Bürgerinformationssystem
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Antrag der Verwaltung: Kenntnisnahme Sachverhalt/Begründung: 1. Ausgangssituation und Allgemeines: Im Rahmen der Lokalen Agenda21 des Ostalbkreises hat sich der Arbeitskreis Lebensqualität im Alter gegründet, der sich seit 2001 bis heute um die Lebens- und Pflegequalität im Alter als gesamtgesellschaftliche Aufgabe kümmert. Der Arbeitskreis hat als einen statistisch gut nachweisbaren Indikator für die Pflegequalität die Tage, die im Ostalbkreis mit Druckgeschwüren erlebt werden müssen, gewählt und setzt sich für eine Verringerung solcher Tage ein. Der Arbeitskreis entwickelte außerdem den weit über die Kreisgrenzen bekannten elektronische Pflegeführer mit Werbemöglichkeiten der Pflegedienste für ihre Pflegequalität ( Smilie ) und mit profundem Informationsangebot für Betroffene (www.ostalbkreis.de/pflege). Die Standortqualitäten des Ostalbkreises für die Lebensqualität im Alter werden durch den Arbeitskreis entscheidend mitgestaltet. Druckgeschwüre (Dekubitus) Druckgeschwüre sind meist offene Geschwüre. Sie entstehen durch Liege- oder Sitzdruck u.a. bei bewegungseingeschränkten Menschen und reichen in schlimmen Fällen bis tief in die Muskulatur, ja bis auf den Knochen. Die Entstehung von Druckgeschwüren ist ein sehr vordringliches Pflegeproblem im Alter, es macht zeitaufwändige Vorsorge und Pflege nötig. In der Literatur wird von einer Häufigkeit des Vorkommens von Druckgeschwüren in der Bundesrepublik Deutschland von ca. 6% - 8% berichtet. Im Ostalbkreis ist das Problem auch vorhanden. Druckgeschwüre können bei der Pflege zu Hause, während der ambulanten Pflege oder im Krankenhaus ebenso wie im Pflegeheim entstehen. Folgen Die Folgen eines Druckgeschwürs sind ca. 35 000 € Kosten für die Gesellschaft, also für uns alle, und den Verlust von Mobilität und von Lebensqualität für den Betroffenen. Es wird geschätzt, dass für Deutschland allein für dieses Krankheitsbild ca. 1,4 - 3,5 Mrd. € pro Jahr aufgewendet werden müssen. Datenquellen Im Zeitalter des Computers verwendet der Arbeitskreis ein EDV – Programm. Es ist inzwischen internetbasiert und als solches erarbeitet mit der Hilfe von VB-Consult, Aalen. Die meisten Einrichtungen pflegen ihre Daten inzwischen selbst anonym in das Internet ein. Die Ergebnisse können am Ende eines jeden Projektes quasi auf Knopfdruck erstellt, ausgewertet und veröffentlicht werden. Die wissenschaftliche Projektbegleitung führt das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart durch.
Projektbeteiligte Am Projekt beteiligt sind die Pflegekassen und der Medizinische Dienst der Krankenkassen ( MDK ), der Landeswohlfahrtsverband ( LWV ), die Kreisärzteschaft, die Krankenhäuser des Kreises, die ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen, der Kreisseniorenrat des Ostalbkreises, das Gesundheitsamt und die Heimaufsichtsbehörde. Als Anwender sind beteiligt 69% der Pflegeeinrichtungen des Ostalbkreises waren 2001 beteiligt, 2002 waren dies schon 80% und 2003 89% der Pflegeeinrichtungen, was für die einfache Handhabung der Interneterfassung und die gute Zusammenarbeit im Arbeitskreis spricht. 2. Zwischenerfolg Das vernetzte Modellprojekt zur Qualitätssicherung arbeitet mit nachweislich großem Erfolg: Im Dezember 2002 wurde das Projekt mit dem Qualitätsförderpreis Gesundheit 2002 des Landes Baden-Württemberg aus 65 Einsendern ausgezeichnet. Eine Dekubitusprävalenzrate von "nur" rund 2% krönte 2002 die schon seit 1998 anhaltende großartige Anstrengung aller Beteiligten.
