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Vorlage - 151/2014  

 
 
Betreff: Einrichtung einer Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Aalen
Status:öffentlich  
Federführend:Klinik-Eigenbetriebe   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Kliniken und Gesundheit Entscheidung
15.09.2014 
Sitzung des Ausschusses für Kliniken und Gesundheit ungeändert beschlossen   

Antrag der Verwaltung

 

1.     Der Ausschuss für Kliniken und Gesundheit stimmt

 

  1. der vorübergehenden Anmietung des Hirschbachhauses in Aalen durch den Ostalbkreis zur Errichtung einer Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie,
    -psychotherapie und -psychosomatik mit 12 tagesklinischen Plätzen im Betrieb durch die St. Anna-Virngrund-Klinik zu. Da das Hirschbachhaus derzeit noch durch eine erwachsenenpsychiatrische Tagesklinik des Zentrums für Psychiatrie Klinikum Schloss Winnenden genutzt wird, kann die Inbetriebnahme der Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie erst nach dem Umzug der erwachsenenpsychiatrischen Tagesklinik nach Ellwangen erfolgen. Der Zeitpunkt der Inbetriebnahme der Tagesklinik soll jedoch kurzfristig in Abhängigkeit von der Fertigstellung der erforderlichen Renovierungsarbeiten am Hirschbachhaus erfolgen.
  2. der Vermietung der Räumlichkeiten im 1. Obergeschoss des Altbaus der St. Anna-Virngrund-Klinik (sogenannter Gartenbau – ehemalige Urologische Abteilung) an das Zentrum für Psychiatrie Klinikum Schloss Winnenden zur Errichtung bzw. Verlagerung einer Tagesklinik mit 25 tagesklinischen Plätzen (bisheriger Betrieb der Tagesklinik im Hirschbachhaus).

 

2.      Die Landkreisverwaltung und die Betriebsleitung der St. Anna-Virngrund-Klinik werden ermächtigt, die erforderlichen Schritte zur baulichen Planung und vertraglichen Umsetzung vorzubereiten.

 

 

Sachverhalt/Begründung

Sachverhalt/Begründung

 

Versorgungssituation der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Versorgung in
Ostwürttemberg

 

Die Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik an der St. Anna-Virngrund-Klinik stellt seit 2003 die Versorgung und Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit allen behandlungsbedürftigen Störungsbildern für die Region Ostwürttemberg (Ostalbkreis und Landkreis Heidenheim) mit 430.000 Einwohnern sicher. Derzeit leben in diesen beiden Landkreisen ca. 80.430 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

 

Nach der Inbetriebnahme der stationären Versorgung zum 01.07.2003 mit 10 stationären Plätzen für Kinder und 10 stationären Plätzen für Jugendliche an der St. Anna-Virngrund-Klinik in Ellwangen wurde seinerzeit eine wichtige Lücke in der Versorgung von psychiatrischen Krankheitsbildern geschlossen. Das stationäre Angebot wurde im Herbst 2005 durch Etablierung einer Psychiatrischen Institutsambulanz am Standort Ellwangen sinnvoll ergänzt. Mit der Inbetriebnahme einer weiteren Institutsambulanz in Schwäbisch Gmünd in Kooperation mit der Jugendhilfeeinrichtung St. Canisius im Januar 2006 wurde die dezentrale Versorgungsstruktur gestärkt und erfuhr mit der Inbetriebnahme einer weiteren Institutsambulanz am Reichsstädter Markt in Aalen im Januar 2011 eine weitere wichtige Entwicklung. Aufgrund des hohen Zuspruchs und des gestiegenen Versorgungsbedarfs wird derzeit auf der Basis des Beschlusses des Krankenhausausschusses vom 01.04.2014 die Psychiatrische Institutsambulanz Schwäbisch Gmünd am Haus der Gesundheit in Schwäbisch Gmünd ausgebaut und wird zum 01.10.2014 in die neuen Räumlichkeiten einziehen. Mittelfristig soll auch die Versorgungsregion Heidenheim durch die Etablierung einer Psychiatrischen Institutsambulanz besser erschlossen werden.

 

Die erfolgreiche Zusammenarbeit von Fachärztinnen/-ärzten, Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung und dem multiprofessionellen Team aus Psychologinnen, Ergotherapeutin, Musiktherapeut und Sporttherapeut, Sozialarbeiterin und -pädagogin, Lehrern und dem Pflege- und Erziehungsdienst ist von Teamgeist, gegenseitigem Vertrauen, Empathie und der Fürsorgepflicht für die Kinder und Jugendlichen getragen. Größter Wert wird auf die fachübergreifende Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen, mit Kindergärten und Schulen, den ambulanten Diensten und stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, den Jugendämtern sowie den Eltern und Familien gelegt.

