Sachverhalt/Begründung
Im Rahmen der Haushaltsplanberatungen des Kreistags beantragte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ein Pflegekonzept für das Straßenbegleitgrün und kreiseigene Brachflächen. Auf Pflanzenschutzmittel wie Neonikotinoide und Glyphosat soll verzichtet werden. Mit dem Pflegekonzept sollen als Beitrag des Landkreises gegen das Insekten- und Blumensterben geeignete kreiseigene Flächen ermittelt und aufgewertet werden. Der LEV Ostalbkreis wurde federführend mit dieser Aufgabe betraut.
In einem ersten Projektschritt wurden hierzu Gespräche mit den Geschäftsbereichen Hochbau und Gebäudewirtschaft, Straßenbau sowie mit der technischen Leitung der Kliniken Ostalb geführt.
Im Rahmen der Abstimmung wurden an den kreiseigenen Gebäuden ca. acht Hektar an potentiell aufwertungsgeeigneten Flächen ermittelt, auf denen dann als Initialmaßnahme überwiegend die Streifeneinsaat von Wiesenblumen erfolgen soll. Die praktische Eignung der Flächen und insbesondere die Möglichkeiten zur dauerhaften zielgerichteten Pflege müssen allerdings noch in Einzelbegängen und Gesprächen vor Ort geklärt werden, so dass die letztendlich umsetzbare Fläche geringer sein wird und noch nicht angegeben werden kann. Dies ist im Laufe des Jahres 2018 vorgesehen.
Auf einer Fläche von 0,15 ha am Ostalb-Klinikum in Aalen wurde als Pilotprojekt bereits eine Bodenbearbeitung durchgeführt und die Einsaat kann evtl. noch vor der Sommerpause erfolgen.
Bei den Straßenbegleitflächen wurden in einer ersten Tranche seitens der Straßenmeister insgesamt acht größere Flächen vorgeschlagen und im Rahmen des Sonderprogramms des Landes für die biologische Vielfalt angemeldet. Die Genehmigung durch das Land wird erwartet. Diese beinhaltet dann eine Finanzierung von jährlich zweimaliger Mahd mit Abräumen des Mähguts, zunächst für den Zeitraum von zwei Jahren. Inwieweit eine zusätzliche Einbringung von Saatgut geeignet ist, die Flächen weiter und vor allem dauerhaft aufzuwerten, wird der LEV bis einschließlich Juni 2018 prüfen. Bisher bietet das Land leider keine Möglichkeit zur Finanzierung von Saatgut, so dass ggf. alternative Finanzierungswege geprüft werden müssen.
Die Einsaat der bisher ermittelten kreiseigenen Aufwertungsflächen ist, dort wo es möglich ist, überwiegend für Herbst 2018 vorgesehen. Für die Finanzierung von Erstprojekten kann auf einen Grundstock aus dem Haushalt des LEV Ostalbkreis zugegriffen werden. Die Finanzierung des Projekts wird die genannten Mittel überschreiten, die weiteren erforderlichen Mittel werden aus den allgemeinen Bewirtschaftungskosten der beteiligten Geschäftsbereiche bestritten. Pro Hektar flächiger Einsaat ist für Grünlandsaatgut und Maschinenarbeit ein Betrag in der Größenordnung von ca. 4.000 € anzusetzen, bei Streifeneinsaat entsprechend weniger. Es handelt sich hierbei um einmalige Ausgaben.
Die Erhaltung der Flächen muss im Rahmen der ohnehin erforderlichen Pflege erfolgen. Hierfür muss in der Regel von einem mehrmaligen Mulchen pro Jahr ohne Materialabfuhr auf ein zweimaliges Mähen (an Straßenrändern auch Mulchen) mit Mähgutabfuhr umgestellt werden. Aufwand und Kosten hierfür sollten sich an den Gebäudeflächen in etwa die Waage halten. Allerdings ist hierfür ein geeigneter Maschinenpark die Voraussetzung. Zum Beispiel sind Gartenrasenmäher nicht geeignet. Im Einzelfall muss auch geprüft werden, ob eine landwirtschaftliche Verwertung des Mähguts möglich ist. Dies wird aber keineswegs bei allen Flächen der Fall sein.
Die Umsetzung der Einsaat auf den genannten kreiseigenen oder in Kreiszuständigkeit befindlichen Flächen soll überwiegend noch im Jahr 2018 erfolgen, voraussichtlich wird sich die Gesamtabarbeitung der ersten Tranche aber auch noch bis einschließlich 2019 erstrecken.
Mit der ersten Maßnahmentranche sollen auch Erfahrungen gesammelt werden, um insbesondere bei den Straßenbegleitflächen in den Folgejahren noch weitere Flächen aufzuwerten.
Die Aufwertung von kreiseigenen Flächen allein wird nicht genügen, dem Insektensterben kreisweit mit ausreichender Wirkung zu begegnen. Bereits jetzt gibt es daher weitere Ansätze:
- Der Kreisbauernverband Ostalb e.V. wird im Rahmen der bundesweiten Aktion „Deutschland blüht auf“ seine Mitglieder dazu aufrufen, verstärkt Blühflächen anzusäen. Damit wollen die Landwirte ein sichtbares Zeichen setzen, dass ihnen der Schutz der Natur besonders am Herzen liegt. Die Landwirte werden ermuntert, auf den sogenannten Greening-Flächen, die sie als ökologische Vorrangflächen bewirtschaften müssen, Blühpflanzen einzusäen. Zur Finanzierung des Saatgutes konnte die Sparkassenstiftung gewonnen werden.
- Von den Kommunen im Ostalbkreis, die an der Remstalgartenschau 2019 teilnehmen, werden Blühflächen angelegt. Im Rahmen des Projekts „Blühflächenpuzzle“ werden möglichst entlang des Radweges und an besucherstarken Plätzen Blühpflanzen eingesät. Jede an der Remstalgartenschau teilnehmende Kommune im Ostalbkreis hat fünf bis zehn Flächen gemeldet und ergänzend wird durch den Geschäftsbereich Landwirtschaft bei Landwirten entlang des Radweges die Bereitschaft für Blühstreifen abgefragt.
- Die Stadt Aalen arbeitet für ihre Eigentumsflächen ebenfalls an Möglichkeiten für ökologische Aufwertungen. Abtsgmünd hat mit dem Wildblumensommer 75 Wildblumenwiesen auf 55.000 m² angelegt. Auch in weiteren Kommunen des Ostalbkreises gibt es ähnliche Überlegungen für Anreize an Eigentumsflächen bzw. für Pachtflächen der Kommune. So erlässt beispielsweise die Stadt Heubach bei Verzicht auf Glyphosat die Pacht auf gemeindeeigenen Grundstücken.
Da der Rückgang der Insekten, welcher bereits seit Jahrzehnten kontinuierlich fortschreitet, im letzten Jahrzehnt erheblich an Fahrt aufgenommen hat, ist davon auszugehen, dass nur durch eine Vielzahl von langfristig wirksamen und damit nachhaltigen Maßnahmen eine Trendwende erreicht werden kann. Der Landkreis hat bereits seit Jahren darauf reagiert und verzichtet seit über 20 Jahren im Wege einer Selbstverpflichtung bei der Pflege der kreiseigenen Flächen und des Straßenbegleitgrüns auf chemische Pflanzenschutzmaßnahmen.