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Vorlage - 181/2022  

 
 
Betreff: Bericht über die Verwertung und Verwendung der im Ostalbkreis
anfallenden Abfälle
Status:öffentlich  
Federführend:Geschäftsbereich Kämmerei   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Umweltschutz und Kreisentwicklung Kenntnisnahme
11.10.2022 
Sitzung des Ausschusses für Umweltschutz und Kreisentwicklung ungeändert beschlossen   

Antrag der Verwaltung

 

Der Ausschuss für Umweltschutz und Kreisentwicklung nimmt vom Bericht über die Verwertung und Verwendung der im Ostalbkreis anfallenden Abfälle Kenntnis.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Sachverhalt/Begründung

 

Im Sommer 2022 hat die CDU-Kreistagsfraktion Ostalb einen Prüfauftrag / Potentialanalyse zum Betrieb einer Biogasanlage zur nachhaltigen Erzeugung von Biomethan im Ostalbkreis übersendet.

 

Nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz ist die Förderung des Recyclings und der sonstigen stofflichen Verwertung eines der wichtigsten Ziele für alle Beteiligten in der Kreislaufwirtschaft. Der Ostalbkreis leistet gemeinsam mit der Gesellschaft im Ostalbkreis für Abfallbewirtschaftung mbH (GOA) einen großen Beitrag für eine effizient gestaltete Kreislaufwirtschaft.

 

Im Detail hat die GOA Wege der Verwertung und Verwendung der im Ostalbkreis anfallenden Abfälle zusammengestellt. Diese stellten sich wie folgt dar:

 

Hausmüll

Der eingesammelte Hausmüll wird bei der GOA umgeschlagen und geht in die Müllverbrennungsanlagen nach Würzburg oder Ulm zur Beseitigung.

 

Gelbe Säcke

Die eingesammelten gelben Säcke werden bei der GOA umgeschlagen und gehen in eine Leichtverpackungssortieranlage nach Waiblingen, die von der Alba betrieben wird.

 

Altglas

Das eingesammelte Altglas wird bei der GOA umgeschlagen und wird von einem Systembetreiber abgeholt. Danach geht es in die Glaswannen, die vertraglich gebunden sind.

 

Altholz

Die eingesammelten als auch angelieferten Althölzer werden nach Qualitäten von der GOA geschreddert, gesiebt und gehen dann, je nach Qualität (Vollholz und unbehandelt, A I Altholz) in die Spanplattenindustrie zur Verarbeitung. Die anderen Altholz- Sorten gehen in Biomasseheizkraftwerke.

 

Sperrmüll

Der eingesammelte oder angelieferte Sperrmüll geht je nach Inhaltsstoff in die Verbrennung oder durch die Behandlung bei der GOA in die Verwertung, durch Aufbereitung in der Gewerbeabfallsortieranlage.

 

Dosen

Die eingesammelten Dosen aus der Rücknahme nach dem Verpackungsgesetz werden bei der GOA umgeschlagen, behandelt durch Verdichtung und dann durch die Systembetreiber der dualen Systeme abgeholt.

 

Sonderabfälle

Die eingesammelten oder angelieferten Sonderabfälle werden durch das Fachpersonal der GOA klassifiziert, sortiert und verpackt und gehen dann in der Regel in die Sonderabfallbehandlungsanlagen.

 

Elektronikschrott

Der eingesammelte oder angelieferte Elektronikschrott wird nach den im Gesetz vorgegebenen Sammelgruppen sortiert. Durch die neue Zertifizierung als Erstbehandlungsanlage bei der GOA, hat die GOA jetzt auch die Möglichkeit eine Vorbehandlung der Abfälle durchzuführen. Diese Vorbehandlung beinhaltet neben der leichten Entnahme von Batterien und Akkus, auch das Entfernen von Kabeln sowie die Zusammenführung zu logistischen Einheiten. Die vorsortierten Sammelgruppen gehen ausschließlich in zertifizierte Erstbehandlungsanlagen.

 

Papier, Pappe, Kartonagen

Die eingesammelten oder angelieferten Papiersorten werden in der Altpapierbehandlungsanlage sortiert und zum Teil zu Ballen gepresst und gehen zu ca. 90 % zur Firma Palm.

