie z.B. technische Optik, optoelektronische Baulemente, Fertigungstechnologie, Optik etc. gewählt werden.
Modernisierung der Ausbildung durch den neuen Rahmenlehrplan
Der neue Rahmenlehrplan für den Ausbildungsberuf Feinoptiker/-in, der im Jahr 2024 eingeführt wurde, gliedert die Ausbildung in mehrere Lernfelder, die sich an den betrieblichen Handlungsfeldern orientieren. Diese Lernfelder bauen spiralcurricular aufeinander auf und sind methodisch-didaktisch so konzipiert, dass sie zur beruflichen Handlungskompetenz führen.
Eine wesentliche Neuerung ist die Untergliederung der Ausbildungsstruktur in zwei Phasen jeweils vor und nach Teil I der gestreckten Gesellen- und Abschlussprüfung (zwei Prüfungszeiträume zum einen etwa nach der Hälfte und zum anderen am Ende der Ausbildungszeit), wodurch es im Jahr 2026 zum ersten Mal eine schriftliche Zwischenprüfung im Bereich der Feinoptik geben wird.
eine zukunftsorientierte, fundierte Ausbildung erhalten.
Mit der Einführung des neuen Rahmenlehrplans ergeben sich aktuell zahlreiche neue Projekte und Planungen im Bereich Feinoptik. Die Weiterentwicklung der Ausbildung und die Integration innovativer Lehrinhalte stehen dabei im Fokus, um die hohe Qualität der Lehre auch in Zukunft sicherzustellen.
Neustrukturierung des Laborunterrichts und Zukunftsperspektiven
Im Zuge der Einführung des neuen Rahmenlehrplans wird der Laborunterricht im Bereich Feinoptik umfassend neu strukturiert. Der Fokus soll künftig verstärkt auf optikspezifischen Inhalten liegen, während fertigungstechnisch orientierte Inhalte aus dem Bereich der Metallbearbeitung reduziert werden.
Mit Beginn des Schuljahres 2025/2026 werden im ersten Lehrjahr neue praxisorientierte Versuche eingeführt. Dazu zählen unter anderem Experimente zur Lichtbrechung und Reflexion sowie zur Untersuchung von Strahlengängen und dem Einfluss verschiedener optischer Bauelemente. Um diese Versuche optimal durchführen zu können, ist die Anschaffung neuer Laser Ray Boxen erforderlich. Geplant ist die Beschaffung von zehn Lichtquellen, davon fünf mit roten LEDs und fünf mit grünen LEDs, um zusätzlich den Einfluss der Wellenlänge des Lichts auf optische Systeme zu veranschaulichen. Gespräche mit der Schulleitung zur Finanzierung dieser Anschaffung sind bereits im Gange.
Ein langfristiges Ziel der Weiterentwicklung im Bereich Feinoptik ist die Einrichtung spezieller Schülermessplätze für Untersuchungen mit Autokollimationsfernrohren (AKF) und Goniometern. AKF-Messplätze würden es ermöglichen, im Labor- und Werkstattunterricht Justageversuche an optischen Systemen durchzuführen und Winkelabweichungen von Prismen präzise zu analysieren. Durch eine Erweiterung des Messplatzes mit einem elektrischen Drehtisch in der z-Achse, könnte zudem das Goniometer-Prinzip anschaulich dargestellt werden.
Für die optimale Umsetzung dieser Messmethoden wäre ein speziell ausgestattetes Feinoptiklabor mit fest installierten Messplätzen wünschenswert. Aufgrund der räumlichen Gegebenheiten an der Technischen Schule Aalen ist eine vollständige Realisierung derzeit jedoch nicht absehbar. Dennoch bleibt die kontinuierliche Verbesserung der Ausbildungsausstattung ein zentrales Ziel, um den Schülerinnen und Schülern bestmögliche Lernbedingungen im Bereich der Feinoptik zu bieten.
Kooperation mit der Hochschule Aalen
Ab dem Studienjahr 2025/2026 bietet die Hochschule Aalen im Studiengang „Optical Engineering“ einen volldualen Studiengang an. Das heißt die Ausbildung in diesem Studiengang ist zukünftig durchgängig Dual, mit abwechselnden theoretischen Ausbildungsabschnitten an der Hochschule, und praktischen Ausbildungsabschnitten im Partnerbetrieb. Die Sommer-/Winter-Semesterferien fallen weg, dafür erhalten die Studierenden betrieblichen Jahresurlaub (in der Regel 28 Tage) und eine durchgängige Vergütung von Studienbeginn bis Studienabschluss in Höhe der Ausbildungsvergütung von Azubis. Damit wird es für den Partnerbetrieb sehr einfach, die vertragliche Gestaltung des Ausbildungsverhältnisses darzustellen. Zwischen der Hochschule Aalen und dem Betrieb wird ein Kooperationsvertrag geschlossen, mit den Studierenden ein Ausbildungsvertrag analog zu Azubis.
Die Auszubildenden des 3BK Feinoptik können während ihrer Ausbildungszeit durch zusätzlichen Unterricht die Fachhochschulreife erwerben. Sie haben so die Möglichkeit, im Anschluss ein Studium im Studiengang Optical Engineering an der Hochschule Aalen zu beginnen. Auch ohne Zusatzunterricht ist nach Besuch der Technikerschule ein solches Studium möglich, da mit dem Abschluss an der Fachschule für Technik auch die Fachhochschulreife verbunden ist. Diskutiert wird derzeit die Anerkennung von Inhalten der Technikerschule für das Studium an der Hochschule. Denkbar ist ein Abkommen zwischen der Technischen Schule und der Hochschule Aalen, in dem eine mögliche Verkürzung der Studienzeit bei Abschluss der Technikerschule, wie es bei der Fachschule für Maschinentechnik und Elektrotechnik schon jetzt der Fall ist, festgelegt wird.
Fazit: Zukunftssicherung durch gemeinsame Zusammenarbeit
Der Bereich Feinoptik hat in den letzten Jahren erhebliche Entwicklungen durchlaufen und steht auch weiterhin vor wichtigen strukturellen Veränderungen. Um die hohe Ausbildungsqualität und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts langfristig zu sichern, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Schule, Politik und Betrieben essenziell. Nur durch ein gemeinsames Engagement und eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Ausbildungsstrukturen können die Fachkräfte von morgen optimal auf die Anforderungen der Industrie vorbereitet werden.
Finanzierung und Folgekosten
--- Anlagen
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Sichtvermerke
gez. Freytag, Geschäftsbereichsleitung gez- Kurz, Dezernat II gez. Dr. Bläse, Landra |
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