Sachverhalt/Begründung
I.
Einführung
Zur Betreuung und Behandlung entwicklungsgestörter Kinder gibt es im Ostalbkreis
ein vielfältiges Angebot von Frühförderstellen und Sonderpädagogischen
Beratungsmöglichkeiten bzw. spezieller schulischer Einrichtungen.
Die vielfältige Erkenntnis von Erzieherinnen und Pädagogen ist jedoch, dass es
die Eltern sehr häufig ablehnen bzw. versäumen, rechtzeitig derartige
Einrichtungen aufzusuchen, weil sie eine Stigmatisierung ihrer Kinder
befürchten. Die Folge ist, dass Entwicklungsstörungen häufig erst in der
Grundschule zutage treten, indem die Kinder entweder in ihrem Sozialverhalten
extrem auffällig werden oder nicht in der Lage sind, im Lernfortschritt der
Klasse mitzuhalten. Beide Situationen führen zu nicht unerheblichen Störungen
hinsichtlich der Erreichung der schulischen Ziele, sowohl was den Klassenverbund
insgesamt, aber auch was das einzelne Kind betrifft.
Die bittere Erkenntnis der Lehrerinnen und Lehrer ist häufig die, dass bei
frühzeitiger und fachkompetenter Intervention gegebene Entwicklungsdefizite
deutlich abzumindern oder auch auszuschließen gewesen wären.
II.
Aufbau eines Kooperationsmodells zwischen
den speziellen Beratungsstellen und der Kinderklinik des Klinikums Schwäbisch
Gmünd
Die zuvor dargestellte Situation führte zu der Folgerung, dass, um die zuvor beschriebene
Schwelle zu verhindern, eine „neutrale“ Anlaufstelle geschaffen
werden muss, um den Eltern die zuvor beschriebenen Stigmatisierungsängste zu
nehmen und gleichzeitig eine Erstberatung oder auch Erstdiagnose zu
gewährleisten, welche dann für das betroffene Kind spezielle diagnostische und
therapeutische Möglichkeiten bzw. Hilfsangebote aufzeigt.
Seitens der sonderschulischen Einrichtungen war hierbei entscheidend, dass im
Bedarfsfalle adhoc ein kinderärztliches Konsil oder auch eine kinderärztliche
Diagnostik möglich ist.
Aus diesen verschiedenen Kriterien heraus entwickelte sich die Vorstellung
eines Kooperationsmodells zwischen der Kinderklinik in Schwäbisch Gmünd sowie
den jeweiligen Beratungsstellen der Heideschule Mutlangen, der Konrad-Bisalski-Schule
Schwäbisch Gmünd, der Klosterbergschule Schwäbisch Gmünd, der Sonderpädagogischen
Beratungsstelle der Nikolauspflege Stuttgart (Stiftung für Blinde und
sehbehinderte Menschen), der Pestalozzischule Schwäbisch Gmünd, der Mörikeschule
Heubach und der Schule für Hörgeschädigte „St. Josef“ in Schwäbisch
Gmünd sowie der interdisziplinären Frühförderstelle St. Canisius in Schwäbisch
Gmünd.
Inhalt der Konzeption ist die Einrichtung eines Kontaktbüros am Margaritenhospital,
in welcher die beschriebenen schulischen Einrichtungen nach einem zuvor den
Kindergärten, Grundschulen und Kinderarztpraxen bekannt gegebenen Wochenstundenplan
an der Kinderklinik anwesend sind, um dort eine „neutrale“ Anlaufstelle
zu bilden.
Die in diesem Kontaktbüro stundenweise anwesenden Fachkräfte haben im Bedarfsfalle
die Möglichkeit, unmittelbar kinderärztliches Konsil anzufordern bzw. haben die
Möglichkeit, aufgrund ihrer Übersicht über die vorhandenen Frühfördermöglichkeiten,
den Eltern die Inanspruchnahme der jeweils speziell richtigen
Frühfördereinrichtung zu empfehlen.
Die Gespräche im Umfeld dieses Kooperationsmodells begannen bereits im Frühjahr
2004. Die eigentliche Initiative ging von Frau Dorothea Kammerer, damals
pädagogische Beraterin für Frühförderung, heute Leiterin der Klosterbergschule,
Herrn Schiele, dem damaligen Leiter des Schulamtes, Herrn Bürgermeister Dr.
Bläse und dem damaligen Oberarzt der Kinderklinik, Herrn Dr. Berg, aus.
Miteinbezogen in die Besprechungen waren neben dem Sprecher der Kinderärzte in
Schwäbisch Gmünd, Herrn Dr. Böttinger, auch Herr Rettenmaier als Leiter des
Sozialdezernats sowie die Amtsleiter des Jugend- und Sozialamts des
Landkreises.
Durch Kontaktaufnahme mit dem Sozialministerium durch Herrn Chefarzt Dr.
Schädel konnte die Hoffnung auf entsprechende Förderung durch das Sozialministerium
aufkommen. Der dann folgenden Bitte des Sozialministeriums, eine Konzeption
dort vorzulegen, wurde seitens des Klinikums gerne nachgekommen. In der Folge
wurden mehrfach vom Sozialministerium Besprechungstermine angekündigt.
