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Vorlage - 327/02  

 
 
Betreff: Antrag der Trägergemeinschaft des Familien- und Nachbarschaftszentrums Hardt in Schwäbisch Gmünd auf Umwidmung eines Personalkostenzuschusses
Status:öffentlich  
Federführend:Dezernat V / Sozialplanung   
Beratungsfolge:
Jugendhilfeausschuss Entscheidung
14.10.2002 
Sitzung des Jugendhilfeausschusses ungeändert beschlossen   

Antrag der Verwaltung:

Antrag der Verwaltung:

 

Der Ostalbkreis gewährt der Trägergemeinschaft des Familien- und Nachbarschaftszentrums (FuN) und des Jugendtreffs Hardt anstelle des Zuschusses für eine/n Anerkennungspraktikantin/-praktikanten einen Personalkostenzuschuss für eine/n Sozialpädagogin/-pädagogen für das Projekt “Cliqaktiv Hardt” im Zeitraum vom 01.11.2002 bis 31.10.2007.

 

Der Zuschuss wird aus dem bisherigen Haushaltsansatz unter der Haushaltsstelle 1.4780.717324.4 finanziert und unter der Voraussetzung gewährt, dass eine tarifgemäße Eingruppierung erfolgt und sich die Stadt Schwäbisch Gmünd in zumindest gleichem Umfang an den Aufwendungen beteiligt. Überstunden sind von der Bezuschussung ausgeschlossen.

 

Sachverhalt/Begründung:

Sachverhalt/Begründung:

 

I. Ausgangssituation

 

Das Schwäbisch Gmünder Wohngebiet Hardt ist vor knapp 11 Jahren nach dem Abzug der US-Streitkräfte entstanden. Innerhalb kurzer Zeit bezogen ca. 1.100 Menschen die Wohnungen. Mittlerweile leben in diesem Stadtviertel Menschen aus 23 Nationen und Kulturkreisen. Die größten Gruppen sind mit je 35 % türkischstämmige Familien und Aussiedlerfamilien. Mit einem überdurchschnittlichen Anteil von 48 % prägen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene unter 20 Jahren das Bild des Wohnviertels.

 

Mit dem Jugendtreff und dem Familien- und Nachbarschaftszentrum (FuN) Hardt wurden Einrichtungen in gemeinsamer Trägerschaft der

 

  • Kath. Kirchengemeinde St. Peter und Paul Schwäbisch Gmünd,
  • Kath. Arbeitnehmerbewegung (KAB) - Landesverband Rottenburg-Stuttgart und
  • Kath. Betriebsseelsorge Ostwürttemberg

 

geschaffen, um eine positive Entwicklung im Stadtteil zu fördern.

 

Während sich Kinder und Jugendliche bis ca. 16 Jahre durch den Jugendtreff und das FuN angesprochen fühlen, gibt es eine große Anzahl von Jugendlichen, die sich nur außerhalb dieser Einrichtungen in Gruppen und Cliquen zusammenfinden.

 

Der bestehende Jugendtreff im Kellergeschoss eines Wohnblockes bietet von den räumlichen Gegebenheiten keinen geeigneten Ort für alle Kinder und Jugendlichen der Siedlung. Es findet ein ständiger Verdrängungsprozess zwischen den verschiedenen Altersgruppen statt.

 

Den älteren Jugendlichen fehlt ein adäquater Ort, an dem sie Freiräume für ihre Bedürfnisse vorfinden, mit dem sie sich identifizieren können. Sie treffen sich in kleineren Grüppchen in Bewohner-Kellern, auf Dachböden, in den Hauseingangsbereichen sowie im großen Gelände des Schulhofs und des Kindergartens.

 

Durch ihr Verhalten provozieren sie Konflikte mit den Anwohnern, dem Hausmeister, Lehrern der Grundschule und den Erzieherinnen des Kindergartens und des Horts. Ihre “Hinterlassenschaften” sind es vor allem, die den Unmut der Erwachsenen erregen: Glasscherben, Flaschen, Abfälle aller Art, Schmierereien an den Hauswänden, zertrampelte Grünanlagen. Hinzu kommen Lärmbelästigungen und provozierendes Verhalten gegenüber Erwachsenen.

