Sachverhalt/Begründung
I. Ausgangssituation und Allgemeines
Im Kreishaushalt 2017 sind zur Förderung von Hilfsprojekten in der Dritten Welt und Osteuropa wiederum 50.000 € eingestellt. Unter Berücksichtigung von Restmitteln aus dem Vorjahr in Höhe von 150 €, stehen aktuell 50.150 € an Fördermitteln zur Verfügung.
II. Neue Förderanträge
Derzeit liegen der Verwaltung folgende neue und entscheidungsreife Zuwendungsanträge vor:
- Antrag der Förderorganisation „Villa Social e. V.“ auf Unterstützung eines Schulprojektes in Brasilien
- Antrag der Stiftung „Home for Hope - Eine Zukunft für Waisenkinder“ auf Förderung eines Waisenhauses in Ghana
- Antrag des Lions-Hilfswerks e. V. Aalen auf Förderung eines Schulprojektes in Togo
- Antrag des Vereins zur Förderung des Schulprojektes Cartagena e. V., Mutlangen
- Antrag von Frau Christel Trach-Riedesser, Hüttlingen, auf Förderung eines Hilfsprojektes in Burkina Faso
- Antrag des Vereins „Freundeskreis Novinki“ auf Förderung eines Behindertenprojektes in Minsk/Weißrussland
- Antrag der Peru-Gruppe Heubach e. V. auf Unterstützung eines Jugendprojektes in Lima/Peru
- Antrag des Vereins Govinda Aalen auf Förderung eines Geburtshauses in Nepal
III. Stellungnahme der Verwaltung zu den vorliegenden Anträgen und Förderempfehlung
- Antrag des Vereins „Villa Social e. V.“
15 Freunde rund um die 3 gebürtigen Ellwanger Hans-Jörg und Christoph Ulmer, sowie Sylvia Konle finanzieren seit Jahren mit eigenen Spenden und mit Unterstützung zahlreicher Freunde, Verwandter und engagierter Unternehmen eine private Schule für Kinder eines Armenviertels in Lauro de Freitas in Brasilien. Die Initiative „Villa Social e. V.“ zeichnet sich dadurch aus, dass durch eine kleine, aber sehr schlagkräftige Organisation in Deutschland garantiert werden kann, dass 100% der eingeworbenen Spenden in Brasilien ankommen. Möglich wird dies dadurch, dass die Vereinsmitglieder die wenigen Verwaltungskosten über einen Mitgliedsbeitrag komplett selbst finanzieren, zusätzlich zu eigenen Spenden.
Was das Entwicklungshilfeprojekt außerdem einzigartig macht: Die korrekte Verwendung der Mittel ist durch einen Ellwanger garantiert, der vor Ort wohnt. Seine brasilianische Ehefrau hat die ehrenamtliche Präsidentschaft über die unterstützte Schule übernommen.
Der heutige Fernsehjournalist Christoph Ulmer, der 1998 im brasilianischen Nordosten für ein Jahr studierte und sein Bruder Hans-Jörg, der 1999 nach Brasilien auswanderte, sind nach wie vor die entscheidenden „Aktivposten“ der Initiative.
Die Schule wird mittlerweile von mehr als 100 Kindern besucht. Sie bekommen neben den Unterrichtseinheiten täglich eine warme Mahlzeit, was längst keine Normalität in diesem Armenviertel ist. Außerdem gibt es Theater- und Chorangebote, Musikunterricht, Anleitung zur Hygiene, Umweltschutzerziehung und vieles mehr.
Das Schulprojekt benötigt pro Monat rund 7.000 €. In den vergangenen 10 Jahren wurden rund 350.000 € an Spendengeldern gesammelt.
Die Verwaltung schlägt vor, den Verein „Villa Social e. V.“ mit 4.000 € zu unterstützen.
- Förderantrag der Stiftung „Home for Hope - Eine Zukunft für Waisenkinder“
Carolin Hoffmann aus Westhausen und Larissa Zwingel aus Nürnberg haben im Februar 2014 nach einem 6 monatigen Freiwilligendienst in Ghana die Stiftung „Home for Hope“ gegründet, um geplante Hilfsprojekte in einem verlässlichen Rahmen planen und umsetzen zu können.
Im Mittelpunkt aller Aktivitäten steht das Waisenhaus „Home for Hope“, das sich in einem kleinen Dorf im Süden Ghanas befindet. Derzeit sind dort rund 40 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 3 und 18 Jahren untergebracht. Baubeginn für das Gebäude war im September 2012. Im Frühjahr 2014 wurde es fertig gestellt. Das Haus bietet Schlafräume für alle Kinder und Jugendlichen, eine große Küche und einen Aufenthaltsraum. Auf dem dazugehörigen Grundstück befindet sich eine Wasseraufbereitungsanlage. Es werden zudem Nutzpflanzen angebaut und Tiere zur Selbstversorgung gehalten.