 

Altfette

Derzeit wird das Altfett gesammelt und geht zur Firma Remondis und Firma Lesch. Dieses Material wird in Fässern als lose Schüttung abgeholt.

Zukünftig will sich die GOA an der Initiative „jeder Tropfen zählt“ beteiligen.

Dazu will die GOA die Haushalte mit einem Sammelgefäß (siehe Muster) ausrüsten. Dieses Mehrwegsystem, welches auch ergonomisch ausgestaltet ist, absolut dicht und sicher, mit einer großen Einzelöffnung und einer Kapazität von 1,2 l, verteilen. Das Gefäß verfügt über eine Füllstandsanzeige, ist leicht, bruchfest und hitzebeständig bis 70 °C und damit ideal in den Küchen aufzustellen. Fette, egal ob zum Braten oder Öle aus eingelegten Lebensmitteln, Reste, Friteusenreste oder sonstige Fette und Öle sollen hier eingefüllt werden. Somit erhofft sich die GOA, dass pro Haushalt im Jahr ca. 0,7-1 l Altfett eingesammelt werden können.

Ein Bild, das Text, drinnen enthält.Automatisch generierte Beschreibung                                                                                                  Ein Bild, das Person, Kind, stehend, jung enthält.Automatisch generierte Beschreibung

 

Die Abgabe der Sammelbehälter soll auf allen Wertstoffhöfen erfolgen, des weiteren gibt es für die Rücknahme auch Rücknahmeautomaten. Diese haben eine einfache Nutzung und Bedienung, da das gefüllte Behältnis in den Automaten eingestellt, angenommen und ein leeres Sammelbehältnis ausgegeben wird. Diese Automaten haben eine Kapazität von ca. 200 Behältern, senden online die Daten, sind 1,2 × 1,7 × 2,1 m (Breite x Tiefe x Höhe) groß und autark über Akku oder Solar, stehen 24/7 zur Verfügung und könnte auch bei Supermärkten aufgestellt werden. Mit dieser Maßnahme sollen weitere für die Bürgerinnen und Bürger anfallende Kosten im Bereich der Reinigung und Sanierung von Abwasserkanälen reduziert werden. Dieses gilt zum einen innerhalb des Hauses oder Wohnung, weil das über den Ausguss in der Küche weggeschüttete Altfett, beim Erkalten zu Verstopfungen führen kann.

 

Das so eingesammelte Altfett wird in einer Behandlungsanlage, die die befüllten Gebinde entleert, wäscht und desinfiziert und das Altfett von Störstoffen befreit, aufbereitet. Dieses Altfett wird dann in einer chemischen Behandlungsanlage zu einem sogenannten HVO Kraftstoff (CO2 neutraler Kraftstoff) umgewandelt.

HVO: Als hydrierte Pflanzenöle (HVO, englisch Hydrogenated oder Hydrotreated Vegetable Oils) werden Pflanzenöle bezeichnet, die durch eine katalytische Reaktion mit Wasserstoff (Hydrierung) in Kohlenwasserstoffe umgewandelt werden. Durch diesen Prozess werden die Pflanzenöle in ihren Eigenschaften an fossile Kraftstoffe (insbesondere Dieselkraftstoff) angepasst, damit sie diese als Beimischung ergänzen oder auch vollständig ersetzen können.

 

Die Lkw´s der GOA werden mit diesem HVO Kraftstoff betankt, welcher aus den im Ostalbkreis eingesammelten Altfetten erzeugt wurde. Derzeit testet die GOA bei 6 Lkw die Nutzung. Dieser CO2 neutrale Kraftstoff hat den Vorteil, dass die Fahrzeuge nicht umgerüstet werden müssen. Es könnte sogar normaler Diesel getankt werden ohne dass es zu Problemen bei den Fahrzeugen führt. Ein weiterer positiver Effekt ist, dass die Fahrzeuge weniger „ausbrennen“ müssen, d. h. der Dieselrußpartikelfilter und die Messsendern haben eine längere Lebensdauer. Auch verursacht dieser Kraftstoff weniger Feinstaub. Der Nachteil bei diesem Kraftstoff ist die Tatsache, dass er um ca. 25 % teurer ist und derzeit in nur ganz wenigen Raffinerien hergestellt wird.

