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Vorlage - 035/06  

 
 
Betreff: Limestor Dalkingen
- Errichtung eines Schutzhauses -
Status:öffentlich  
Federführend:D e z e r n a t IV Beteiligt:Geschäftsbereich Gebäudemanagement
Beratungsfolge:
Schul- und Kulturausschuss Vorberatung
11.04.2006 
Sitzung des Schul- und Kulturausschusses geändert beschlossen   

Antrag der Verwaltung

Antrag der Verwaltung

 

Der Schul- und Kulturausschuss stimmt der Schutzhauskonstruktion mit besonderer Visualisierung des Limestores in Dalkingen zu.

 

Die Verwaltung wird beauftragt, den Bauantrag mit Baugesuch vorzubereiten und eine Baugenehmigung und denkmalschutzrechtliche Genehmigung zu beantragen.

 

 

Sachverhalt/Begründung

Sachverhalt/Begründung

 

Vorgeschichte

 

Am 28.01.2003 stimmte der Schul- und Kulturausschuss des Ostalbkreises einer Einhausung des Limestores Dalkingen durch eine Stahl-/Glaskonstruktion mit den Abmessungen 17 m x 16 m und einer mittleren Höhe von bis 7,5 m zu. Die Baukosten für dieses Projekt beliefen sich auf ca. 401.000,00 Euro. Die Finanzierung sollte über Zuschüsse der Landesstiftung Baden-Württemberg und anderer Stellen in Höhe von ca. 301.000,00 Euro sowie einen Eigenanteil des Ostalbkreises in Höhe von 100.000,00 Euro erfolgen. Nachdem die Landesstiftung Baden-Württemberg den Förderantrag wegen anderer Prioritäten abgelehnt hatte, konnte der Plan zunächst nicht weiter verfolgt werden.

 

Im Juli 2005 hat die UN-Weltkulturerbe UNESCO den Obergermanischen und Rätischen Limes in die Liste der Weltkulturerbestätten aufgenommen. Damit wurde der Limes, die einstige Außengrenze des römischen Reichs, ganz offiziell zu einem kulturgeschichtlichen Zeugnis von Weltrang erklärt. Dies hat uns in unserer Auffassung bestätigt, dass es sich bei dem Limestor Dalkingen um ein herausragendes archäologisches Denkmal handelt, dessen Erhalt für künftige Generationen für den Ostalbkreis als Eigentümer eine vordringliche Aufgabe und Verpflichtung ist.

 

Unter den römischen Bauten entlang des Limes, von denen sich bis in unsere Tage Reste erhalten haben, kommt dem ehemaligen Limestor bei Dalkingen besondere Bedeutung zu. An der Außengrenze des römischen Weltreiches ist hier - vermutlich im Zusammenhang mit einem siegreichen Feldzug Kaiser Caracallas gegen die Alemannen in den Jahren 213 und 214 n. C.  - ein prachtvoller, 12 m hoher Triumphbogen mit einer überlebensgroßen Kaiserstatue aus Bronze entstanden. Es handelt sich um die bislang einzige, durch Baubefunde nachgewiesene Toranlage entlang des über 500 km langen, von der Donau bis zum Rhein reichenden obergermanisch-rätischen Limes.

 

Bei der Ausgrabung des Limestores Dalkingen in den Jahren 1974 und 1975 erwies sich, dass im Boden noch bis zu 2 m hohe Reste des Triumphbogens in einem vergleichsweise guten Zustand erhalten waren. Die historische Bausubstanz wurde damals freigelegt und hat seitdem durch ständige Witterungseinflüsse trotz zweimaliger Sicherung und Konservierung (unmittelbar nach der Ausgrabung 1975 sowie im Jahr 2000) stark gelitten. Über schadhafte Fugen dringt Wasser in das Mauerwerk, was bei  Frost zu erheblichen Schäden an Mörtel und Steinmaterial führt.

 

In seiner Rede zu Eröffnung der großangelegten Landesausstellung „Imperium Romanum - Roms Provinzen an Neckar, Rhein und Donau“ in Stuttgart am 12.11.2005 hat Ministerpräsident Oettinger mehrfach auf die besondere Bedeutung des Limestores Dalkingen hingewiesen.

 

Die Landkreisverwaltung schlägt vor, jetzt einen neuen Anlauf zum Erhalt und zur besseren Präsentation des Limestores Dalkingen zu nehmen. 