In den ersten Jahren lag der Schwerpunkt der Projektarbeit auf der Deckung der grundlegenden Bedürfnisse der Kinder. Aktuell wird intensiv an der Bildung der Kinder und Jugendlichen und damit ihrer Zukunftssicherung gearbeitet. Das Waisenhaus wird derzeit um eine Schule erweitert. Der Bau von 4 Klassenzimmern und einem kleinen Verwaltungsbüro ist bereits vollendet. Weitere 4 Klassenzimmer sind geplant.
Um dieses Vorhaben umsetzen zu können, ist die Stiftung auf Spendengeldern und Förderzuschüsse angewiesen. Neben den laufenden Kosten für Nahrung, Medizin, Bildung und Gehälter, stellen die Baukosten der Schule eine große Herausfor- derung für die Stiftung dar. Die anstehenden Kosten werden ca. 20.000 € ausma- chen. Der laufende Betrieb von Waisenhaus und Schule erfordert einen
Aufwand von ca. 3.000 € pro Monat.
Die Verwaltung schlägt vor, das Schulprojekt mit 4.000 € zu fördern.
3. Förderantrag des Lions-Hilfswerks e. V. Aalen
Der Lions Club Aalen hat im Jahr 2008 in Abstimmung mit dem Verein „Hilfe für Togo e. V.“ Waldstetten, eine Grund- und Hauptschule in Togo/Afrika gebaut. Vor Ort wurden die Maßnahmen von einem ehemaligen Mitarbeiter des Deutschen Entwicklungsdienstes betreut und koordiniert. Die Entwicklung der schulischen und beruflichen Ausbildung ist eine der größten Herausforderungen in Togo. Ohne diese Grundlagen haben junge Menschen keine Chancen ihr Leben selbstständig gestalten zu können.
Aktuell plant das Lions-Hilfswerk Aalen e. V. in Atigba/Togo eine weitere Elementarschule zu bauen. Größe und Struktur der Schule orientieren sich an dem Bauprojekt im Jahr 2008. Das Schulgebäude soll wiederum durch eine Krankentagesstation, WC´s und einen Brunnen ergänzt werden. Die Räumlichkeiten sollen so angelegt werden, dass rund 200 Kinder unterrichtet werden können.
Der Kostenvoranschlag für das Schulgebäude, einschließlich WC-Anlage, Krankentagesstation und Brunnen liegt bei rund 60.000 €. Ca. 45.000 € will das Lions-Hilfswerk selbst aufbringen. Die restlichen 15.000 € sollen über Spenden Dritter akquiriert werden.
Die Verwaltung schlägt vor, das Schulprojekt des Lions-Hilfswerks Aalen e. V. in Togo mit 4.000 € zu fördern.
4. Antrag des Vereins zur Förderung des Schulprojektes „Cartagena e. V.“
Im April 2017 wurde der Verein zur Förderung des Schulprojektes Cartagena Mutlangen 12 Jahre alt. In den Elendsvierteln der Großstadt Cartagena in Kolumbien hat der Verein in dieser Zeit vielfältige Hilfestellungen für Slumkinder geleistet und es ihnen ermöglicht, in geordneten Strukturen Bildung, Betreuung und Erziehung zu erfahren.
Seit Februar 2015 besteht im bisherigen Schulgebäude des Vereins ein Studien- und Familienzentrum. Damit konnte der Prozess der Weiterentwicklung fortgeführt werden. Täglich kommen über 100 Kinder vor- oder nachmittags, das heißt vor oder nach ihrem Unterricht an staatlichen Schulen in das Studienzentrum. Dort erhalten sie ein warmes Mittagessen, sauberes Trinkwasser und Wohnmöglichkeiten. Daneben können Hausaufgabenhilfestellung, Förderunterricht, Nachhilfe, religiöse Erziehung und ausreichend Spielmöglichkeiten angeboten werden.
Die guten Erfolge nach 2 Jahren beweisen, dass die Entscheidung zur Schaffung eines weiteren nachhaltigen Hilfebausteins richtig war.
Für das Gesamtprojekt müssen jährlich ca. 85.000 € aufgebracht werden. Die Hälfte trägt der Verein zur Förderung des Schulprojekts Cartagena e. V. Mutlangen. Die andere Hälfte ein anderer Förderverein mit Sitz in Speichingen.
Es wird vorgeschlagen, den Verein „Cartagena e. V.“ mit weiteren 4.000 € zu unterstützen.