Daher sieht das weiterführende Konzept den Zusammenschluss mehrerer Landkreise und Gemeinden vor, um in einem Verbundsystem eine Menge von mindestens 5000 t Altfett einzusammeln und diesen über, zum Beispiel der nexxoil Anlage, zu einem vollwertigen Kraftstoff zu Hydrierung.

 


 

Ziel der GOA ist es, die derzeitig benötigte Menge von 1,2 Millionen l Diesel pro Jahr selbst herzustellen oder den Rohstoff zur Verfügung zu stellen. Insbesondere vor dem Hintergrund der derzeitigen Lieferschwierigkeiten von Fahrzeugen und anderen Antriebstechniken.

 

Biogene Abfälle

Die GOA verfügt über zwei voneinander getrennte Erfassungssysteme für biogene Abfälle. Hier ist glücklicherweise die GOA der Zeit voraus. Die GOA erfasst die Biobeutel aus der Küche und die Gartenabfälle (Laub, Gras, Sträucher und Pflanzen/Blumen) in der Grünguttonne. Derzeit hat die GOA über 11.000 dieser Sammelgefäße im Einsatz.

 

Die Abfälle aus der Grünguttonne lassen sich hervorragend behandeln, d. h. die Abfälle werden geschreddert, gesiebt und das holzige Material geht in die Biomasseheizkraftwerke und die Siebüberläufe werden auf dem Ellert kompostiert. Damit kann die GOA Frischkompost als auch Pflanzkomposte und diese güteüberwacht herstellen.

Die eingesammelten Biobeutel sind besonders gut geeignet für eine Biogasanlage, da die Ausbeute an Gas (Methangas) besonders groß ist. Daher ist der nächste Ausbauschritt bei der GOA die Planung einer Biogasanlage. In dieser sollen nicht nur die Biobeutel, sondern auch die Küchen- und Kantinenabfälle (Speiserestetonne) verarbeitet werden. Damit könnte die GOA auch die derzeit an Subunternehmer vergebenen Aufträge im eigenen Haus wieder als Dienstleistung durchführen.

 

Das in der Biogasanlage erzeugte Biogas (Methangas) kann auf folgende Weise verwendet werden:

 

Derzeit nutzt die GOA das Deponiegas auf dem Ellert und der Reutehau für die Verwendung in einem Blockheizkraftwerk zur Strom- und Wärmeerzeugung. Dieses aber nur aufgrund der schadlosen Beseitigung des sogenannten Deponiegases.

Für das sogenannte Biogas gibt es derzeit vier Varianten, die Herstellung eines Flüssiggases als LNG, welches derzeit aus bestehendem Erdgas hergestellt wird oder CNG, welches auch aus dem Biogas hergestellt werden kann.

Abreinigung des Gases und Verdichtung, um ein Flüssiggas zu erzeugen (LNG/ CNG) CNG = Compressed Natural Gas (CNG) bezeichnet das komprimierte Erdgas Methan, LNG = Liquefied Natural Gas (LNG) ist ebenfalls Methan, das jedoch mittels Abkühlung auf Temperaturen zwischen –161 und –164 Grad Celsius verflüssigt wird.

Eine weitere Variante ist die Verwendung des Methangases als Synthesegas zur Herstellung von Methanol, als sogenanntes Biomethanol, welches durch eine chemische Reaktion (Oxidation) gewonnen wird. Dieses Biomethanol kann als Kraftstoff verwendet werden und wird auch sehr gerne in der chemischen Industrie, für zum Beispiel sogenannte weiße Ware (Kosmetik) verwendet. Der hierbei erzielte Erlös ist derzeit sehr gut, da die Ware weltweit nachgefragt wird.

Des Weiteren kann nach der Abreinigung des Biogases dieses ins Erdgasnetz eingespeist werden, dazu sind aber folgende Komponenten notwendig:

-          Entschwefelungsanlage, zum Schutz vor Korrosion, dieses kann durch eine chemische oder biologische Abtrennung erfolgen.