 

Schutzhaus mit besonderer Visualisierung

 

Die nunmehr geplante Einhausung mit einem 23 m breiten, 21 m langen und 7 - 16 m hohen Glaskubus würde nicht nur einen dauerhaften Schutz der vorhandenen Mauerreste ohne weitere Substanzverluste gewährleisten, sondern gleichzeitig auch einen ansprechenden Rahmen für eine Visualisierung des einstigen Limestores bieten. Von der Glasdecke der Einhausung soll ein Stoffkubus abgehängt werden, der die Abmessungen des ehemaligen Limestores im Verhältnis 1:1 wiedergibt und auf den die architektonischen Besonderheiten aufgedruckt sind. Damit wird das ehemalige Limestor für den Betrachter mit den Augen in voller Größe erlebbar. Zwischen den kulissenartig aufgehängten Stoffbahnen und dem originalen Mauerwerk ist ein Zwischenraum vorgesehen, damit die römische Bausubstanz genügend wirken kann. Im begehbaren Innenraum sollen beleuchtete Informationstafeln sowie Vitrinen aufgestellt werden, in denen Repliken der wichtigsten Ausgrabungsfunde am Limestor Dalkingen sowie verkleinerte Nachbauten und Modelle ausgestellt werden können. Die Tafeln und Vitrinen können zum Teil auch von außen betrachtet werden. Ein abgestimmtes Beleuchtungskonzept unterstützt die räumliche Wahrnehmung des Besuchers. Auf der Wiese neben dem Limestor könnte durch in den Hang modellierte Stufen mit geringem Aufwand ein Freiluft-Konzertplatz für kulturelle Veranstaltungen aller Art entstehen.

 

Auf diese Weise würde das Limestor Dalkingen zu einem „Highlight“ für die breite Öffentlichkeit und zusammen mit dem Limesmuseum im benachbarten Aalen, den Ausgrabungen am Reiterkastell in Aalen und dem Römerbad am Bucher Stausee einen außerordentlich attraktiven Schwerpunkt römischer Ausgrabungen und Kultur in Ostwürttemberg bilden. In landschaftlich einmaliger Lage würde ein herausragendes Zeugnis römischer Baukunst am Limes wieder erstehen und - eingebunden in ein umfassendes didaktisch-museales Konzept - zahlreichen Besuchern aus Nah und Fern unvergessliche Eindrücke einer jahrtausend alten Kultur bescheren.

 

Finanzierung und Folgekosten

Finanzierung und Folgekosten

 

 

Die Kosten für das Schutzhaus mit Visualisierung sowie Dokumentation, Didaktik und Modellen belaufen sich auf ca. 1.470.000,00 Euro.

 

Dieser Betrag soll finanziert werden durch

 

-einen Zuschuss des Landesamts für Denkmalpflege, Regierungspräsidium Stuttgart, in Höhe von 325.000,00 Euro,

-einen Zuschuss der Landesstiftung Baden-Württemberg in Höhe von ca. 645.000,00 Euro,

-einen Zuschuss der Denkmalstiftung in Höhe von ca. 100.000,00 Euro sowie

-einen Eigenanteil des Ostalbkreises in Höhe von ca. 400.000,00 Euro.

 

Entsprechende Förderanträge wurden bereits zu Beginn des Jahres beim Landesamt für Denkmalpflege, bei der Landesstiftung Baden-Württemberg und der Denkmalstiftung gestellt. Die Landkreisverwaltung beabsichtigt, nunmehr eine Baugenehmigung einschließlich denkmalrechtlicher Genehmigung für das Vorhaben zu beantragen.

 

Der Eigenanteil des Ostalbkreises soll zum Teil durch Spenden und Sponsoren aufgebracht werden. Um das Projekt der interessierten Öffentlichkeit vorzustellen, hat die Fachhochschule Aalen eine DVD-Präsentation mit Luftaufnahmen und 3 D-Animationen entwickelt, die im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung am 22. Mai 2006 übergeben werden wird.

 

Die Folgekosten stellen sich wie folgt dar:

Ohne einen Schutzbau muss etwa alle 20 Jahre eine Sanierung des Denkmals erfolgen. Die letzte Sanierung im Jahr 2000 hat ca. 95.000,00 Euro gekostet. Hiervon erhielt der Ostalbkreis einen Zuschuss des Landesdenkmalamts von ca. 47.000,00 Euro.

 

Wird der Schutzbau errichtet, ergeben sich zusätzlich zu den Investitionskosten jährliche Kosten für die Bauunterhaltung in Höhe von ca. 1.000,00 Euro (2,00 Euro/m² Grundfläche). Darüber hinaus ist alle 5 Jahre eine Fassadenreinigung mit voraussichtlichen Kosten von 8.500,00 Euro erforderlich. Weiterhin könnte eine Glasversicherung abgeschlossen werden (jährlich Kosten von ca. 6.700,00 Euro). Zudem muss die Betreuung der Besucher organisiert werden (Schlüsseldienst, Führungen).

 

 

Anlagen:

Anlagen

- Lageplanskizze

- Grundriss

- Schnitt

- Ansicht

 

 

 

 

Sichtvermerke

 

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Kikowatz/Dr. Jacobi

Dezernent__________________________________________________

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Dezernat II__________________________________________________

Hubel

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Pavel