5. Förderantrag von Frau Christel Trach-Riedesser, Hüttlingen, für ein Hilfsprojekt in Burkina Faso
Mit großem Engagement unterstützt Frau Christel Trach-Riedesser seit vielen Jahren kirchliche Einrichtungen in Burkina Faso. Das Land gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Nach der Flutkatastrophe von 2009 und den Missernten in den Jahren 2010 bis 2015 kommen immer mehr Bittsteller, insbesondere Familien, zu den Projektpartnern von Frau Trach-Riedesser. Viele Menschen stehen Schlange, um eine Handvoll Hirse zum Überleben zu bekommen. In den letzten Jahren dienten die eingehenden Spendengelder insbesondere dazu, Menschen vor dem Hungertod zu bewahren.
Neben dieser Grundversorgung kümmern sich die Projektpartner von Frau Trach-Riedesser auch um die Bildung bzw. Ausbildung, insbesondere junger Menschen. Das nächste Vorhaben ist die dringend notwendige Erweiterung einer Schule, an der Bruder Joseph, einer der Projektpartner derzeit unterrichtet. Dort sollen 4 neue Klassenräume entstehen. Daneben soll ein Kindergarten eingerichtet werden, um eine durchgehende Betreuungssituation sicherstellen zu können.
An Gesamtkosten für Schulerweiterung und Kindergartenneubau rechnet Frau Trach-Riedesser mit rund 120.000 € und bittet um eine Zuwendung des Ostalbkreises.
Es wird vorgeschlagen, die aktuellen Hilfsprojekte von Frau Trach-Riedesser in Burkina Faso mit 4.000 € zu unterstützen.
6. Förderantrag des Freundeskreises Novinki, Gschwend-Mittelbronn
Im Jahr 1997 wurde mit Sitz in Gschwend-Mittelbronn der Freundeskreis Novinki gegründet. Novinki ist ein Vorort von Minsk/Weißrussland. Der Initiator des Freundeskreises, Christoph Hub aus Gschwend-Mittelbronn, hatte rund 2,5 Jahre in einem Behindertenheim in Novinki gearbeitet. Nach seiner Rückkehr rief er verschiedene Hilfsaktionen ins Leben, um die bedrückende Situation von Behinderten in Novinki zu verbessern. 1998 und zuletzt 2007 hatte der Ostalbkreis den Förderverein unterstützt. Der Freundeskreis konzentriert sich derzeit auf ein Behindertenprojekt. 20 meist schwerst- und mehrfach behinderte Menschen, die ihre Wohnung nicht verlassen können und von ihren Angehörigen aus verschiedensten Gründen völlig unzureichend versorgt und betreut werden, werden unterstützt. 4 Betreuungskräfte werden vom Verein zum ortsüblichen Tarif entlohnt. Auch alle erforderlichen Pflegemittel werden vom Verein finanziert. Die zu betreuten Personen werden vom örtlichen orthodoxen Geistlichen zusammen mit einem Mitarbeiter des städtischen Sozialamtes benannt. Die Zusammenarbeit mit der orthodoxen Kirche ist nach Schilderung von Herrn Erich Hammer, dem ersten Vorsitzenden des Fördervereins, unabdingbar, weil nur in Kooperation mit kirchlichen Einrichtungen ausländische Hilfsprojekte geduldet werden.
Wie aus dem Förderantrag hervorgeht, sind in den letzten Jahren viele Spender gestorben. Deshalb muss wohl im kommenden Jahr die Zahl der Pflegekräfte und auch der Pflegebedürftigen reduziert werden. Mit einem Zuschuss des Landkreises erhofft sich der Freundeskreis Novinki eine Fortsetzung der bisherigen Arbeit. In den letzten Jahren hat der Verein durchschnittlich 16.000 € aufgewendet.
Die Verwaltung schlägt vor, den Freundeskreis Novinki mit 4.000 € zu unterstützen.
7. Förderantrag der Peru-Gruppe Heubach e. V.
Im Jahr 1996 reiste eine kleine ökumenische Gruppe aus Heubach nach Peru. Eines der Ziele der Reise war es, Kontakte zu den Frauenorganisationen im Armenviertel in Laderas, am Rande von Lima, zu knüpfen. Die gewonnenen Eindrücke waren so tief und bewegend, dass daraus bis heute ein lebendiges Engagement der Solidarität mit den Menschen in Laderas geblieben ist. Aktuell unterstützen die Peru-Gruppe Heubach ca. 600 Freunde und Förderer.