 

Eine enge Vernetzung besteht auch zu den Kinderkliniken im Ostalb-Klinikum (Chefarzt Prof. Dr. Freihorst), Stauferklinikum in Mutlangen (Chefarzt Dr. Riedel), sowie der Kinderklinik in Heidenheim (Chefarzt Dr. Schneider). Seit Eröffnung der Erwachsenenpsychiatrie (ZfP Klinikum Schloss Winnenden, Chefarzt Dr. Dr. Kaiser) besteht eine enge Zusammenarbeit mit dieser Abteilung. Die Chefärzte stehen im regen Austausch. Geplant, und zum Teil schon umgesetzt, sind gemeinsame Fortbildungsveranstaltungen, Organisation der Facharztweiterbildung, Ermöglichen des Fremdjahres in der jeweils anderen Abteilung, Aufbau einer Sprechstunde „Kinder psychisch kranker Eltern“ etc..

 

Die Indikationsfelder umfassen:

 

      Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörungen

      Depressionen, akute Belastungsreaktionen

      Angststörungen (z.B. Schul-/ Trennungsangst, generalisierte Angststörungen mit oder ohne Panikstörungen)

      Zwangsstörungen

      Essstörungen (z.B. Magersucht, Bulimie)

      Selbstverletzendes Verhalten

      Umschriebene und tiefgreifende Entwicklungsstörungen (Autismusspektrumsstörungen, z. B. Asperger-Autismus)

      Posttraumatische Belastungsstörungen

 

Trotz des Ausbaus der ambulanten Versorgungsstrukturen in den vergangenen Jahren konnte der Versorgungsbedarf nur unzureichend gedeckt werden. Dies spiegelt sich in einer überdurchschnittlichen Bettenauslastung von über 100% und aktuell weiterhin anwachsenden Wartezeiten von derzeit 4 Monaten, bedingt durch eine hohe Rate an Notfallaufnahmen (im Jahr 2013: 51,2% Notfallaufnahmen). Daher wurden bereits frühzeitig nach der Etablierung des stationären und des ambulanten Angebots Konzepte für teilstationäre Angebote erarbeitet und regelmäßig intensive Gespräche zum Ausbau der stationären und der Etablierung von tagesklinischen Strukturen mit dem Sozialministerium geführt. Nach mehreren Anträgen konnte im April 2014 ein Teilerfolg erzielt werden. Zwar wurde der Antrag auf Ausbau der stationären Plätze von derzeit 20 auf 24 Plätze vom Sozialministerium noch zurückgestellt, die Etablierung einer Tagesklinik am Standort Aalen mit 12 Plätzen wurde aber bewilligt. Dies war die Initialzündung für einen weiteren Meilenstein in der Verbesserung der Versorgung von Kindern und Jugendlichen in der Region und zur Entlastung des Aufnahmedrucks für stationäre Aufnahmen. Der Standort Aalen wurde vom Sozialministerium favorisiert, weil er im Zentrum der Versorgungsregion Ostwürttemberg liegt und hierdurch kurze Anfahrtswege für alle Kinder und Jugendliche in der Versorgungsregion erreicht werden können. Insbesondere die bessere Erreichbarkeit für die Region Heidenheim war eine erklärte Zielsetzung.

 

 

 

Etablierung einer Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Standort Aalen

 

Aufgrund der Schwierigkeit zeitnah geeignete Räumlichkeiten für die Umsetzung zu finden, wurde eine Übergangsbewilligung am Standort Ellwangen beim Sozialministerium bis 31.12.2015 beantragt. Dies wurde vom Sozialministerium jedoch als nicht zielführend erachtet. In einem gemeinsamen Gespräch mit dem Sozialministerium unter Beteiligung von Herrn Landrat Pavel, der Geschäftsführung des ZfP Klinikum Schloss Winnden, Frau Rose-Losert und Herrn Fliß, sowie den beiden Krankenhausdirektoren, Herrn Janischowski und Herrn Schneider, wurde daher folgendes Gesamtkonzept erarbeitet und abgestimmt:

 

  1. Das ZfP Schloss Klinikum Schloss Winnenden verlagert 25 tagesklinische Plätze Erwachsenenpsychiatrie von Aalen nach Ellwangen. Somit Auszug aus dem Hirschbachhaus und Anmietung von Räumlichkeiten in der St. Anna-Virngrund-Klinik (1. OG des sog. Gartenbaus, ehemalige Urologie / Interimsweise Nutzung als Physiotherapie während der Baumaßnahmen zum BA 4). Vor dem Umzug nach Ellwangen sind am Standort Ellwangen verschiedene bauliche Maßnahmen durchzuführen, um eine nachhaltige Nutzung für die Tagesklinik der Erwachsenenpsychiatrie zu gewährleisten.