-          Gastrocknung, durch Absorption an Kieselgur (Trocknungsmittel) oder durch Kondensation durch herabkühlen des Gases erfolgen

-          CO2 Abtrennung, dieses kann durch eine drucklose Aminwäsche oder eine Druckwasserwäsche, einer Druckwechselabsorption oder Membranfiltertechnik erfolgen.

-          Konditionierung, damit ist gemeint die Anpassung des Brennwertes über die Gaszusammensetzung, d. h. zum Teil Beimischungen.

-          Odorierung, d. h. dem Gas wird der typische Gasgeruch durch Zusätze beigefügt, sodass man bei Gasaustritt dieses auch nicht.

-          Auf den Leistungsdruck und damit die Möglichkeit der Einspeisung.

Dieses sind alles erprobte Technologien.

 

Klärschlammaufbereitung

Der von der GOA abgeholte oder angelieferte Klärschlamm aus dem Ostalbkreis wird über den Ellert und die Reutehau umgeschlagen, d. h. kleinere Mengen werden zu größeren Mengen zusammengefügt und dann durch weitere Subunternehmer den verschiedenen Verbrennungsanlagen zugeführt. Die derzeitige Menge von ca. 28.000 t, die die GOA handelt, ist eine Menge, die eine eigene Anlagentechnik verträgt. Neben der Abfallbehandlung steht natürlich das umweltpolitische Ziel der Rückgewinnung des Phosphors aus der Behandlung im Vordergrund, neben der Wirtschaftlichkeit und den damit einhergehenden Mehrwert bei der GOA.

 

Kunststoffe

Die von der GOA eingesammelten oder angelieferten Kunststoffe werden derzeit auf dem Ellert angeliefert, sortiert und gegebenenfalls gepresst. Die so hergestellten Kunststoffsorten werden an die kunststoffverarbeitende Recyclingwirtschaft abgegeben. Die Folienabfälle werden gewaschen, zerkleinert und in der Regel wieder zu Folien verarbeitet.

 

Die von der GOA zurückgenommenen alten und defekten Mülltonnen, werden durch die GOA von der Metallachse befreit, nach Farben sortiert und gehen dann an Granulierbetriebe, die das Granulat waschen und wieder dem Hersteller für Mülltonnen zur Verfügung stellen. Für diesen Stoffstrom erhält die GOA auch jedes Jahr die entsprechenden CO2 Einsparungszertifikate, weil der Mülltonnenkreislauf dadurch jetzt geschlossen ist. Die Kunststoffe aus der Sammlung bei den Wertstoffhöfen werden derzeit lose abgeholt und auch hier verschiedenen Kunststoffaufbereitungsfirmen zur Verfügung gestellt.

 

Ab Anfang nächsten Jahres werden die Kunststoffe zu der neuen Kanalballenpresse auf der Reutehau geliefert. Hierdurch hat die GOA eine größere Wertschöpfung in der Vermarktung und gleichzeitig eine redundante Kanalballenpresse zum Ellert.

 

Fazit der GOA

 

Wir werden die im eigenen Bereich vorliegenden Abfälle in eigenen Anlagen aufbereiten. Die GOA verfügt über eine Abfallmenge, die in den jeweiligen Bereichen ausreicht, um eine Aufbereitungsanlage wirtschaftlich zu betrieben.

 

Das Ganze natürlich unter den wirtschaftlichen Gesichtspunkten und im Sinne des Klima- und Umweltschutzes. Ressourcen einsparen, CO2 vermeiden, CO2 neutraler werden und die GOA in eine Funktion als Lieferant für Rohstoffe, Energie und Sekundärrohstoffe umwandeln, aus der Ecke der Müllabfuhr herausbringen und als Partner / Lieferant für die Region anbieten.

 

 


Finanzierung und Folgekosten

 

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Anlagen

 

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Sichtvermerke

 

gez. Grewe, Geschäftsführer GOA mbH

gez. Kurz, Dezernat II

gez. Dr. Bläse, Landrat