Durch vielfältige Aktivitäten der Mitglieder, der Freunde, Förderer und Organisationen, konnte eine Vielzahl von Projekten realisiert werden. Im Dialog mit den armen Menschen in Peru werden die Hilfen ohne Verwaltungskosten umgesetzt. Die wichtigsten Projekte der Peru-Gruppe Heubach sind unter anderem die Volksküche, die jeden Tag bis zu 400 Essen an Kinder alte und pflegebedürftige Menschen ausgibt, die Herberge, die ausgestoßene schwangere Mädchen und Waisen aufnimmt, eine Kinderkrippe und Unterstützungsmaßnahmen für behinderte Kinder.
Anfangs des Jahres 2017 hat die Peru-Gruppe Heubach Pater Sijo, dem Projektpartner in Lima eine Erhöhung des Jahresbudgets von bislang 60.000 € auf 71.000 € zugesagt. Hintergründe sind unter anderem enorme Kostensteigerungen und ein veränderter Wechselkurs. Hinzu kommt, dass das Engagement zur beruflichen Vorbereitung von Jugendlichen ausgeweitet werden soll.
Ein Teil des Jahresbudgets soll künftig speziell für die Ausbildung von Jugendlichen verwendet werden. Durch eine gezielte Förderung werden sie auf Lehrstellen vorbereitet und qualifiziert. Die Erfahrung zeigt, dass mit diesem Unterstützungsangebot viele junge Menschen Ausbildungsplätze und später Arbeitsplätze erhalten können.
Die Peru-Gruppe Heubach bittet den Landkreis um weitere Unterstützung ihrer Hilfsprojekte in Peru.
Die Verwaltung schlägt vor, die Peru-Gruppe Heubach mit 4.000 € zu unterstützen.
8. Antrag der Govinda Entwicklungshilfe e. V. Aalen
Die Govinda Entwicklungshilfe e. V. wurde 1998 von 5 Krankenpflegern/innen in Aalen gegründet. Mittlerweile gibt es neben ca. 600 Mitgliedern und Paten viele junge aktive Mitglieder in den deutschen Städten, Aalen, Berlin, Leipzig, Stuttgart, Ulm, Würzburg und in der Schweiz sowie Österreich. Insgesamt hat die Organisation rund 2.100 Unterstützer und Förderer. 30 Personen engagieren sich in Deutschland und in der Schweiz ehrenamtlich im Vorstand, erweiterten Vorstand und in verschiedenen Fachbereichen. Gemeinsamt mit dem nepalesischen Partnerverein „Shangri - La Association“ setzt sich Govinda insbesondere für Waisenkinder und Benachteiligte in Nepal ein. Die Projekte unterstützen tausende von Menschen. In verschiedensten Bereichen arbeiten zwischenzeitlich 70 nepalesische Angestellte.
Govinda gewann 2011 den Ehrenamtspreis Baden-Württemberg in der Kategorie „Lebendige Gesellschaft“.
Der neueste Projektantrag der Govinda Entwicklungshilfe e. V. Aalen bezieht sich auf den Bau eines Geburtshauses im Distrikt Markwanpur in Nepal. Dort leben vorwiegend Angehörige der Stammesgruppe der Chepang. Sie waren traditionell bis vor ca. 50 Jahren Nomaden, die als Jäger und Sammler in Nepals Wälder beheimatet waren. Die meisten Chepang haben keine offizielle Staatsbürgerschaft oder eine Geburtsurkunde. Somit können sie auch kein Land besitzen und falls doch einige Land bewirtschaften können, kann die Regierung sie jederzeit enteignen. Weniger als 15% der Chepang können lesen oder schreiben und mehr als 90 % leiden unter großer Armut.
Die Region ist bergig und abgeschieden. Die Dörfer liegen oft weit auseinander. Während des Monsuns ist die Region praktisch von der Außenwelt abgeschnitten.
Die Gesundheitsversorgung ist äußerst schlecht. Viele Kinder sind unterernährt und weisen Symptome wie Wachstumsstörungen auf. Den meisten Chepangs mangelt es an Wissen über Körperpflege und Hygiene.
Wegen der hohen Mütter- und Kindersterblichkeit plant Govinda den Aufbau eines Geburtshauses und gleichzeitig den Aufbau von Frauengruppen, um den Transfer von Wissen, Fertigkeiten und Strukturen sicherzustellen.
Damit soll eine Verbesserung der gesundheitlichen Verhaltensweisen und Zugang zu grundlegender primären Gesundheitsversorgung für Mütter und Neugeborene geschaffen werden.
Die Baukosten des Geburtshauses, einschließlich Ausstattung, werden von Govinda auf rund 21.000 € beziffert. Dazu wird um eine Zuwendung des Ostalbkreises gebeten.
Es wird vorgeschlagen, den Bau des Geburtshauses durch Govinda e. V. Aalen, mit 4.000 € zu fördern.