 

  1. Nach Umzug des ZfP Klinikum Schloss Winnenden übergangsweise Anmietung von Hirschbachhauses in Aalen durch den Ostalbkreis zur Errichtung einer Tagesklinik Kinder- und Jugendpsychiatrie (12 tagesklinische Plätze) im Betrieb durch die St. Anna-Virngrund-Klinik. Die Inbetriebnahme Kinder- und Jugendpsychiatrischen Tagesklinik ist nach kleineren Renovierungsarbeiten (überwiegend Maler- und Bodenbelagsarbeiten) mit einem Gesamtaufwand von ca. 50.000,-€ nach dem Auszug des ZfP Klinikum Schloss Winnenden kurzfristig umsetzbar. Die Bereitstellung für den Betrieb als Tagesklinik erfolgt durch den Landkreis.

 

Zwischenzeitlich konnte bei einem persönlichen Vororttermin an der St. Anna-Virngrund-Klinik zwischen dem ZfP Klinikum Schloss Winnenden, Geschäftsführer Herrn Fliß, und Klinikdirektor Herrn Schneider sowie Herrn Architekt Schenk und weiteren Fachleuten, die Planung weiter konkretisiert werden. Hierzu ist folgendes festzuhalten:

 

  1. Die Räume im 1. OG des Gartenbaus (ehemalige Urologie) der St. Anna-Virngrund-Klinik sind für den Betrieb einer Tagesklinik Erwachsenenpsychiatrie für ca. 17-25 tagesklinische Plätze grundsätzlich geeignet und bei entsprechender Planung ausreichend.

    Diese Räume befinden sich insgesamt in einem guten baulichen Gesamtzustand. Unabhängig hiervon sind jedoch bauliche Veränderungen zur Nutzungsgestaltung für eine langfristige Nutzung erforderlich. Diese bestehen insbesondere in der Öffnung von Räumen im Empfangs- und Aufenthalts-/ Wartebereich sowie der Einrichtung von Arztzimmern und der Renovierung und Errichtung von Toiletten für Patienten/-Innen und Mitarbeiter/-Innen.

 

  1. Da Wände teilweise entfernt sowie Zwischenwände eingezogen werden müssen und teilweise umfassende Sanierungsarbeiten erforderlich sind (Schaffung von Sanitäreinrichtungen und die Durchführung von Brandschutzmaßnahmen, erforderliche Erweiterung der bestehenden Brandschutzanlage), ist der Gesamtinvestitionsaufwand nicht unerheblich. Nach einer ersten Einschätzung des Architekten, Herr Schenk vom Planungsbüro Plan_i, ist eine Umsetzung trotz Eilerfordernis aufgrund der Bauferien und der Situation im Baubereich realistisch erst zum 01.04.2015 möglich. Selbstverständlich werden sich alle Beteiligten im Sinne des gemeinsamen Interesses um eine schnellstmöglich Umsetzung bemühen.

 

  1. Die Mietkonditionen zur Anmietung der Räumlichkeiten an der St. Anna-Virngrund-Klinik wurden anschließend dem Grunde nach geeint und sichern aufgrund des langfristigen Mietverhältnisses eine vollständige Amortisation der erforderlichen Umbaumaßnahmen in einer Größenordnung von ca. 300.000 € bis 350.000 € (1. Schätzung des Architekten).

 


Finanzierung und Folgekosten

 

Die erforderlichen Renovierungsarbeiten am Standort Hirschbachhaus sollen aufgrund der interimsweisen Nutzung des Standorts nur im begrenzten Umfang (Maler- und Bodenbelagsarbeiten) erfolgen. Die Kosten hierfür sollen nach Möglichkeit den Umfang von 50.000,-€ nicht überschreiten. Für die Finanzierung der Maßnahme sind entsprechende Haushaltsmittel für den Investitionsplan 2015 einzustellen.

 

Die erforderlichen Baumaßnahmen am Standort Ellwangen (1. OG des Gartenbaus/ ehemalige Urologie) sind aufgrund der nachhaltig angelegten Nutzung als Tagesklinik Erwachsenenpsychiatrie umfangreicher. Nach einer ersten Schätzung des Architekten werden die Gesamtkosten der Maßnahme auf ca. 300.000 bis 350.000 € geschätzt. Für die Finanzierung der Maßnahme sind ebenfalls entsprechende Haushaltsmittel für den Investitionsplan 2015 einzustellen. Durch ein langfristiges Mietverhältnis mit dem Zentrum für Psychiatrie Klinikum Schloss Winnenden ist die Amortisation der Investition langfristig sichergestellt.

 

 


Anlagen

 

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Sichtvermerke

 

Krankenhausdirektor

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Schneider

 

 

Koord. Krankenhausdirektor

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Janischowski

 

 

Dezernat II

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Kurz

 

 

Landrat

__________________________________________

 

Pavel