 

Nachdem die bisherigen Versuche, mit den “Problemjugendlichen” umzugehen, gescheitert sind (z.B. stärkere Polizeipräsenz und Kontrolle durch die Verantwortlichen der Sozialarbeit, Beseitigung von Sitzgelegenheiten im Schulhof etc.), wurde vom Familien- und Nachbarschaftszentrum das Projekt “Cliqaktiv Hardt” entwickelt.

 

II. Antrag der Trägergemeinschaft

 

Mit Schreiben vom 16.09.2002 beantragt Dr. Rolf Siedler im Namen der Trägergemeinschaft die Umwidmung des bisher vom Ostalbkreis gewährten Personalkostenzuschusses für eine Anerkennungspraktikantenstelle im Jugendtreff Hardt in einen Personalkostenzuschuss für eine/n Diplom-Sozialpädagogin/-pädagogen für das Projekt “Cliqaktiv Hardt” für den Zeitraum vom 01.11.2002 bis 31.10.2007.

 

Dieses Projekt versucht eine Antwort auf die sogenannten “Problemjugendlichen” zu geben, die sich in losen Cliquen zusammenfinden und mit den herkömmlichen Angeboten nicht ansprechen lassen.

 

Ziele:

 

        Schaffung eines personellen Angebotes für Jugendliche in der Siedlung, die sich derzeit in losen/informellen Gruppen und zum Teil auch in festeren Jugendcliquen zusammenfinden;

 

        Entwicklung von zielgruppenorientierten Projekten im Stadtteil, bei der die Beteiligung und aktive Mitwirkung der Jugendcliquen im Vordergrund steht;

 

        Einrichtung und Begleitung eines Jugendtreffpunktes (im Freien) am Rande der Siedlung;

 

        Organisierung von Jugendbegegnungen und -austausch über die Siedlung hinaus - Entgegenwirkung einer Ghettobildung;

 

        Anstoß von interkulturellen Lernprozessen (deutsche und ausländische Jugendliche, Jugendliche aus Spätaussiedlerfamilien);

 

        individuelle Begleitung der Jugendlichen auf dem Weg ins Erwachsenenleben; Hilfestellung beim Übergang von der Schule zum Beruf.

 

Konkrete Maßnahmen:

 

      Kontakt und Treffpunkt:

Schaffung eines offenen überdachten Treffpunktes gemeinsam mit den Jugendlichen.

 

      Computertreff:
Betreuung eines Computerkellers im Sinne einer aktiven Nutzung der vorhandenen Infrastruktur für und mit den Jugendlichen.

 

      Angebote im Sportbereich:

Hierzu gehört die Unterstützung aller sportbezogenen Jugendinitiativen im Stadtteil und darüber hinaus.

 

      Angebote rund ums Thema Musik:

Jugendliche haben vielfältige Zugänge und Interessen im Bereich von Musik. Mit entsprechender Begleitung können daraus Projekte von und für Jugendliche werden.

 

      Einzelfallberatung und -hilfe:

       

Die Jugendlichen haben eine/n direkte/n Ansprechpartner/in, die/der bei individuellen Problemlagen mit Rat und Tat zur Seite steht. Die Themen reichen von familiären Schwierigkeiten, Beziehungsfragen, Schulproblemen, Suchtproblematik, Gewalt, Schulden, Konflikte mit Polizei/Gesetzgeber bis hin zu Berufsorientierung und Begleitung bei der Suche nach einem Ausbildungs- bzw. Arbeitsplatz.