3. Ergebnisse des Projektes 2001 bis 2003 Es hat sich herausgestellt, dass das Projekt dazu geeignet ist, die Pflegequalität im Ostalbkreis fortlaufend zu optimieren. Es ist darüber hinaus ein geeignetes Mittel, den Nationalen Expertenstandard Dekubitusprophylaxe zu implementieren. Ergebnisse des dritten Dekubitusprojektes 2003 Die Gesamt-Prävalenzrate über alle Einrichtungen lag schon zu Beginn des Projektes 2003 um 18 % tiefer als 2001 und im Schnitt bei 1,6% (Prävalenz-Rate = Dekubitustage pro Pflegetage mal 100). Nach teilnehmenden Einrichtungen aufgeschlüsselt lag die entsprechende Rate in Pflegeheimen bei 1,4% - ein Rekordergebnis, in der ambulante Pflege bei 1,76% und in den Krankenhäusern bei 1,86%. Wenn ein Liegegeschwür vorkommt, so wird es in der ambulanten Pflege und in den Pflegeheimen immer noch am häufigsten erworben, in den Krankenhäusern in 25% der Fälle. Der Rest besteht schon bei der Krankenhausaufnahme, d. h. es handelt sich um andernorts erworbene Druckgeschwüre. So wird gleichzeitig deutlich, dass viele alte Menschen zur Behandlung von Druckgeschwüren ins Krankenhaus aufgenommen werden. Ergebnisse über die bisherige Projektdauer 2001 – 2003 Die in der Pflege erworbenen Druckgeschwüre bilden am deutlichsten die Pflegequalität der Einrichtungen ab. In den Pflegeheimen In den Pflegeheimen des Ostalbkreises wurden im Schnitt ca. 50% der Druckgeschwüre erworben bei insgesamt von Jahr zu Jahr rückläufiger Anzahl von Tagen, die in den Heimen mit Druckgeschwüren erlitten werden mussten. Gegenüber dem Jahr 2002 wurden zwar im Jahr 2003 wieder mehr Druckgeschwüre erworben. Es liegt aber immer noch ein Verbesserung gegenüber dem Jahr 2001 vor (um ca. 11%). In der ambulanten Pflege Die meisten Tage mit erworbenen Liegegeschwüren wurden im Jahr 2003 in der ambulanten Pflege erlebt: Nachdem sie im Jahr 2002 zunächst um erfreuliche 15 % abgenommen hatten, stiegen sie 2003 wieder an und hatten gegenüber dem Beginn des Projekts 2001 sogar um ca. 4 % zugenommen. Teilweise ist der Effekt erklärbar dadurch, dass mehr Projektteilnehmer beteiligt waren ( + 32 %), aber auch darin, dass die Pflegetage in der ambulanten Pflege sehr deutlich angestiegen sind ( + 87 % gegenüber dem Projektbeginn). Möglicherweise ist der Anstieg aber auch Ausdruck der heißen Witterung im Erhebungszeitraum mit möglichem Flüssigkeitsmangel. Auch eine Auswirkung der Gesundheitsreform muss diskutiert werden. In den Krankenhäusern Sehr erfreulich war der Rückgang der erworbenen Druckgeschwür in den Krankenhäusern des Landkreises: seit 2001 sind sie erstmals um 3,4 % zurückgegangen. 4. Befragung der Teilnehmer 2003 Insgesamt wurden 11 Einrichtungen befragt: Etwas mehr als 60 % nahmen am Projekt teil, weil angegeben wurde, dass Qualitätsverbesserung, eine größere Sensibilisierung der Mitarbeiter, größere Dekubitusprophylaxe und mehr Offenlegung und Transparenz in der Pflege in den Einrichtungen des Ostalbkreises erreicht werden konnten. Vom Werbeeffekt des Smilie K erwarten sich manche Einrichtungen erst einen größeren Erfolg, wenn mehr Internetnutzer vorhanden sind (www.ostalbkreis.de/pflege). Den Smile führen im Pflegeführer alle Einrichtungen in ihrer Seite im Internet-Pflegeführer, wenn sie sich am Projekt des Ostalbkreises beteiligen. Auch die gute Zusammenarbeit wurde als Vorteil gesehen. Nur 2 Teilnehmer sahen den Nutzen des Projekts nicht so günstig. Die Handhabung der Meldung per Internet wurde fast durchweg als einfach empfunden. 