Schlussendlich kam jedoch nach ca. ½ Jahr des Zuwartens ein ablehnender
Bescheid, welcher zwar das Kooperationsmodell ausdrücklich gut heißt und auch
nachhaltig befürwortet, jedoch eine finanzielle Förderung ausschließt und
darüber hinaus abschließend klarstellt, dass keine Vergütungsmöglichkeiten für
den von der Kinderklinik zu leistenden Personalaufwand entsprechend den Vorschriften
des V. Sozialgesetzbuches ausschließt.
Diese Nachricht wurde sowohl seitens des Klinikums, als auch der beteiligten
schulischen Einrichtungen mit Erschütterung zur Kenntnis genommen, zumal zuvor
seitens des Sozialministeriums deutliche Hoffnungen auf eine finanzielle Förderung
gemacht wurden.
III.
Kosten
Der abschließende Bescheid des Sozialministeriums wurde auch deshalb mit
nachhaltiger Enttäuschung zur Kenntnis genommen, zumal es sich bei dem geltend
gemachten regelmäßigen Aufwand um einen Betrag von lediglich ca. 8.000 €
pro Jahr handelt.
Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation des Klinikums Schwäbisch
Gmünd war jedoch das Eingehen weiterer finanzieller Verpflichtungen nicht
machbar, so dass in Abstimmung mit Herrn Landrat Pavel verschiedene Einrichtungen
in Schwäbisch Gmünd mit der Bitte um finanzielle Unterstützung angegangen
wurden.
Diese Bemühungen waren letztlich erfolgreich, so erhält das Klinikum von der
Dr. Alfred und Anne Ziegler Stiftung in Schwäbisch Gmünd über drei Jahre hinweg
eine Förderung von jeweils 5.000 €. Die Kreissparkasse Schwäbisch Gmünd
wird das Projekt ebenfalls mit einem Betrag von 750 € für die nächsten
drei Jahre unterstützen. Eine weitere Zusage ging von der AOK Schwäbisch Gmünd
ein, sie wird dieses wichtige Projekt ebenfalls über einen Zeitraum von drei
Jahren mit einem Betrag von jeweils 500 € unterstützen.
Es ist nicht ausgeschlossen, dass weitere Unterstützer für dieses Projekt
gewonnen werden können, so dass sich nun Landrat Klaus Pavel und die
Betriebsleitung des Klinikums Schwäbisch Gmünd sich in der Lage sehen,
„Grünes Licht“ zum Start dieser Kooperation geben zu können.
Darüber hinaus wird es möglich sein, den zunächst angenommenen Aufwand noch
etwas zu reduzieren, so dass keine Finanzierungslücke entstehen wird.
Der schulische Bereich wird jetzt koordiniert durch Frau Gonde Seiler-Clark,
Leiterin des Bereichs Schulen und Bildung bei der Landkreisverwaltung und Frau
Renate Beckstette, Nachfolgerin von Frau Kammerer, welche zwischenzeitlich die
Schulleitung der Klosterbergschule innehat.
Die Landkreisverwaltung, die Betriebsleitung des Klinikums Schwäbisch Gmünd,
der Chefarzt der Kinderklinik, Dr. med. Gerold Schädel, der Sprecher der Kinderärzte,
Dr. med. Martin Böttinger sowie die vorgenannten Vertreter des schulischen
Bereichs sind davon überzeugt, dass mit diesem Kooperationsmodell, welches einen
pädagogisch und medizinisch qualifizierten Einstieg in möglicherweise erforderlich
werdende Förderprogramme für in der Entwicklung auffällige Kinder bietet, die
eingangs der Vorlage beschriebenen Nachteile deutlich reduziert werden können.
Sehr dankbar ist der zuvor beschriebene Kreis der Beteiligten den Geldgebern.
Wie ausgeführt, wird sich der Finanzierungsbeitrag auf einen Zeitraum von drei
Jahren, also auf die Jahre 2006, 2007 und 2008 erstrecken. Dieser Zeitraum wird
ausreichen, um die erzielten Ergebnisse und die gewonnenen Erfahrungen ausreichend
beurteilen zu können. Die am Projekt beteiligten Kooperationspartner haben zum
jetzigen Zeitpunkt die Erwartung, dass sich die in das Projekt gesetzten
Erwartungen erfüllen werden. Es soll an dieser Stelle darauf hingewiesen
werden, dass am Klinikum Heidenheim seit ca. zwei Jahren ein ähnliches Projekt
existiert und die dort gewonnenen Erfahrungen sehr positiv sind.
Im Falle der Fortsetzung des Projekts über das Jahr 2008 hinaus, und davon gehen
im Moment alle Beteiligten aus, sind die vorgenannten Kosten in der Größenordnung
von rd. 8.000 € pro Jahr aus dem Klinikbudget zu übernehmen. Hierbei geht
die Betriebsleitung des Klinikums davon aus, dass sich bis zum Jahr 2009 zum
einen die wirtschaftliche Situation des Klinikums Schwäbisch Gmünd entscheidend
verbessert und zum anderen es auch nicht ausgeschlossen ist, dass auch nach dem
dreijährigen Anlaufzeitraum noch Kofinanzierungen über Spenden eingeworben
werden können.