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Vorlage - 086/2010  

 
 
Betreff: Präventionsprojekte der Schuldnerberatung des Ostalbkreises

Status:öffentlich  
Federführend:Geschäftsbereich Soziales   
Beratungsfolge:
Sozialausschuss Kenntnisnahme
06.07.2010 
Sitzung des Sozialausschusses ungeändert beschlossen   

Antrag der Verwaltung:

 

Kenntnisnahme

Sachverhalt/Begründung

Sachverhalt/Begründung

 

I. Ausgangssituation und Allgemeines

 

In der Sitzung des Kreistags am 24.11.2009 beantragte die CDU-Kreistagsfraktion zu prüfen, ob die Schuldnerberatung des Ostalbkreises durch mehr Präventionsmaßnahmen, Wege für Menschen in Not aufzeigen könne, wie z. B. mit Projekten zu den Themen „Auskommen mit dem Einkommen“ oder „Haushalt“. In diesem Zusammenhang solle eine stärkere Zusammenarbeit mit der ABO und den Banken geprüft werden.

 

In der aktuellen Expertise von Dr. Dr. Gunter Zimmermann zu Verschuldung und Überschuldung in Baden-Württemberg[1] wird aufgezeigt, dass bereits 5 v. H. der Menschen unter 25 Jahren überschuldet sind und Schuldnerberatungsstellen aufsuchen. Dies gilt tendenziell auch im Ostalbkreis. Auf die früheren Berichte in der Sitzung des Sozialausschusses am 06.03.2007, in der gemeinsamen Sitzung des Sozialausschusses und des Jugendhilfeausschusses am 08.04.2008 sowie im Sozialbericht 2009 des Ostalbkreises wird verwiesen.

 

Gerade diese Entwicklung war Anlass und Ausgangspunkt mit Schuldenprävention an Schulen zu beginnen. Das 2007 von der Kreissparkasse Ostalb und dem Lions Club Aalen gesponserte Projekt „Bank und Jugend im Dialog“ war der Einstieg in die konzeptionelle Entwicklung von drei Präventionsprojekten, die aktuell von der Schuldnerberatungsstelle des Landratsamts angeboten werden.

 

Seit 01.10.2008 verfügt die Schuldnerberatungsstelle des Ostalbkreises über eine Vollzeitstelle für den Arbeitsbereich Schuldenprävention.

 

 

II. Aktuelle Situation

 

Seit 2008 werden von der Schuldnerberatung drei Projekte angeboten und durchgeführt. Ziele aller drei Projekte sind die Förderung und Stärkung der Finanzkompetenz sowie die Sensibilisierung für die Teilnahme am Wirtschaftsleben. Die Teilnahme an allen drei Projekten ist kostenlos.

 

 

 

1. Projekt: Stark fürs Leben
 

Das Projekt wendet sich an besonders benachteiligte Menschen in multiproblematischen Lebenslagen, insbesondere an Jugendliche unter 25 Jahren, die Sozialleistungen beziehen. In der Regel nehmen sie bei der Projektdurchführung an Fördermaßnahmen im Ostalbkreis, insbesondere der abo, teil. Das Projekt wird dezernatsübergreifend mit dem Kompetenzzentrum Hauswirtschaft und Ernährung angeboten und durchgeführt.

 

Das Projekt gliedert sich in vier Module. Die ersten beiden Module übernimmt das Kompetenzzentrum Hauswirtschaft und Erziehung. In diesen beiden Modulen geht es um die Themenbereiche „Gesunde Ernährung mit wenig Geld“, „Nahrungszubereitung“, „saisonal Einkaufen“, „Vorratshaltung“ sowie um den Themenblock „Sauberkeit und Wäschepflege“. Die Veranstaltungen finden in Schulküchen/Schulungsräumen der Beruflichen Schulzentren des Ostalbkreises statt.

In den Modulen drei und vier geht es um die Themen „Auskommen mit geringem Einkommen“, „Wie vermeide ich Schulden“, „Wege aus Schulden“. Sie werden von der Schuldnerberatung in den Räumen des Landratsamts durchgeführt.

 

Im Frühjahr dieses Jahres belegte dieses Projekt beim Wettbewerb des Präventionsnetzwerks „Finanzkompetenz“ in Berlin von 19 teilnehmenden Projekten den 6. Platz.
Seit Mai 2008 haben 160 Jugendliche an dem Projekt teilgenommen. Die bisherigen Teilnehmer kamen von den Förderprojekten:
 

  • „On Stage (Zukunft 2013)“ (abo)
  • „Utopia“ (abo)
  • „El Paso“ (abo)
  • „PEP“ (Stiftung Haus Lindenhof)
  • „Deutsche Ausbildungsakademie“
  • „Johannes-Landenberger-Schule“ Aalen (Sonderberufsausbildungswerk/BAW Waiblingen)

 

2. Projekt: Durchblick! Überblick! Weitblick!

 

Zielgruppe sind Schüler der Klassen 8 und 9 der Haupt- und Realschulen des Ostalbkreises. Das Projekt gliedert sich in zwei Module. Das erste Modul wird von Banken des Ostalbkreises durchgeführt. Bisheriger Kooperationspartner ist die Kreissparkasse Ostalb. Hier erfahren die Schüler bei der Bank alles Wissenswerte über den Zahlungsverkehr und die Themen „Girokonto“, „Online-Banking“ und „Sparanlagen“.