5. Fazit Das Projekt hat einen deutlich optimierenden Erfolg auf die Pflegequalität im Landkreis. Es schweißt die Teilnehmer im Sinne einer gemeinsamen Verantwortung zusammen, ein partnerschaftliches Miteinander im Landkreis im Sinne des Ziels einer Optimierung der Pflegequalität entsteht. Das Projekt hat gezeigt, dass die Bedeutung der ambulanten Pflege augenscheinlich zunimmt. Gleichzeitig werden dort seit 2003 prozentual am häufigsten Druckgeschwüre erworben. Dies ist aber nicht so sehr der mangelnden Qualität der professionellen ambulanten Pflege zuzuschreiben, sondern der fehlenden Kenntnis der pflegenden Angehörigen um die Problematik: Bei fehlendem Problembewusstsein ist die Bereitschaft, mehr Mittel zur Verhütung von Druckgeschwüren einzusetzen, auch geringer. 6. Info-Reihe Pflege Vor allem die zuletzt genannte Entwicklung in der häuslichen Pflege hat den Anstoß zu einem neuen Projekt des Arbeitskreises gegeben: die Info-Reihe Pflege. Pflegende Angehörige benötigen, um diese vermeiden zu können, eine stärkere fachliche Unterstützung in der Erkennung von Pflegeproblemen. Diese fachliche Unterstützung soll während fünf Wochen vom 27.09. –29.10. 2004 in fünf zentralen Sozialstationen des Kreises täglich wechselnd und umfassend angeboten werden. Herr Landrat Pavel wird als Promotor des Standortfaktors Lebensqualität im Alter die Schirmherrschaft übernehmen. Die Eröffnungs- und Abschlussveranstaltung am 15.09.04 und im Januar 2005 wird von einer Ausstellung begleitet. Angestrebt ist die Kooperation mit der Aktion Wohnen im Alter des Landkreises. 7. Finanzierung und Folgekosten: Im Jahr 2004 ist die Finanzierung aus dem Preisgeld des Qualitätsförderpreises Gesundheit 2002 des Landes Baden-Württemberg gesichert. Für 2005 wird eine technische Komplettierung des internetbasierten EDV-Programms aus dem Preisgeld vorgesehen. Eine automatische Erinnerungsfunktion und Plausibilitätsprüfung wird eingefügt. Für das Jahr 2005 ist eine fakultative Teilumlage angedacht, aber nur für Teilnehmer, die die beschriebene Erinnerungsfunktion nicht beachten. Ein möglicher Vergleich der Daten innerhalb von landkreisübergreifenden Trägerorganisationen kann die Erfassung auf der Ebene des Ostalbkreises aber nicht ersetzen. Nur letztere spiegelt die Pflegequalität wider, die für Pflegebedürftige des Ostalbkreises von Relevanz ist. Die Erfassung der Druckgeschwüre auf Landkreisebene ist daher auch weiterhin unverzichtbar. Auch ist nur sie in der Lage, mögliche Auswirkungen der Gesundheitsreform auf die Pflege im Landkreis frühzeitig aufzuzeigen.
Anlagen: 1 Satz Folien zu den Ergebnissen des dritten Dekubitusprojektes Ausdruck 2 Folien pro Seite, farbig
Sichtvermerke: Fachamt __________________________________________________ Dr. med. Steingaß Fachdezernent __________________________________________________ Dr. med. Walter Hauptamt __________________________________________________ Wolf Kämmerei __________________________________________________ Hubel Landrat __________________________________________________ Pavel |
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