 

Dem Projekt “Cliqaktiv Hardt” liegt ein Antrag der Trägergemeinschaft auf eine Landesförderung nach den vom Sozialministerium Baden-Württemberg veröffentlichten Grundsätzen zur Förderung von Projekten der Integration junger Menschen ausländischer Herkunft oder aus Spätaussiedlerfamilien zu Grunde. Nach diesen Grundsätzen fördert das Land ausschließlich Personalkosten, soweit diese einem Projekt zugeordnet sind und (ggf. dadurch) zusätzlich entstehen. Voraussetzung ist die Beschäftigung mindestens einer vollzeitbeschäftigten Fachkraft oder von mehreren Fachkräften im Umfang von mindestens einer ganzen Stelle für das Projekt. Als geeignete Fachkräfte kommen insbesondere Diplom-Sozialpädagoginnen und -pädagogen, Diplom-Sozialarbeiter/-innen oder Diplom-Pädagoginnen und -Pädagogen sowie andere Fachkräfte mit pädagogischer Berufsausbildung und -erfahrung in Betracht.

 

Der Landeszuschuss wird höchstens für 5 Jahre gewährt und beträgt bis zu 25.000 € je Projekt und Jahr in den ersten zwei Jahren der Förderung, im 3. Jahr bis zu 20.000 €, im 4. Jahr bis zu 15.000 € und im 5. Jahr bis zu 10.000 €. Eine Weiterförderung über den Zeitraum von 5 Jahren hinaus ist nach diesen Fördergrundsätzen nicht möglich.

 

Der Kosten- und Finanzierungsplan der Trägergemeinschaft sieht einen Projektfinanzierungsanteil des Ostalbkreises für die Laufzeit von 5 Jahren in folgender Höhe vor:

 

2002/2003: 8.000,00 €

2003/2004: 8.240,00 €

2004/2005: 8.487,20 €

2005/2006: 8.741,82 €

2006/2007: 9.004,07 €

 

Bei den veranschlagten Personalkosten wird von einer tariflichen Eingruppierung in Vergütungsgruppe IV b BAT, einem Stelleninhaber im Alter von 28 Jahren, nicht verheiratet und kinderlos und tariflichen Lohnkostensteigerungen von 3 % ausgegangen.

 

Ein Zuschuss in derselben Höhe wurde auch bei der Stadt Schwäbisch Gmünd beantragt.

 

 

 

 

 

III. Stellungnahme und Vorschlag der Verwaltung

 

Die Landkreisverwaltung sieht in der Arbeit des Familien- und Nachbarschaftszentrums und des Jugendtreffs Hardt eine wertvolle und notwendige Hilfe für die Menschen unterschiedlichster Nationalitäten und Kulturkreise dieses Stadtteils von Schwäbisch Gmünd. Insbesondere die Arbeit mit den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sollte im Hinblick auf die geschilderten Probleme einen besonderen Stellenwert einnehmen. Auch die Landesregierung zählt die berufliche und soziale Integration junger Menschen ausländischer Herkunft oder aus Spätaussiedlerfamilien in die Gesellschaft zu den Schwerpunkten der Jugendpolitik, weshalb entsprechende Projekte gefördert werden.

 

Das Projekt “Cliqaktiv Hardt” betrachtet die Landkreisverwaltung als sinnvolle Ergänzung des bisherigen Angebots und wird unter der Voraussetzung einer Landesförderung befürwortet.

 

Der Zuschuss des Ostalbkreises für eine/n Anerkennungspraktikantin/-praktikanten im Jugendtreff Hardt ist zuletzt im Jahr 2002 mit 9.400 € veranschlagt. Der von der Trägergemeinschaft beantragte Finanzierungsanteil für das Projekt “Cliqaktiv Hardt” würde diesen Betrag während der gesamten Laufzeit nicht übersteigen.

 

 

Finanzierungen und Folgekosten:

Finanzierungen und Folgekosten:

 

Die erforderlichen Haushaltsmittel waren bislang unter der Haushaltsstelle 1.4780.717324.4 eingestellt.

 

 

Anlagen:

Anlagen:

 

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Sichtvermerke:

 

Fachdezernat  __________________________________________________

   Joklitschke     Rettenmaier

 

 

Hauptamt  __________________________________________________

   Wolf

 

Kämmerei  __________________________________________________

   Hubel

 

Landrat  __________________________________________________

   Pavel