Das zweite Modul wird von der Schuldnerberatungsstelle gestaltet. Anhand eines fiktiven Elternhaushaltes werden Einkommenslage, notwendige Ausgaben, Finanzierungsausgaben sowie Sparmöglichkeiten besprochen. Weitere Themen sind „Konsum und Konsumfallen“ sowie „Mögliche Wege aus einer Schuldensituation“.

Bisher teilnehmende Schulen waren:
 

  • Karl-Kessler-Realschule Wasseralfingen (Pilotprojekt)
  • Realschule Bopfingen
  • Hauptschule Hofherrnschule Aalen
  • Adalbert-Stifter-Realschule Schwäbisch Gmünd
  • Hauptschule Talschule Wasseralfingen
     

Insgesamt wurden bisher 216 Schüler mit dem Projekt erreicht.

 

Erfahrungen haben gezeigt, dass Lehrer grundsätzlich großes Interesse an dem Projekt haben. Durch straffe Lehrpläne ergeben sich allerdings seitens mehrerer Schulen Probleme bei der Terminplanung. So war es bislang aus organisatorischen Gründen einigen Schulen nicht möglich, das Projekt durchzuführen.

 

Die beim Projekt „Durchblick! Überblick! Weitblick!“ verwendeten Evaluationsfragebögen wurden von der Schuldnerberatungsstelle in Zusammenarbeit mit Frau Dr. Claudia Wiepcke, Vertretungsprofessur Ökonomie und ihre Didaktik, Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd, entwickelt. Zwei Studentinnen der PH fertigen derzeit zu diesem Projekt eine Diplomarbeit.

 

 

3. Projekt: Konsum! - Alles klar?

 

Zielgruppe des seit Januar 2009 angebotenen Projekts sind Schüler zwischen 16 und 20 Jahren der Beruflichen Schulen im Ostalbkreis. Das Projekt wird an einem Vormittag von der Schuldnerberatungsstelle durchgeführt.

In dem Modul werden die Themen behandelt „Auskommen mit dem Einkommen“, „Werbung und Konsum“ sowie Möglichkeiten aufgezeigt, aus Schulden herauszukommen.
 

Bisher teilnehmende Schulen waren:
 

  • Justus-von-Liebig-Schule Aalen
  • Berufliches Fortbildungszentrum der Bayrischen Wirtschaft gGmbH in Aalen
  • Deutsche Angestellten Akademie Aalen
  • „Johannes-Landenberger-Schule“ Aalen (Sonderberufsausbildungswerk/BAW Waiblingen)
     

Insgesamt wurden mit dem Projekt bisher 125 Schüler erreicht.

 

In allen drei Projekten wird sehr viel Wert darauf gelegt, die Themen zu visualisieren und die Teilnehmer z. B. spielerisch zu aktivieren. Dazu werden eine Schuldentreppe, Aktionswürfel sowie ein Glücksrad eingesetzt, die allesamt von der Schuldnerberatung entwickelt wurden.


 

III. Beteiligung von Sponsoren, Zuschüsse

 

Das Pilot- und Initialprojekt „Bank und Jugend im Dialog“ wurde von der Kreisparkasse Ostalb mit 2.000 Euro sowie vom Lionsclub Aalen mit 953 Euro finanziell unterstützt und damit erst ermöglicht. Die Entwicklung der Medien der Präventionsprojekte sponserte die Kreissparkasse Ostalb erneut mit 1.500 Euro. Zudem beteiligt sich die Kreissparkasse als Präventionspartner beim Projekt „Durchblick! Überblick! Weitblick!.“

 

2009 konnten für das Projekt „Stark fürs Leben“ Zuschussmittel des Landes in Höhe von 715 Euro abgerechnet werden. Für 2010 sind Mittel in Höhe von 839 Euro beantragt.


 

IV. Weiterentwicklung der Präventionsprojekte

 

Die Themen werden ständig aktualisiert und der marktwirtschaftlichen Lage sowie Gesetzesänderungen angepasst. Dies gilt auch für die Erfahrungen aus der täglichen Beratungsarbeit.

 

Derzeit werden Gespräche mit weiteren Kooperationspartnern für das Projekt „Durchblick! Überblick! Weitblick!“ geführt.

 

Die Projekte werden in Module aufgeteilt und können künftig einzeln gebucht werden.  Dadurch sollen noch passgenauere Angebote für die unterschiedlichen Zielgruppen ermöglicht werden.

 

Im „Forum Sozialbericht“ am 17.04.2010 wurde angeregt, Gymnasiasten sowie Menschen mit Migrationshintergrund als besondere Zielgruppe zu sehen. Um letztere leichter zu erreichen, ist es notwendig, Multiplikatoren aus dem Kreis der Betreuer von Förderprojekten als „Muttersprachler“ zu gewinnen. Erste Gespräche wurden mit dem Zentrum Rötenberg Aalen aufgenommen.


[1] Verschuldung und Überschuldung in Baden-Württemberg im Spiegel der Statistik von Dr. Dr. Gunter E. Zimmermann, Büro für Sozioökonomie, Forschung und Entwicklung, Karlsruhe, Stand Mai 2010

Finanzierung und Folgekosten:

Finanzierung und Folgekosten:

 

Die Kosten der Schuldnerberatungsstelle des Ostalbkreises betragen im laufenden Haushaltsjahr 465.425,- €.


Anlagen

 

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Sichtvermerke

 

Geschäftsbereich Soziales

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Traub                                               Hammele

 

 

Dezernent/in

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Rettenmaier

 

 

Dezernat II

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Kurz

 

 

Landrat

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Pavel